Unwetter-Schäden in der Landwirtschaft

Fachdienst berät Landwirte

 Neckar-Odenwald-Kreis. (lra) Die Unwetterereignisse im Landkreis haben auch in der Landwirtschaft große Schäden verursacht, die der zuständige Fachdienst des Landratsamtes inzwischen zusammengetragen hat. Als durchaus erheblich bezeichnet Bernhard Heim, Leiter des Fachdienstes, die Schäden, die sich auf mehrere hundert Hektar verteilen. Existenzbedrohend seien diese glücklicherweise nicht, allerdings müsse in Verbindung mit der ohnehin sehr angespannten wirtschaftlichen Lage der Landwirte von einer akuten Krisensituation gesprochen werden. Während die Landwirte meist gegen Hagelschäden versichert sind, würden weitergehende Schäden kaum entschädigt. „Wir haben umgehend versucht, uns ein Bild von der Situation vor Ort zu machen und haben das Landwirtschaftsministerium informiert. Dort muss nun entschieden werden, ob beziehungsweise welche Hilfen zur Unterstützung der betroffenen Höfe geleistet werden können“, unterstreicht Heim.

Besonders entlang der Bachläufe wurden die Wiesen vielfach niedergewalzt, gelegentlich wurden auch Ackerbaukulturen geschädigt. Bei einigen Flächen liegen Unrat und Geröll auf den Feldern der Talauen. Während Raps, Wintergetreide und auch Sommergetreide dem Starkregen weitgehend standhalten konnten, kam es vor allem bei Mais, vereinzelt auch bei Blühmischungen, Rüben oder Kartoffeln und Feldgemüse zu Verschlämmungen und zur Erosion. Hier wurden oft sowohl Pflanzen als auch das Erdreich weggespült.

Verhindert oder zumindest gemildert wurden schlimmere Erosionen durch eine Vielzahl von Erosionsschutzmaßnahmen. Denn diese liegen Experten des Fachdienstes wie Josef Matt besonders am Herzen: „Der fruchtbare Oberboden muss über Jahre hinweg gepflegt werden. Die richtige Bearbeitung, Fruchtfolge und eine möglichst organische Düngung haben hier großen Einfluss. Mit der pfluglosen, konservierenden Bodenbearbeitung in Verbindung mit einem verantwortungsvollen Pflanzenschutz konnten wir das Gefährdungspotential bei der Erosion in den vergangenen Jahren deutlich entschärfen“, meint der Fachmann.

Bernhard Spies, ebenfalls Berater des Fachdienstes, ergänzt, dass mit dem hier meist praktizierten Anbau von Zwischenfrüchten auch im Winter eine schützende Bodenbedeckung erreicht werden kann. Irgendwann müsse aber eben der Boden für die Saat vorbereitet werden und in diesem kurzen Zeitfenster sei der Boden gefährdet. In besonders erosionsgefährdeten Flächen gebe es zudem Einschränkungen bei der Bodenbearbeitung und beim Anbau. „Die langfristige Bodenfruchtbarkeit und der nachhaltige Erosionsschutz müssen Vorrang vor kurzfristiger Gewinnmaximierung haben“, so Spies.

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Für Futterzwecke genutzt werden kann der verschlammte Aufwuchs der Wiesen meist nicht mehr. Daher sollte dieser nach Empfehlung des Fachdienstes rasch beseitigt oder verwertet werden, damit die Pflanzen neu austreiben können. Das Trocknen und Verbrennen ist aufgrund der enormen Rauchentwicklung auf keinen Fall zu empfehlen. Eine Verwertung in Biogasanlagen wäre möglich, soweit die Biomasse nur wenig verschmutzt ist. Das Mulchen kann dann empfohlen werden, wenn der Aufwuchs nicht zu üppig ist und eine Folgenutzung hierdurch nicht in Frage gestellt wird. Somit bleibt oft nur eine Kompostierung des verschmutzten Erntegutes auf dem Feld. In Ausnahmefällen ist dies analog zu einem Behelfssilo beziehungsweise einer Dunglagerung bis zu sechs Monaten auf dem Feld zulässig. Hierzu sind jedoch einige Vorkehrungen zu ergreifen, die in Absprache mit dem Fachdienst oder der Wasserwirtschaft abgeklärt werden müssen.

Noch nicht registrierte landwirtschaftliche Schäden können unter Angabe der betroffenen Flurstücke und Art der Schäden an Karl Otto Sprinzing unter Karl-Otto.Sprinzing@neckar-odenwald-kreis.de oder 06281/5212-1603 gemeldet werden.

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(Foto: LRA)

© www.NOKZEIT.de


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5 Kommentare

  1. Die Bauern sind keine Opfer, sondern Täter. Überall riesige Maismonokulturen statt Streuobstwiesen.

    und unsere Keller und Häuser laufen voll.

    • So ein Quatsch, was willst du mit mehr Streuobstwiesen und weniger Ackerflächen? Äpfel gibt es genug. Die Bauern müssen Geld verdienen und sind nicht nur Landschaftpfleger. Unsere Äcker werden für Nahrungsmittel, Futtermittel und Energiepflanzen gebraucht, wir sind 80 Millionen Einwohner in Deutschland und leben nicht von Äpfeln und Kirschen allein. Immer diese Träumereien ohne nachzudenken. Natürlich wäre mehr statt nur Mais mehr Vielfalt gut, aber das hat nicht zu tun mit Streuobst oder Hochwasser.

      • Bauern in Deutschlabd braucht heute kein Mensch mehr, um satt zu werden. Der weit überwiegende Teil unserer Nahrungsmittel wird im Ausland produziert, während uns die Bauern-Subventionen arm machen und die Monokulturen aus Mais ersaufen lassen. Und die aus Weihnachtsbäumen mit irrsinnigem Glyphosat-Einsatz vieler Arten berauben – wo sind bei diesem Artensterben eigentlich die Windkraftgegner?
        Streuobstwiesen sind sehr artenreich. Von mir aus sollen Bauern, die Landschaftspflege betreiben und biologisch arbeiten Subventionen bekommen. Dem Rest wünsche ich freie Marktwirtschaft. Wie bei der Milch.

      • @ Leser
        Provuzieren Sie mit Absicht, oder wissen Sie es nicht besser.
        Wenn dem so ist, tun Sie mir sehr, sehr leid.
        Schämen Sie sich.
        Tipp: Erst überlegen, dann schreiben. Am liebsten garnicht…!

      • „Der weit überwiegende Teil unserer Nahrungsmittel wird im Ausland produziert“

        Das ist falsch. Selbst wenn du dich nur von Cola und Pizza American Style ernährst, dann muss ich dich enttäuschen: Auch das wird in Deutschland hergestellt.

Kommentare sind deaktiviert.