Schloßau: 50 Jahre Waldkapelle Maria Frieden

(pm) Zunächst hatte man die Feier in die Kirche St. Wolfgang verlegen wollen, doch dann strahlte die Sonne nur so vom Himmel herab und war die Gott gegebene Einladung, 50 Jahre Waldkapelle Maria Frieden direkt vor Ort zu feiern, und zwar zur Bestimmung der Kapelle passend in einer besonderen Andacht zur Ehre der Mutter Gottes Maria und des Schöpfers sowie all der Menschen, die damals und auch heute noch diese wunderbare Anlage pflegen.
 
 Dr. Edmund Link begrüßte die Gäste im Namen des Gemeindeteams der Seelsorgeeinheit, des VÖG und des Parforcehorn-Ensembles und dankte auch den Jagdhornbläsern „Waidmannsheil“ unter Leitung von Bernhard Meixner, die zusammen mit den überaus zahlreich erschienenen Gläubigen und den Jägern dafür sorgten, dass der Einklang von Schöpfung, Natur, Wald und Tierwelt in dieser besonderen Andacht deutlich wurde. Den musikalischen Rahmen des Gottesdienstes unter Leitung von Pfarrer Klaus Vornberger gestaltete in gekonnter Weise das Odenwälder Parforcehorn-Ensemble, das mit seiner unglaublichen Klangvielfalt begeisterte. Gegründet wurde das Ensemble 2014 unter dem Dach des Vereins Örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach mit dem Ziel Brauchtum und Parforcehornmusik in unserer Region zu erhalten und zu fördern.
 
 Wie Dr. Link weiter erläuterte, galt die Parforcejagd im 17. Jahrhundert als besonders herausragend und gesellschaftlich hochstehend. Und damals wie auch heute noch kam dabei als Traditionsinstrument die „Trompe de chasse“ zum Einsatz, in D gestimmt und trompetenähnlich aber scharf klingend. „Mit diesen Hörnern geht eine für unsere Ohren einzigartige Klangrichtung einher.
 
 Zahlreiche Parforcehorn-Gruppen blasen in Deutschland noch diesen jagdlichen Stil.“ Doch die Odenwälder Parforcehornbläser verstehen sich musikalisch ganz anders geprägt. Sie blasen auf Parforcehörnen, welche der österreichischen bzw. alpenländischen Klangkultur voll entsprechen. Die Nähe zu den meisterhaften Kompositionen der Wiener Hornschulen ist deutlich wahrzunehmen. Klanglich ist man dem Konzertwaldhorn sehr nahe – es bleibt aber eine Klangcharakteristik erhalten, welche der Einsatz in Wald, Natur und gelegentlich auch jagdlicher Umgebung favorisiert. Im Grunde könnte man sich auch als Naturhornensemble bezeichnen. Da ein überwiegender Teil der Bläser blasmusikalische Erfahrung besitzt, ist die Nähe zur österreichischen böhmischen Musikrichtung auch verständlich.
 
 Allen Bläsern ist auch bewusst, dass diese Richtung das musikalische Können permanent herausfordert. Mundstück und Instrument müssen als Teil des Körpers empfunden werden, nur dann gelingt der angestrebte weichere Parforcehornton. Das Odenwälder Parforcehorn-Ensemble verpflichtet sich das Brauchtum und die besondere Parforcehornmusik zu erhalten und zu fördern zelebrierte gekonnte die Musikstücke der Waldandacht „Morgengruß“ und „Großer Gott“ sowie eeitere Stücke aus der Umgebung des Wiener Waldhornvereins von Josef Schantl, Karl Stiegler und Anton Wunderer.
 
 Als weitere Besonderheiten der Andacht galten die gestalterischen Elemente von Katrin Fleischmann, Walter Herkert und vieler weiterer Akteure, darunter Thomas Müller mit der großen Bildtafel als visuelle Chronik. Wie auch Ortsvorsteher Herbert Münkel in seinem Grußwort betonte, gelte das Opfer dieser Jubiläumsandacht und des anschließenden Umtrunks im Pfarrhaus als Spende zur Restaurierung der Marienfigur. Weiter ging er kurz auf die Entstehung der Kapelle ein, die Thomas Müller aufgearbeitet hatte.
 
 Demnach galt Pfarrer Johann Buchdunger als Baumeister in der Geschichte der Pfarrgemeinde Schloßau. Denn unter seinem Wirken entstanden auch die „Lourdes-Grotte“ an der Schloßauer Kirche, die Kapelle „in der Hohl“. Und man legte Wert auf „Eigenfinanzierung“, auch wenn der Marienaltar aus dem Marienwallfahrtsort Kevelaer in Nordrhein-Westfalen stammte und sicher kein Schnäppchen war.
 
 Münkel dankte in diesem Zusammenhang vor allem Dr. Edmund Link als Vorsitzenden des Vereins Geschichte Schloßau-Waldauerbach für dessen überdurchschnittliches Engagement. Und dann mussten die zahlreichen Gäste und Aktiven doch noch fluchtartig die Waldkapelle Maria Friede verlassen, weil der Wettergott schlagartig einfach keine Geduld mehr hatte.
 


(Foto: Liane Merkle)

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