Gastfamilien für minderjährige Ausländer gesucht

Symbolbild

Jugendhilfeausschusses des Neckar-Odenwald-Kreis tagte – Erfreuliche Bilanz der Kindertagesbetreuung im Kreis
  Mosbach. (lra) Gastfamilien für minderjährige Ausländer werden gesucht – das war die zentrale Botschaft, die den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses des Neckar-Odenwald-Kreises am Montag im Landratsamt in Mosbach mitgegeben wurde.
 
 „Der hohe Zustrom von Flüchtlingen in den Kreis im vergangenen Jahr brachte viele Herausforderungen mit sich, die Unterbringung zahlreicher Minderjähriger war aber sicherlich eine ganz besondere“, unterstrich Landrat Dr. Achim Brötel in seinen einführenden Worten. Sein Dank ging daher an den Geschäftsbereich Jugend des Landratsamtes sowie an das Kinder- und Jugenddorf Klinge, das Erzbischöfliche Kinder- und Jugendheim St. Kilian in Walldürn und die Johannes-Diakonie in Mosbach, die kurzfristig eine große Zahl an Plätzen geschaffen hatten. „Ohne die professionelle Arbeit bei uns im Haus und drei verlässliche Partner wäre die Unterbringung in so kurzer Zeit kaum möglich gewesen“, so Dr. Brötel.
 
 Warum die Verantwortlichen beim Landratsamt Gastfamilien für die so genannten unbegleiteten minderjährigen Ausländer (UMA) suchen, erläuterten dann der stellvertretende Fachbereichsleiter Peter Roos gemeinsam mit Landratsamtsmitarbeiter Uwe Reinhart. So sei man aktuell für fast 100 minderjährige Flüchtlinge verantwortlich, während es 2014 gerade einmal fünf gewesen seien.
 
 Die meisten UMA seien männlich, zwischen 16 und 17 Jahre alt und kämen aus Afghanistan, Syrien, zum Teil auch aus Afrika. Reinhart, der für deren Betreuung unmittelbar zuständig ist, schilderte dann die Fluchtgründe und die oft schwierige Situation der Minderjährigen. Nicht nur die lange, kräftezehrende Flucht, sondern auch die Trennung von der Familie mache ihnen zu schaffen. Daher sei es ein wichtiges Anliegen, bestimmten Kindern und Jugendlichen die Unterbringung in einer Familie statt in einer Einrichtung anbieten zu können.
 
 Die Chancen, aber auch mögliche Schwierigkeiten der Unterbringung stellte Roos dar. Jede potenzielle Gastfamilie müsse intensive Gespräche mit erfahrenen Mitarbeitern des Landratsamtes führen und zeigen, dass sie eine verlässliche Unterkunft bieten könne. „Beide Seiten müssen sich wohlfühlen, wir werden kein Kind in eine Familie geben, bei der wir nicht sicher sind, dass es ihm gut geht“, betonte Roos. Eine klare Absage erteilte er damit auch allen, die mit dem Gedanken spielten, UMA nur aufgrund des Geldes aufzunehmen.
 
 Vielmehr suche man Familien, die den Platz, aber auch die notwendige Bereitschaft und Offenheit haben. Dass die Aufnahme nicht nur dem Jugendlichen einen guten Start in sein neues Leben ermöglicht, sondern auch für die Gastfamilie wunderbare Erfahrungen biete, daran ließ Roos abschließend keinen Zweifel. Interessenten könnten sich unverbindlich an den Pflegekinder- und Adoptionsdienst beim Landratsamt wenden.
 
 Wie spannend und eindrücklich das vorgestellte Thema war, zeigte sich auch an den zahlreichen Nachfragen der Ausschussmitglieder. Diese zielten vor allem auf das Auswahlverfahren, die Rahmenbedingungen der Unterbringung und erste Erfahrungen mit Gastfamilien ab. Auch wurde zugesagt, wo möglich für die Sache zu werben.
 
 Ebenfalls präsentiert wurde dem Ausschuss ein Bericht zum Ausbau- und Entwicklungsstand bei der Kindertagesbetreuung im Kreis. „Hier sind in den Städten und Gemeinden unheimliche Anstrengungen unternommen worden, im Bereich der Betreuung unter dreijähriger Kinder hat sich die Zahl der Plätze seit 2005 sogar verzehnfacht“, sagte der Landrat. Insgesamt gebe es für diese Gruppe, so das Ergebnis einer Abfrage, in Tageseinrichtungen kreisweit rund 1.100 Plätze. In ausnahmslos allen Städten und Gemeinden werde eine Betreuung angeboten. Zusammen mit dem Betreuungsangebot in der Tagespflege werde so eine Versorgungsquote von über 32 Prozent und damit auch das vorgegebene Ziel erreicht.
 
 Das Angebot an allgemeinen Kindergartenplätzen für Kinder von drei bis sechs Jahren, so Dr. Brötel weiter, sei nach wie vor höher als der Bedarf. Weiterhin aktuell sei jedoch vielerorts das Thema flexiblerer Öffnungs- und Betreuungszeiten. Auch das Betreuungsangebot für Schulkinder habe sich wesentlich verbessert, sodass inzwischen rein rechnerisch für 52 Prozent der Kinder ein Platz zur Verfügung steht. Die Städte und Gemeinden arbeiteten intensiv daran, die Betreuungszeiten in der Grundschule und während der Ferienzeiten auszubauen. Auch bei den Tagespflegen sei ein Anstieg der betreuten Kinder zu verzeichnen. Wie in allen anderen Bereichen gehe die erhöhte Nachfrage darauf zurück, dass Alleinerziehende oder beide Elternteile einer Berufstätigkeit nachgingen.
 
 Insgesamt zeigte sich der Landrat mit der Bilanz sehr zufrieden und dankte Kommunen wie auch kirchlichen und freien Trägern für ihr Engagement. Ohne Frage müssten aber Ausbau und Flexibilisierung der Betreuungsangebote weiter vorangetrieben werden. „Die passenden Betreuungsplätze sind schon auch ein Standortfaktor geworden.“ Den Ausschussmitgliedern versprach er, sie weiterhin über die Entwicklungen zu informieren.

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