Gemeinsamer Schutz gegen Starkregen

Maßnahmenpaket verbessert Hochwasserschutz an Amor- und Hängelbach

(pm) Die Städte Neckarsulm und Bad Friedrichshall kooperieren beim Hochwasserschutz, um im Falle von Starkregenereignissen gewappnet zu sein. Mit Hilfe eines Modellversuchs soll die hydraulische Leistungsfähigkeit im Bereich des Sulmdolen-Einlaufs beim Audi Werk Neckarsulm optimiert werden. In den Doleneinlauf münden der Amorbach und der Hängelbach, die dort unter der Bahnlinie und der K 2000 hindurch in die Sulmdole eingeleitet werden. Dieser hydraulische Engpass konnte den extremen Starkregen Ende Mai mit Niederschlagsmengen von 100 bis 200 Litern pro Quadratmetern nicht bewältigen, so dass die Bäche über die Ufer traten, die Bahnlinie und die Kreisstraße unterspülten und auch das Audi Werk überfluteten.

„Solche Starkregenereignisse lassen sich nicht verhindern. Sie werden eher noch zunehmen“, erläuterte Bürgermeisterin Dr. Suzanne Mösel in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses im Rathaus Neckarsulm. „Unser Ziel ist es, die Schäden durch solche Extremwetterlagen zu verringern.“ Hierzu stellte die Verwaltung dem Bauausschuss einen Maßnahmenkatalog vor, der an den hydraulischen Schwachstellen im Gewässersystem ansetzt und den Hochwasserschutz entlang des Amorbachs und des Hängelbachs verbessern soll. Entwickelt wurden die Vorschläge in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Winkler & Partner GmbH, Stuttgart. Der Amorbach verläuft auf Bad Friedrichshaller Gemarkung, während sich der Hängelbach auf Neckarsulmer Gemarkung befindet. Die beiden Nachbarstädte setzen die geplanten Maßnahmen in ihrem jeweiligen Bereich eigenverantwortlich um und teilen sich die Kosten.

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Hydraulische Leistungsfähigkeit des Doleneinlaufs wird im Modellversuch optimiert

Die Optimierung der hydraulischen Leistungsfähigkeit am Doleneinlauf wird anhand eines wasserbaulichen Modells geplant, das im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gebaut wird. Das Institut für Wasser- und Gewässerentwicklung am KIT baut den Bahn- und Straßendurchlass bei der Sulmdole und die einmündenden Gewässerabschnitte des Amorbachs und des Hängelbachs im Maßstab 1:8 nach und testet an diesem Modell die bauliche Optimierung der örtlichen Gegebenheiten, um die beste Variante zu ermitteln. Die Kosten für den Modellversuch betragen 50.000 Euro und wurden vom Gemeinderat der Stadt Neckarsulm im Juli genehmigt. Der Modellversuch soll noch in diesem Jahr stattfinden. Auf Grundlage der Ergebnisse werden die weiteren Einzelmaßnahmen im kommenden Jahr realisiert.

Entlang der Bahnlinie werden die Ufer des Amorbachs und des Hängelbachs um jeweils etwa 30 Zentimeter bis einen Meter erhöht. Die Kosten betragen etwa 30.000 beziehungsweise 55.000 Euro. Die genaue Höhe des Uferausbaus wird im Modelversuch ermittelt. Ergänzend zu den Baumaßnahmen an den Bächen wird die Einlaufgeometrie am Doleneinlauf optimiert. Hierzu wird die Brüstungsmauer um etwa einen halben Meter erhöht. Um diese Bauarbeiten zu ermöglichen, wird zwischen dem Bachlauf und der Bahnlinie eine Baustraße mit einer Überfahrt am Auslauf der Hängelbachdole angelegt. Hierfür sind Kosten von etwa 25.000 Euro vorgesehen.

Die Stadt Bad Friedrichshall errichtet zusätzlich einen Rohrkrümmer am Auslauf der Amorbachdole zu Kosten von etwa 10.000 Euro. Der Krümmer soll den Bauchauslauf parallel zur Bahnlinie lenken und so die hydraulische Ableitung verbessern. Parallel zu diesem Maßnahmenbündel plant die Audi AG auf ihrem Werksgelände eigene Maßnahmen, um die Produktionsanlagen vor Hochwasser aus den Bächen zu schützen.

Bau der Hochwasserrückhaltebecken Hängelbach und Amorbach geplant

Neben diesen kurzfristigen Maßnahmen wird mittelfristig der Bau der Hochwasserrückhaltebecken Hängelbach und Amorbach mit jeweils maximalem Rückhaltevolumen vorgeschlagen. Die Baukosten werden auf 1,8 beziehungsweise 1,5 Millionen Euro geschätzt. Während die Planung für das Rückhaltebecken Hängelbach bereits weit fortgeschritten ist, ist über die Realisierung des Hochwasserrückhaltebeckens Amorbach erst noch zu entscheiden. Über beide Maßnahmen berät der Wasserverband Sulm als zuständiger Vorhabenträger in einer seiner nächsten Sitzungen.
Außerdem will der Verband untersuchen, ob das Stauraumvolumen des Hochwasserrückhaltebeckens Attichsbach vergrößert werden kann. Diese Möglichkeit soll im Rahmen der jährlichen Sicherheitsüberprüfung mit untersucht werden.

Gemeinderat Neckarsulm genehmigt überplanmäßige Mittel zur Beseitigung von Hochwasserschäden

Das durch extremen Starkregen verursachte Hochwasser am 29. und 30. Mai hat in Neckarsulm enorme Schäden verursacht. Um alle Schäden beseitigen zu können, hat der Gemeinderat in seiner Juli-Sitzung überplanmäßige Mittel in Höhe von 207.000 Euro genehmigt. Dazu zählen 50.000 Euro für einen Modellversuch, der vom Institut für Wasser- und Gewässerentwicklung am Karlsruher Institut für Technologie ausgeführt wird. Auf Grundlage der Ergebnisse planen die Städte Neckarsulm und Bad Friedrichshall die Optimierung der hydraulischen Leistungsfähigkeit am Sulm-Doleneinlauf beim Audi Werk Neckarsulm.

Von den überplanmäßig genehmigten Mitteln werden 52.000 Euro benötigt, um den Teich im Stadtteilpark „Grüne Mitte“ in Amorbach von eingeschwemmtem Schlamm zu reinigen. Zu Kosten von 50.000 Euro wurde eingetragenes Geröll im Bereich des Hängelbachs beseitigt. Die Wege in der „Grünen Mitte“ wurden mit einem Kostenaufwand von 40.000 Euro wieder hergestellt. Außerdem mussten drei Salzstreu-Automaten, die durch das Hochwasser auf dem Bauhofgelände beschädigt wurden, repariert werden. Die Reparaturkosten betrugen 15.000 Euro.

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