Kulturkommode stellt Jahresprogramm vor

 Ana Alcaide Trio. (Foto: Ander Olaizola)

Abwechslungsreiche Veranstaltungsreihe aus Kabarett, Musik und Film

von Martin Hammer

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In vielen Ländern der Erde wird man mit 21 Jahren volljährig. Das bedeutet Eigenständigkeit und Unabhängigkeit, man ist erwachsen und macht jetzt selbst „sein Ding“. Auch der Osterburkener Kleinkunst- und Kulturverein Kulturkommode erreicht 2018 diese bedeutsame Altersgrenze, die Symbolik wird hier daher gerne aufgegriffen. Die ersten zaghaften Gehversuche durch die Kleinkunstwelt wurden im Laufe der Jahre mutig in größere Veranstalter-Schritte gewandelt. Die Aktiven in der Programmplanung wagen sich immer wieder neugierig und abenteuerlustig an interessante Genres und Künstler heran, ausgetretene Pfade werden gemieden. Der Dank gilt dabei dem treuen Publikum, welches nicht nur der Auswahl des Leitungsteams vertraut, sondern sich auch sechsmal im Jahr in der Osterburkener Kleinkunstbühne gerne auf kulturelle Entdeckungsreise begibt. Auch im Programmjahr 2018 wird die geplante Auswahl wieder überraschen und sicher begeistern. Ob Germanistik heilbar ist, La Signora ihren Bräutigam findet oder man auf Flaschen Musik machen kann – man wird es erfahren. Musikalische Gäste aus Spanien und Island sowie eine Kinokomödie nach wahren Begebenheiten runden die spannende Veranstaltungsreihe ab.

Den Auftakt des Jahresprogramms macht am Samstag, 17. März, im Saal der Alten Schule, der Kabarettist und Poetry-Slammer Philipp Scharrenberg. In seinem aktuellen Programm „Germanistik ist heilbar“ setzt sich der vielfach preisgekrönte Sprachkünstler mit den „Folgeschäden“ seiner allzu intensiven leidenschaftlichen Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache und ihrer Phänomene auseinander. Er versucht dabei, das Buch vor dem Aussterben zu bewahren, ergründet mit Hörspielen die wahre Natur der Welt und entführt die Besucher ins interaktive Elfenreich. Mit einem Paket an Gedichten, Songs, Raps und Kurzgeschichten zieht er alle Register und verschafft den Besuchern einen (um in seinen Worten zu sprechen) hohen „Scharriholder-Value“. Und dies bietet er alles in einem einzigen Programm.


GlasBlasSing. (Foto: Yves Suckdorff)
„GlasBlasSing“ sind zweifellos die Meister des Upcycling – der Umwandlung eines scheinbar nutzlosen Gegenstandes in einen höherwertigen. Dazu brauchen die vier Vollbiermusiker am 14. April in der Alten Schule nur einen Kasten leere Sprudelflaschen und eine Bühne voll anderer pfandwürdiger Getränkebehältnisse. Daraus entstehen erstaunliche Allround-Instrumente, die wie Schlagzeug, Bass, Gitarre, Flöte oder auch Steeldrum klingen. Die vier Jungs von „GlasBlasSing“ bieten auch im aktuellen Programm „Flaschmob“ ihre faszinierende Flaschenmusik, erweitert durch perfekten Satzgesang und äußerst unterhaltsame Performance. Sie verwandeln den Getränkemarkt zum Konzertsaal und die Pulle zur magischen Klangschatulle, mit der sich so einige dahinwelkende Melodien leichthändig generalüberholen lassen. Immer nach dem Motto: Bitte ein Hit.

Beeindruckende Weltmusik aus Spanien wird am 9. Juni in der Alten Schule erklingen. Auf „Leyenda“, ihrem neuen, mittlerweile fünften Album taucht Ana Alcaide mit ihrem Trio tief ein in die Welt spanischer und europäischer Legenden. Es sind vor allem die weiblichen Sagenwesen, die sie in ihren Liedern besingt. Typisch für Ana Alcaides Klangwelt ist die exquisite Besetzung mit selten gehörten Instrumenten. Zu ihrem wunderbaren Gesang spielt sie die von ihr in die spanische Musik eingeführte Nyckelharpa, eine ursprünglich aus Schweden stammende Tastenfidel. Im traumwandlerischen Zusammenspiel mit Bill Cooley an Psalterium und der Kurzhalslaute Oud sowie Rainer Seiferth an akustischer Gitarre und Bouzouki gelingt den drei Musikern im Wechsel an den Instrumenten ein faszinierend spannendes und doch harmonisches Klangbild.

Nach der Sommerpause ist Svavar Knútur am 15. September zu Gast in der Alten Schule. Der aus Nordwest-Island stammende Songwriter erzählt mit „watteweicher, nordisch entrückter Folkmusik“ vom harten, aber nicht freudlosen Leben der Menschen am rauen isländischen Westfjord. Langen Winternächten und der ihnen gegenüberstehenden Schlaflosigkeit einer 24 Stunden scheinenden Sommersonne verleiht der vielseitige Sänger und Gitarrist in isländischen und englischen Texten Ausdruck. Sein außergewöhnliches Talent des Geschichtenerzählens gepaart mit einer charismatischen Persönlichkeit und berührenden Songs machen die Konzerte von Svavar Knútur zu einer emotionalen Achterbahn, welche die Zuhörer so schnell nicht wieder loslassen wird.

Ein weiteres Highlight folgt ebenfalls in der Alten Schule am 13. Oktober mit Carmela de Feo und ihrem Programm „La Signora: Meine besten Knaller“. Mit ihrem schwarzem Haarhäubchen und biederem Gouvernanten-Graufrack hat die „Schwarze Witwe der Volksbelustigung“ absoluten Wiedererkennungswert. Als Multitalent ist sie Musikerin, Sängerin, Komödiantin und Schauspielerin in einer Person, ein singender und tanzender Wirbelwind, mal anrüchig und schlüpfrig, mal bezaubernd und engelslieb und dabei auch noch ungeheuer komisch. Ihr Instrument, das Akkordeon, hat sie ebenso wie ihr Publikum meisterhaft im Griff. Mit all den wahnsinnigen, erfolgreichen und besten Nummern aus ihren verschiedenen Programmen wird die „kleine, charmante, italienische Ratte aus dem Ruhrpott“ mit Sicherheit ein komödiantisches Feuerwerk zünden.

Am 17. November wird im Römermuseums mit „Ein Dorf sieht schwarz“ eine französische Komödie gezeigt, in der die Kulturen aufeinanderprallen: Der aus dem Kongo kommende, frisch diplomierte Arzt Seyolo Zantoko tritt im Jahr 1975 in der nordfranzösischen Provinz erwartungsfroh seine erste Stelle an. Doch so aufgeschlossen er und seine Familie (die sich zuerst nur widerwillig in das ausgesuchte Provinznest begeben will) auch sein mögen: Im Alltag gibt es fast nur Vorbehalte und Ablehnung; die Unterschiedlichkeiten zwischen der schwarzen Familie und den Bewohnern im abgelegenen Kuhnest könnten kaum größer sein. Es gelingt der nach wahren Begebenheiten erzählten Culture-Clash-Komödie meisterhaft, ein aktuelles Thema bei aller Ernsthaftigkeit humorvoll zu bearbeiten und die Annäherung fremder Kulturen für den Zuschauer zum reinsten Vergnügen werden zu lassen.

Weitergehende Informationen über die Kulturkommode Osterburken und die einzelnen Veranstaltungen nachzulesen gibt es in den demnächst ausliegenden Programmheften und im Internet unter www.kulturkommode.de. Als Geschenkidee wird weiterhin der Kulturkommode-Gutschein angeboten, welcher über die E-Mail-Adresse info@kulturkommode.de bestellt werden kann.

_Carmela de Feo. (Foto: Ralf Rottmann)

Infos im Internet:

www.kulturkommode.de

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