Komatrinker werden weniger

(Foto: Pixabay)

Neueste Zahlen der AOK Rhein-Neckar-Odenwald zeigen allerdings auch: Alkoholbedingte Erkrankungen sind nach wie vor ein großes Problem

(pm) Auch wenn die Zahlen rückläufig sind: Alkohol-Missbrauch, dadurch auftretende Gesundheitsstörungen und insbesondere das so genannte Komatrinken überwiegend junger Menschen bleiben ein gesellschaftliches und gesundheitspolitisches Top-Thema. Wie aus einer jetzt von der AOK Baden-Württemberg vorgelegten Statistik hervorgeht, gab es im zurückliegenden Jahr in Baden-Württemberg fast 19.000 Krankenhausfälle wegen alkoholbedingter Störungen. Deutlich wird dabei auch, dass viel mehr Männer als Frauen zur Flasche greifen: Über dreimal so viele wurden deshalb eingewiesen.

Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) trinken Jugendliche mit 13 Jahren erstmals Alkohol und erleben ihren ersten Rausch noch vor dem 14. Geburtstag. Laut Robert Koch-Institut ist bei etwa 16 Prozent aller Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren ein riskanter Umgang mit Alkohol festzustellen – regelmäßiges Rauschtrinken bei 11,5 Prozent. Jugendliche, die besonders früh mit dem Alkoholtrinken anfangen, haben demnach auch ein erhöhtes Risiko, im späteren Leben einen problematischen Umgang damit oder sogar eine Abhängigkeit zu entwickeln.

Das so genannte Rausch- oder Komatrinken stellt insbesondere bei Jugendlichen ein erhöhtes gesundheitliches Risiko dar. Hinzu können dabei auch soziale Probleme kommen. Laut Robert Koch-Institut ist bei jungen Männern zwischen 15 und 29 Jahren jeder vierte Todesfall auf Alkohol zurückzuführen; bei Frauen in dieser Altersgruppe jeder zehnte.

Laut Statistik gab es 2017 unter den Versicherten der AOK im Lande 6727 durch Komatrinken bedingte Krankenhausfälle. 4724 davon betrafen Männer, 2003 Frauen. Immerhin war das Komatrinken insgesamt in den Jahren zwischen 2013 und 2017 statistisch gesehen rückläufig – jährlich um durchschnittlich 4,3 Prozent.

Am häufigsten tritt Komatrinken bei der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen auf. Hier wurden 2017 insgesamt 979 alkoholbedingte Krankenhausfälle registriert. Die Statistik weist weiter aus, dass Komatrinken auch unter den Jugendlichen in den Jahren von 2013 bis 2017 zurückgegangen ist – um jährlich 4,7 Prozent.

Die von der AOK Rhein-Neckar-Odenwald unter ihren Versicherten für den Neckar-Odenwald-Kreis ermittelten Zahlen zeigen eine ähnliche Tendenz. So sank die Zahl der alkoholbedingten Krankenhausfälle zwischen 2013 und 2017 hier von 119 auf 88 (bei Frauen von 31 auf 26; bei Männern von 88 auf 62). Statistisch gesehen entspricht dies einem Rückgang um durchschnittlich 7,2 Prozent pro Jahr.

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Die AOK Baden-Württemberg fördert seit Jahren die suchtpräventiven Projekte der kommunalen Suchtbeauftragten in den Stadt- und Landkreisen. Wird ein Jugendlicher mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert, wird nach Möglichkeit noch während des Klinikaufenthaltes ein Suchtbeauftragter informiert. Dieser kontaktiert dann die betroffenen Jugendlichen direkt, um frühzeitig geeignete und individuelle Suchtpräventionsmaßnahmen einleiten zu können.

Die AOK weist zudem darauf hin, dass eine neue Studie eines internationalen Forscherteams im Fachblatt „The Lancett“ zeigt, dass der wöchentliche Richtwert, nach dem Alkohol ohne Schäden konsumiert werden kann, in vielen Ländern deutlich zu hoch liegt. Die Studie beweist, dass der Konsum von mehr als 100 Gramm reinem Alkohol pro Woche (das entspricht etwa fünfeinhalb Gläsern Wein oder zweieinhalb Litern Bier) das Risiko erhöht, früher zu sterben und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln. In Deutschland gelten nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung 140 Gramm reiner Alkohol für Männer und 70 Gramm für Frauen als tolerierbar. Passend zur Thematik hat das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg gerade einen so genannten „Alkoholatlas Deutschland 2017“ herausgegeben mit umfassenden Informationen rund um das Thema Alkohol sowie über enorme regionale Unterschiede beim Trinkverhalten und den gesundheitlichen Folgeschäden. Der Atlas ist unter dkfz.de abrufbar.

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