Bienen lieben Raps

Glyphosat wird im Rapsanbau nicht eingesetzt, aber ohne eine Bekämpfung der Schadinsekten ist Rapsanbau derzeit nicht möglich. Fragen des Bienenschutzes haben dabei die Landwirte wie auch der zuständige Fachdienst des Landratsamtes stets im Blick. (Foto: LRA)

Aber auch viele Schadinsekten stehen auf die gelben Blüte – Fachdienst Landwirtschaft berät Landwirte zu Fragen des Bienenschutzes – Mehr Raps und Blühmischungen als überall im Land

Neckar-Odenwald-Kreis. (lra) Es ist nicht zu übersehen: Über 4.200 Hektar Raps und damit etwa 12 Prozent der Ackerflächen im Neckar-Odenwald-Kreis stehen in voller Blüte. „Das ist weit über dem Landesdurchschnitt. Da es hierzulande wenig Mais und Zuckerrüben oder andere Hackfrüchte gibt, wird der Raps von fast allen Landwirten zur Gestaltung einer vielfältigen Fruchtfolge angebaut. Im Wechsel mit Winter- und Sommergetreide kann somit die Ausbreitung von Pilzkrankheiten oder Verunkrautung eingeschränkt werden“, erklärt Bernhard Heim, Leiter des Fachdienstes Landwirtschaft beim Landratsamt, die großen gelben Flächen in der Flur.

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Unverzichtbar ist der Raps auch für die Imker. „Hobby- und Berufsimker aus anderen Landkreisen bringen deshalb ihre Bienen extra zu uns“, betont Heim. Denn im Kreis werden zudem jährlich über 1.800 Hektar der Ackerfläche mit Blühmischungen bestellt. Das sei ebenso mehr als in jedem anderen Landkreis in Baden-Württemberg. Der Duft der vielen Blüten lockt dann viele Bienen und andere Insekten auf die Felder.

Bewirtschaftet werden diese allerdings nach wie vor konventionell. Im ökologischen Landbau hingegen wird kaum Raps angebaut. Denn der Raps wird regelmäßig von Schädlingen wie dem Rapsglanzkäfer oder dem Kohlschotenrüssler heimgesucht. Werden die Schadinsekten nicht bekämpft, geht die Ernte verloren.

Die Landwirte prüfen daher regelmäßig, wie viele Schadinsekten bereits fliegen. Ab einer kritischen Konzentration, der sogenannten Schadschwelle, ist der Einsatz von Insektiziden empfohlen und letztlich unvermeidbar, berichtet Bernhard Heim. Bei Einschränkungen bei den Insektiziden müsse man daher immer damit rechnen, dass der Rapsanbau reduziert wird. Im Jahr 2015 seien beispielsweise einige Mittel bei der Saatgutbehandlung, der Beize, verboten worden. In der Folge sank der Rapsanbau von über 5.000 auf 3.700 Hektar. Um die Wirkung der Beizung zu kompensieren, mussten die Anzahl der Spritzungen mit Insektiziden erhöht werden.

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Der Fachdienst Landwirtschaft stellt jedoch im Rahmen der Beratung von Landwirten einen hohen Grad an Sensibilität hinsichtlich des Einsatzes von Insektiziden und damit zusammenhängenden Fragen des Bienenschutzes fest. Die Einhaltung der Auflagen wird im Rahmen der Fachrechtskontrollen überwacht. Dazu werden unter anderem Stichproben aus Pflanzenschutzgeräten entnommen. Zudem werden Saatgutproben im Mais, Raps und Getreide zur Kontrolle der Beizung gezogen.

Auch ist der Einsatz der Mittel stark reglementiert, ergänzt Nina Waldorf, die beim Fachdienst Landwirtschaft für Pflanzenschutz zuständig ist: „Alle Anwender von Pflanzenschutzmitteln werden vorab im Rahmen der Sachkundeschulungen dahingehend geschult, auf die Anwendungsbestimmungen der Pflanzenschutzmittel zu achten.“

Wenn jedoch viele Schädlinge fliegen, muss der Landwirt rasch reagieren. Die Experten vom Landratsamt raten, in den Abendstunden oder bei entsprechender Witterung zu fahren, um einen Kontakt mit Bienen gänzlich zu vermeiden. „Auch wenn der Mitteleinsatz erlaubt ist und diese diesbezüglich geprüft sind, sollte eine Gefährdung der Bienen möglichst ausgeschlossen werden“, so Waldorf.

Seit rund zehn Jahren gibt es beim Fachdienst Landwirtschaft zudem einen Bienenausschuss, bei dem sich Landwirte und Imker jährlich treffen, um sich auszutauschen. Schließlich profitieren die Landwirte direkt von den Imkern, da die Bienen die Bestäubungsrate erhöhen und somit zu einer höheren Rapsernte beitragen.

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