„Restmüllarme Abfallwirtschaft“ wird erweitert

Die Hauptbestandteile der Restmüllarmen Abfallwirtschaft: Bioenergietonne BET, Trockene Wertstofftonne TWT und der Störstoffsack. (Foto: KWiN)

Erweiterung im Juni auf Buchen Gesamtstadt und Hardheim Ortsteile

Buchen/Hardheim.  (pm) Abfall ist eine der wichtigsten Rohstoffquellen der Zukunft und man kann zudem Energie gewinnen. Somit stimmt die Aussage „Abfälle sind Rohstoffe am falschen Ort“ mehr denn je!

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Seit 2010 arbeitet die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Neckar-Odenwald-Kreises (AWN) an einem innovativen System einer restmüllarmen Abfallwirtschaft. Zunächst wurde dieses System im Rahmen eines Pilotversuches in der Gemeinde Rosenberg umgesetzt. Hardheim/Kerngemeinde folgte im Jahr 2013. Im Juni dieses Jahres wird der Bereich um die Gesamtstadt Buchen und Hardheim-Ortsteile erweitert – dann sind rund 27.000 Einwohner und somit knapp 20% des Neckar-Odenwald-Kreises an dieses System angeschlossen. Bis Ende 2020 soll der gesamt Landkreis umgestellt sein.

Basis dieses Systems sind zwei verschiedene Wertstofftonnen: Die grüne Bioenergietonne (BET) ist für nasse und kompostierbare Abfälle. Mit dem Inhalt der BET kann in einer Vergärungsanlage zunächst Strom und Wärme erzeugt werden. Danach wird das Material als Dünger, z. B. in der Landwirtschaft, eingesetzt. Alternativ kann der Inhalt auch vollständig kompostiert werden. Deshalb ist es wichtig, dass keine Störstoffe wie Glas, Metall, Verpackungen, Folien, Medikamente und Windeln enthalten sind.

In die gelbe Trockene Wertstofftonne (TWT) kommen trockene Wertstoffe wie Verpackungen, Folien, Konservendosen aber auch Kleineisenteile und Haushaltsgegenstände und Spielzeuge aus Kunststoff. Dieser Inhalt wird in Wertstoffsortieranlagen in einzelne Wertstofffraktionen getrennt und anschließend der Wiederverwertung zugeführt.

Störstoffe wie beispielweise Kehricht, Medikamente, Staubsaugerbeutel, Scherben und Porzellan, Hygieneartikel, Windeln, Kleintierstreu, Einwegspritzen und Zigarettenkippen werden in einer separaten Störstoffsammlung erfasst. Hier geht man von einem Gesamtaufkommen von lediglich ca. 20 kg pro Einwohner und Jahr aus, weshalb im Normalfall eine Sacksammlung ausreicht. Somit ist der „Sack“ auch die Standardausstattung dieses abfallwirtschaftlichen Systems. Bei erhöhtem Störstoffaufkommen wie beispielsweise in Windelhaushalten kann eine Störstofftonne bei der AWN bestellt werden. Aus den gesammelten Störstoffen wird in Müllheizkraftwerken Strom und Wärme erzeugt. Die schon seit Jahren gut eingeführten separaten Sammlungen von Altpapier (blaue Tonne), Altglas, Altholz und -metall, Altkleidern, Elektroschrott, Grünschnitt, Sonderabfall und Sperrmüll bleiben wie gewohnt bestehen.

„Die Bioguterfassung ist eine bundesweite Vorschrift“, so der Bereichsleiter Abfallwirtschaft bei der KWiN, Thomas Gambke. Mit dem innovativen Konzept restmüllarme Abfallwirtschaft könne der NOK, so Gambke weiter, überdurchschnittliche hohe Mengen sowohl beim Biogut als auch bei den Wertstoffen einsammeln und der Verwertung zuführen.

Wie findet die Umstellung statt: Mitte Mai erhalten die betreffenden Haushalte per Post den neuen Abfallkalender (gefaltet mit Klebepunkt) mit zahlreichen Informationen zugestellt. Im Juni werden die gelben Trockenen Wertstofftonnen (TWT, 240 Liter Inhalt, ersetzt die gelben Säcke) automatisch an die Grundstücke gestellt. Die Termine sind: Ab 11.06. Buchen mit fast allen Ortsteilen außer am 25.06. Eberstadt, Götzingen, Hainstadt; 25.06. alle Ortsteile Hardheim (kann bis zu drei Tage dauern). Mitgeliefert werden die roten Störstoffsäcke, zwei Vorsortierbehälter 10 Liter in grün und rot, eine 10er Probepackung Papier-Kompostbeutel und der Informationsflyer „Mülltrennung“. Die vorhandene Restmülltonne bekommt einen neuen, grünen Deckel und wird somit zur Bioenergietonne (BET). Diese Tonnengröße ist auch weiterhin die Bemessungsgrundlage für die Müllgebühr. Die Umdeckelungen finden unmittelbar nach der Leerung der Restmülltonne statt – deshalb müssen diese auch am Straßenrand verbleiben (bis zu drei Tage), bis der neue grüne Deckel montiert ist. Die Ladeteams der AWN werden an diesen Tagen zusätzliche Informationsflyer mit den entsprechenden Hinweisen unter die Tonnendeckel klemmen. Die Termine für die Umdeckelungen sind: Hettigenbeuern, Stürzenhardt am 18.06., Buchen, Bödigheim, Einbach, Hettingen, Hollerbach, Ober- u. Unterneudorf, Rinschheim und Waldhausen am 20.06., Eberstadt, Götzingen und Hainstadt am 28.06., sämtliche Ortsteile von Hardheim am 27.06.

Damit die Mülltrennung auch funktioniert, hat die KWiN/AWN ein übersichtliches Faltblatt vorbereitet, das zusammen mit der TWT an die Haushalte ausgeliefert wird. Anhand von übersichtlichen Fotodarstellungen ist schnell zu sehen, „was wo rein muss“. Auf den Tonnendeckeln befinden sich ebenfalls Informationen. Zusätzlich ist ein Infostand am Goldenen Mai in Buchen (5./6. Mai) und am Sommerfest in Hardheim (9./10. Juni) geplant. Am 6. Juni findet in der Stadthalle in Buchen von 16 bis 20 Uhr eine große Infoveranstaltung im Stile einer „Hausmesse“ mit verschiedenen Infoständen und Vorträgen statt. Hier können sich die Bürger bequem und ungezwungen über das neue System informieren.

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Die KWiN/AWN gibt noch wertvolle Tipps zur Behandlung von Biogut: In die BET darf nur kompostierbares Material, somit auch keine Plastikbeutel. Diese würden den Kompostierprozess beeinträchtigen oder die Kompostverwertung sogar unmöglich machen – wer möchte schon Plastik auf dem Acker haben! Nun sind jedoch viele von der Restmülltonne gewohnt, Plastikbeutel zu verwenden. Bei Biogut sind diese jedoch, dies versichert die AWN, nicht die Lösung sondern eher die Ursache für die Probleme Geruchsbildung im Sommer und Festfrieren im Winter. Wenn man die Küchenabfälle jeweils einfach in Zeitungspapier einwickelt bzw. den bereitgestellten 10-Liter-Vorsortierbehälter mit Zeitungspapier auskleidet oder Papier-Kompostbeutel verwendet, wird ein Großteil der Flüssigkeit, Ursache allen „Übels“, aufgenommen und somit „unschädlich“ gemacht. Von vielen Haushalten in den bisherigen Pilotgemeinden bzw. durch eigene Versuche wisse man, so die AWN, dass der Trick mit dem Papier sehr gut funktioniere.

Was bringt dieses innovative restmüllfreie System für die Umwelt? Seit 2005 dürfen auf deutschen Deponien aus gutem Grund keine biogenen Abfälle mehr deponiert werden, um die Entstehung von Methangas (um den Faktor 21 klimaschädlicher als CO2) zu verhindern. Somit wandert seit dieser Zeit der Haus-, Sperr- und Gewerbemüll in großen Einheiten zu Entsorgungs- und Müllverbrennungsanlagen. Getreu des Grundsatzes „verwerten geht vor beseitigen“ ist das Ziel, aktiven Klimaschutz zu betreiben und möglichst viele Rohstoffe aus dem Müll zu generieren. So ist beispielsweise für das Recycling von Aluminium nur ca. 8% der Energie notwendig wie für die ursprüngliche Herstellung. Und ein weiterer Grund für die dringend notwendige Erhöhung der Recyclingquote ist die Endlichkeit der überhaupt noch vorhandenen Rohstoffe.

AWN-Geschäftsführer Dr. Mathias Ginter betont, dass jedes abfallwirtschaftliche System nur gemeinsam mit der Bürgerschaft funktioniere. Man habe ein sehr gutes Konzept, abgestimmt auf die Gegebenheiten und Bedürfnisse des NOK. „Wir hoffen und gehen auch von einer guten Zusammenarbeit mit der Bevölkerung aus und sind für Fragen und Anregungen immer offen“, so Dr. Ginter. Für Rückfragen steht das KWiN Beratungsteam unter Tel. 06281 906-13 zur Verfügung.

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