GTO – „Adel verpachtet“

(Foto: pm)

Theater-AG des GTO in besonders adeliger Welt unterwegs

(pm) Man stelle sich vor: die eigene Tochter und der junge Liebhaber jagen einem nicht (mehr) vorhandenen Vermögen hinterher. Man hat einen maulfaulen König als unfreiwilligen Ehrengast, den man schon vor langer Zeit richtig eingewickelt hat. Der Direktor einer Irrenanstalt, der als Therapie selbst konstruierte Aluminiumhelme gegen Gehirnstrahlen verschreibt, kommt zu Besuch, um einem die richtige Behandlung angedeihen zu lassen. Der Überraschungsverlobte der Tochter hat (zu) viel mit einer Schlafwandlerin gemein. Man wird von einer esoterischen Vermögensverwalterin gepeinigt, die nicht nur sich selbst für im Grunde unsterblich hält. Und dazwischen ein frecher Butler, der um wirklich keinen Spruch verlegen ist.

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Das gibt´s nicht? O doch, am Ganztagsgymnasium Osterburken waren sie alle zu Gast.

Das diesjährige Sommerstück „Adel verpachtet“ von Klaus Mitschke der Theater–AG des Ganztagsgymnasiums Osterburken (GTO) am 7., 8. und 9. Juli war fürwahr ein fürstlicher Spaß.

Gräfin Cäcilie zu Selmbach-Düssel (Madlin Berg, JG 2) ist eine affektierte, überspannte und komplett weltfremde Angehörige der deutschen High-society. Und vor allem ist sie total pleite – eine Tatsache, die sie aber_ charmant _ignoriert. Seit kurzem hat sie ein Verhältnis mit Bernd Hiltenkamp (Michael Haas, JG1), einem korpulenten wie geldgierigen jungen Gigolo. Der würde für den richtigen Preis seine eigene Mutter verhökern. Einen leicht unterkühlten, aber mindestens so sarkastischen wie loyalen Freund hat sie in ihrem Butler Thomas McAllister (Dolph Löser, JG 2). Dieser waschechte Brite hält der armen Adeligen ihre zahlreichen Gläubiger weitestgehend vom Hals.
Vermögensverwalterin Frau Roste-Mehrenbach (Nina Stöffel, 10d) hingegen lässt sich nicht so einfach abwimmeln. In ihrer Not gibt Cäcilie ihren Liebhaber als ihren Sohn aus. Diese erste (Not-)Lüge setzt eine Kette grotesker Ereignisse in Gang. Der kühl-arroganten und vor allem hartnäckigen Roste-Mehrbach ist aber leider nicht so leicht beizukommen. Cäcile kommt aber ein Stück weit deren gleichzeitig vorhandener Wiedergeburtsfimmel und ihr Hang zur Esoterik zu pass.

Zusätzlich verkompliziert wird die Lage durch das Eintreffen von Cäcilies Tochter. Die ehrgeizige und karrierefixierte Archäologin Constanze zu Selmbach-Düssel (Lilly Jost, 9c) hat mehrere Überraschungen im Gepäck. Gerade unlängst hat sie einen alten Standesgenossen Cäcilies „ausgegraben“, nämlich den ägyptischen Pharao Nefer-ka-Rê. Diese Mumie aus der 2. Dynastie ist rund 5000 Jahre alt und daher kein allzu gesprächiger Zeitgenosse, wenn Roste-Mehrbach dies auch durchaus etwas anders sieht. Und ganz nebenbei hat sie sich mit ihrem Kollegen Markus Hoppe (Malte Blaha, JG2) verlobt. Hoppe ist freundlich und zurückhaltend, zugleich aber unbeholfen und nicht allzu selbstsicher. Mit Frau Althoff (Maren Schmitt, 10a), einer schroff wirkenden, bodenständigen und gutherzigen Kunstsammlerin, hat sie zudem bereits eine neue Mäzenin im Auge.

Fatalerweise hält die Vermögensverwalterin die Tochter für die Frau des Liebhabers ihrer eigenen Mutter und des Weiteren ist Roste-Mehrbach dem schweigsamen königlichen Ehrengast bald auf ganz besondere Weise verbunden. Ihre Fehleinschätzungen in Hinblick auf die (familiären) Beziehungen wiederum veranlassen Constanzes Verlobten zu einer schnellen Anreise und nicht nur bei ihm zu so mancher Panikattacke. Abkühlung finden viele Protagonisten im Sarkophag des ägyptischen Pharaos, den sie fast alle – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen und in der Regel nicht freiwillig – zeitweise von innen sehen.

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Mit von der Partie ist ebenfalls Gräfin Sieghild von Radewitz (Melanie Bittner, JG2). Sie ist von Kindesbeinen an mit Cäcilie bis aufs Blut verfeindet und zugleich ihre Hauptgläubigerin. Als narkoleptische Somnanbulin schläft sie glücklicherweise dauernd ein, schlafwandelt dann aber zu allen (un)passenden Gelegenheiten. Sie ist gerade aus dem Privatsanatorium von Professor M. A. Buse (Tim Winkelhöfer, JG2) abgereist.

Constanze will nun mit Hilfe eben dieses Professors M. A. Buse ihre Mutter für unzu-rechnungsfähig erklären, Cäcilies Pleite abwenden und ihr Erbe retten. Dumm dabei ist nur, dass M. A. Buse eigenwillige Therapiekonzepte gewisse Rückschlüsse auf seinen zart umnachteten Geisteszustand zulassen.
M.A. Buse ist auf dem Weg, Gräfin Sieghild von Radewitz wieder in sein Sanatorium zurückzuholen. Ganz nebenbei assistiert er Roste-Mehrbach bei ihrem Versuch, der Mumie neues Leben einzuhauchen.

Cäcilie jedenfalls wird am Ende nicht für unzurechnungsfähig erklärt, muss aber feststellen, dass ihr Haus verkauft wurde. Sie werden aber nicht glauben, an wen! Kommen Sie noch mit? Gänzlich unbeteiligt, aber nicht unbewegt wirkte nur Nefer-ka-Rê. Der war nämlich mindestens so eingewickelt wie das begeisterte Publikum.

Auf das nächste Stück der Theater-AG des GTO darf man sich jetzt noch freuen.

(Foto: pm)

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