Futterknappheit durch fehlenden Regen

Beim Erntegespräch stellte der Landesbauernverband heute die Erntemengen im Jahr 2018 vor. (Foto: LBV)

Getreideernte noch zufriedenstellend – Futterbaubetriebe in Not

(pm) Während Nord- und Ostdeutschland seit Monaten von massiver Trockenheit und Hitze betroffen sind, haben die Getreidebestände in Baden-Württemberg von unregelmäßigen Niederschlägen noch profitieren können.

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„Die Getreideernte im Land ist für die meisten landwirtschaftlichen Betriebe glimpflich ausgegangen. Die größten Sorgen bereitet uns die Situation der Rinderhalter, die durch die anhaltende Trockenheit massive Ertragseinbußen vor allem bei Grünland aber auch bei Mais haben. Wenn die Futtergrundlage der Tiere bedroht ist, brauchen existenzgefährdete Betriebe kurzfristige finanzielle Unterstützung“, erklärt der Präsident des Landesbauernverbandes (LBV), Joachim Rukwied, beim heutige Ernte-Pressegespräch auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Volker Escher in Waiblingen- Hegnach (Rems-Murr-Kreis).

Viel früher als üblich haben die Landwirte im Land ihr Getreide geerntet. Sogar die Maisernte musste aufgrund des fehlenden Wassers bereits in manchen Regionen begonnen werden. „Die Wasserknappheit und extreme Hitze hat die Futtererzeugung stark beeinträchtigt. Der erste Schnitt im Frühjahr war noch ordentlich, aber die folgenden Schnitte fielen teilweise komplett aus. Es fehlte Regen und das Gras wuchs schlicht nicht mehr nach“, schildert Rukwied die Situation im Land. Viele Betriebe konnten daher keine ausreichenden Futtervorräte anlegen. Es ist zu befürchten, dass Rinderhalter wegen der Futterknappheit auch in Baden- Württemberg in eine existenzgefährdende Situation geraten.

Standorte ohne Wasserhaltevermögen verlieren Ertrag

Nach einem sehr guten Start in die Vegetationsperiode 2018 haben hohe Temperaturen und wenig Regen häufig Ertrag bei Getreide und Raps gekostet. „Regional haben vor allem Getreide- und Rapsbestände auf wasserdurchlässigen Standor- ten aufgrund geringer Niederschläge Ertrag verloren. Dagegen konnten Ackerbauern in Gemarkungen, in denen es immer wieder mal regnete und der Boden das Wasser auch halten kann, ordentliche Erträge erzielen“, erläutert Rukwied die sehr unterschiedlichen Ergebnisse der Getreideernte dieses Jahr.

Risikoabsicherung und finanzielle Hilfe existenzgefährdeter Betriebe nötig

„Wir begrüßen die Ausnahmeregelungen zur Futternutzung von Zwischenfrüchten, Begrünung und Brachflächen sowie Sonderregelungen für Ökobetriebe, die das Stuttgarter Landwirtschaftsministerium ermöglicht“, sagt Rukwied. Im Einzelfall werden diese Maßnahmen jedoch nicht ausreichen. „Es muss sichergestellt sein, dass vor allem Betriebe, die infolge der Futterknappheit in ihrer Existenz gefährdet sind, kurzfristig finanziell unterstützt werden“, betont Rukwied. Darüber hinaus for- dert der Bauernpräsident die Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrück- lage für Landwirte. Sie würde die Bauern in die Lage versetzen, in ertragsstarken Jahren etwas für schlechtere Jahre zurückzulegen. Nach dem Motto: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Das wäre aus Sicht Rukwieds der Einstieg in die Hilfe zur Selbsthilfe.

Ernteergebnisse 2018:

  • Wintergerste: -10 Prozent unter dem Vorjahresergebnis; ca. -4 Prozent im Ver- gleich zum langjährigen Mittel. Qualität: Die geforderten 65 kg/hl beim Hektolitergewicht werden meist erzielt.
  • Winterweizen: -8 Prozent unter dem Vorjahresergebnis; ca. -4 Prozent im Ver- gleich zum langjährigen Mittel. Qualität: Weizen 2018 hat eine sehr gute Backqualität.
  • Sommergerste: -3 Prozent unter dem Vorjahresergebnis; ca. -2 Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittel. Qualität: Keine zu hohen Proteinwerte, gute Brauqualität.
  • Raps: Raps verliert aufgrund der Trockenheit erheblich Ertrag: -8 Prozent unter dem Vorjahresergebnis; ca. -10 Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittel. Qualität: Gute Ölgehalte von 42 bis 45 Prozent.

Ökologischer Landbau:

Die Situation im ökologischen Getreidebau ist ähnlich wie die im konventionellen. Die Erträge reichen von sehr gut bis zu hohen Verlus- ten durch Trockenschäden. Die Preisentwicklung am Ökogetreidemarkt ist grund- sätzlich stabiler als am konventionellen Markt. Aufgrund der direkteren Vermark- tungswege wie beispielsweise mit Bäckern sind die Preisschwankungen nicht so ausgeprägt. Dies zeigt sich auch dieses Jahr wieder. Die Qualität der Ernteware 2018 ist sehr gut. Die Futterversorgung ist im ökologischen genauso angespannt wie im konventionellen Betrieb. Biofutter ist am Markt nur noch schwer zu bekommen.

Hintergrund:

Landwirtschaftlicher Betrieb von Volker Escher: Der Landwirtschaftsmeister Volker Escher bewirtschaftet einen klassischen Ackerbaubetrieb mit Schwerpunkt Kartoffelanbau in Waiblingen-Hegnach (Rems-Murr-Kreis). Neben klassischen Kulturen wie Winterwei- zen, Sommergerste, Mais, Zuckerrüben, Ackerbohnen und Erbsen, baut Escher neun verschiedene Kartoffelsorten an. Diese vermarktet der 40-jahrige Betriebsleiter ausschließlich direkt.

Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg e. V. (LBV) vertritt rund 36.000 Landwirte aus Baden-Württemberg. 24 selbstständige Kreisbauernverbände nehmen auf regionaler Ebene die Interessen des bäuerlichen Berufsstandes wahr. Insgesamt ist jeder zehnte Arbeitnehmer in Baden-Württemberg direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig.

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