Vögel mit Verdacht auf Usutu-Virus melden

Baden-Württemberg ist nicht der Schwerpunkt des Vogelsterbens

Stuttgart. (pm) Das tropische Usutu-Virus verursacht auch in diesem Sommer ein Vogelsterben, das vor allem Amseln trifft. Bislang wurden 2018 bundesweit bereits 1.500 Usutu-Verdachtsfälle an den NABU gemeldet, knapp zwei Drittel davon alleine im laufenden August. In Baden-Württemberg ist die Situation bisher nicht so dramatisch wie in anderen Regionen: „Wir haben in diesem Jahr bisher 97 Verdachtsfälle gezählt, das sind weniger als im Bundesdurchschnitt“, sagt Stefan Bosch, beim NABU Fachbeauftragter für Ornithologie und Vogelschutz. „Bundesweit wurde der Usutu-Virus bisher in 43 infizierten Vogelkadavern nachgewiesen, davon stammen vier bestätigte Fälle aus Baden-Württemberg. Diese Zahlen können noch steigen, denn es wurden bisher noch nicht alle eingesendeten Vögel untersucht“, erläutert Bosch.

In Baden-Württemberg zirkuliert das Virus seit 2010, seitdem tritt es jedes Jahr in unterschiedlicher Intensität auf. „Jetzt gilt es, die Entwicklung genau zu beobachten und alle Fälle zu dokumentieren. Dazu brauchen wir die Hilfe unserer Mitbürger“, so Bosch. Unter www.nabu.de/usutu-melden können Beobachtungen toter Vögel gemeldet werden. Dort gibt es auch eine Anleitung zum Verschicken toter Tiere an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg oder Veterinär-Untersuchungsämter.

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Die Viren werden ausschließlich von infizierten Stechmücken übertragen, kranke und tote Vögel sind nicht ansteckend für andere Vögel, Haustiere oder Menschen. Der warme Sommer dieses Jahres dürfte die Ausbreitung des ursprünglich tropischen Virus begünstigt haben.

Leider kann man Usutu-Infektionen weder verhindern noch behandeln. Waren in den ersten Jahren lediglich wärmebegünstigte Regionen entlang des Rheintals und am Untermain betroffen, konnte seit 2016 eine Ausbreitung über Nordrhein-Westfalen nach Norden und in Richtung Bayern sowie ein separater Ausbruch im Raum Leipzig und Berlin festgestellt werden. In diesem Jahr sind offensichtlich vor allem die Regionen um Nürnberg sowie zwischen Bremen und Hamburg neu betroffen.

„Um die tatsächliche Ausbreitung des Virus dokumentieren zu können, ist es wichtig, möglichst viele Verdachtsfälle im Labor bestätigen zu können“, sagt Stefan Bosch. NABU und Tropenmediziner bitten die Bevölkerung, kranke oder verendete Tiere zu melden und möglichst zur Untersuchung einzusenden, um die Auswirkungen einer für Deutschland neuen Vogelkrankheit auf wildlebende Vogelarten zu dokumentieren und deren Folgen abzuschätzen. Ziel ist es, neuartige Gefährdungsursachen für Vogelarten mit anderen Bedrohungen wie Klimawandel und Lebensraumverlust vergleichen und beurteilen zu können.

Weitere Informationen:

www.NABU.de/usutu-melden

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