In 99,5 Stunden Österreich umrundet

Einmal mehr umrundete Michael Kochendörfer aus Billigheim die Alpenrepublik Österreich. (Foto: Bilder zeigen  Michael Kochendörfer beim Rennen und nach der Siegerehrung mit seinem Team

Extrem-Radfahrer Michael Kochendörfer wird Dritter beim „Race Around Austria“ – Dabei verbessert er seine Vorjahreszeit um über sechs Stunden

(mh) Mit dem Weltmeistertitel 2017 im Rad-Ultramarathon gibt sich Michael Kochendörfer aus Billighein nicht zufrieden. Dieses Jahr wollte der ehrgeizige Extrem-Radsportler als Einzelstarter beim „Race Around Austria“ (RAA) unbedingt auf Podium.

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Das härteste Non-Stop-Rennen Europas ist für die Veranstalter und Biker eine enorme Herausforderung, die mit rund 2.200 km Länge und 30.000 Höhenmetern an Veranstalter, aber insbesondere die Fahrer und deren obligatorisches Betreuerteam enorme Anforderungen stellt. Die Biker umrunden dabei auf Straßen entlang der Grenzen zu Deutschland, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Italien und Lichtenstein die gesamte Alpenrepublik Österreich.

Der Billigheimer Kochendörfer, der für Waldkatzenbach startet, war in diesem Jahr bereits zum vierten Mal bei diesem besonderen Rennen dabei. Und er belohnte sich selbst und blieb unter dennanvisierten 100 Stunden, denn nach genau 99 Stunden und 24 Minuten und 2.272,81 km  stieg der Extrembiker aus dem Odenwald als Dritter im Ziel bei Strass im Attergau von seinem Rad. Dabei musste er von seinen Betreuern gestützt werden, denn aufgrund der tagelangen einseitigen Körperhaltung auf dem Rennrad waren die Muskeln entsprechend „eingestellt“. Laufen war da nicht mehr vorgesehen.

Abenteuer, Teamgeist, Navigation und Radfahren sind die Eckpfeiler dieses in Europa einmaligen Wettbewerbs, der sich Michael Kochendörfer seit vier Jahren stellt. Die 24-Stunden-Rennen brachten nicht mehr den richtigen Kick, weshalb vor dem ersten RAA neue Herausforderungen her mussten. Dabei ist sich Kochendörfer stets bewusst, dass ein solches Rennen, ebenso wie die 24-Stunden-Wettbewerb nicht ohne ein perfekt eingespieltes Team zu fahren und schon gar nicht erfolgreich zu gestalten sind. Und so waren es neben der guten Ausrüstung, der konditionellen sowie mentalen Vorbereitung das hervorragend funktionierende Betreuerteam, dem neben Ehefrau Anja und Bruder Heiko, Pierre Keller, Heiko Dengel, Armin Lenz, Jörn Rosolski, Günter Hägele und  Alfred Morsch angehören. Bei diesem gewesen, sodass er sich völlig aufs Treten der Pedale konzentrieren konnte. Die acht Helfer achteten auf die notwendige Zufuhr von Flüssigkeit und Kalorien, sorgten für den Kleiderwechsel vor, präparierten aber auch die Rennmaschinen mit Lichtanlagen, Luftdruck und vielem mehr, sodass Radwechsel in Sekunden erledigt waren.

Die Vorbereitungen für das Saisonziel RAA begannen bereits im November 2017. Neben tausenden Kilometern auf dem Rad, stand auch Krafttraining auf Kochendörfers Trainingsprogramm. Allerdings sei es nicht damit getan, die Grundlagenausdauer zu trainieren, berichtet Kochendörfer, wichtig sei auch die Rennhärte. Sonst könne man sich nicht quälen, also den inneren Schweinehund nicht besiegen, so die Erfahrung des Billigheimer Extrembikers. Daher werden neben den Trainingseinheiten auf Odenwälder Straßen um diverse Radrennen ergänzt. So standen auch die 12 Stunden von Külsheim im Rennkalender

Trotz aller Vorbereitungen und durch die Erfahrung der Vorjahre perfektionierten Abläufe am Streckenrand bzw. im Pacecar, das den Sportler während des gesamten Rennens begleiten muss, steigt Tage vor dem Startschuss die Nervosität.

Man quält sich mit Gedanken, ob man bei der Vorbereitung alles richtig gemacht hat, ob das Material passt, tausend Dinge gingen ihm dann nahezu pausenlos durch den Kopf, rauben sogar den dringend benötigten Schlaf, verrät der erfahrene Sportler.

Dementsprechend wenig ausgeruht ging es dann dienstags, um 9:42 Uhr, auf dem Marktplatz in St. Georgen im Attergau auf die Rennstrecke. Gestartet wird zeitversetzt, da unter Beachtung der Straßenverkehrsordnung

im öffentlichen Straßenverkehr gefahren wird. Daher auch die Begleitung durch das Pacecar. Anders als bei der Tour de France und anderen Profiradrennen ist das sogenannte Windschattenfahren nicht erlaubt. Außerdem mussten die Fahrer an diesem Tag widrige Wetterbedingungen wie Wind und Regen ertragen. Hier wird dann deutlich wie wichtig das Team in den Begleitfahrzeugen ist. Nicht mir die Navigation erfolgt im Pacecar, auch Verpflegung und Kleidung werden gereicht, Marschtabellen berücksichtigt.

„Die Fahrer quälen sich über endlose Pässe, durch verstopfte Straßen und gönnen sich dennoch nur ab und an eine kurzen Schlafstopp“, erzählt Michael Kochendörfer nach dem Rennen. Die erste Schlafpause legte der Billigheimer nach 39 Stunden ein. Zuvor war er ohne Pause  1.033 Kilometer gefahrenen Kilometer. Nach nur 15 Minuten Powernapping ging es weiter. Während der Sportler für eine Viertelstunde die Augen schloss, wurde von den Betreuern alles für die Weiterfahrt vorbereitet.

„Nach dem Wecken trugen mich die gute Laune meines Teams und die vielen Botschaften und guten Wünsche, die mich über die verschiedenen sozialen Netzwerke aus der Heimat errichten erreichten zunächst leichtfüßig weiter“, lässt der Extremsportler diese Rennphase Revue passieren.

Gemeinsam mit dem Team wurde Michael Kochendörfer mit der Bronzemedaille ausgezeichnet. (Foto: pm)

Geht es in der ersten Hälfte noch moderat durchs hügelige Burgenland, stehen in der zweiten Rennhälfte diverse Alpenpässe dazu. Einen Schreckmoment gab es dann am Großglockner als ein Motorrad auf das Pacecar des Begleitteams auffuhr. Der Ausfall des Pace-Cars hätte die Rennaufgabe bedeutet, denn wie bereits erwähnt, dürfen die Teilnehmer nur begleitet fahren. Der Unfall verlief aber glimpflich, sodass es ohne großen

Zeitverlust weiterging.

Ohne weitere Zwischenfälle bewältige Kochendörfer im weiteren Rennverlauf unzählige Alpenpässe mit kräftezehrenden Anstiegen und rasanten, nicht ungefährlichen Abfahrten. Der höchste Punkt lag nach der Ersteigung des Großglockners am Hochtor auf einer Höhe von 2.504 Metern, wo den Athleten die dünne Höhenluft zu schaffen machte. Aber auch das Kühtai auf 2.017m mit einer Maximalsteigung von 16 Prozent, die Seehöhe (2.017m) mit einem 46 Kilometer langen Anstieg bis auf 2.017m über dem Meer, das Faschinajoch (1.486m), Hochtannberg (1.675m) und die Silvretta.

Alles landschaftlich sehr reizvolle Ecken unseres Nachbarlandes, für die Michael Kochendörfer aber keinen Blick hatte. Zum einen fuhr er auch nachts, zum andern musste er sich aufgrund der Anstrengung und des fehlenden Schlafs aufs Radfahren fokussieren, sodass es für die Schönheiten entlang der Strecke kein Blick blieb. Lediglich die Anfeuerungsrufe der zahlreichen Zuschauer sowie die vielen Facebook-Botschaften, die Kochendörfer aus dem Begleitfahrzeug mittels Lautsprecher zugerufen wurden, drangen in dieser Rennphase zum Biler durch.

Und so schaffte Michael Kochendörfer seine gesetztes Ziel und beendete das Rennen nach 99 Stunden 24 Minuten in weniger als 100 Stunden. Damit verbesserte er sich gegenüber 2017 um unfassbare sechs Stunden.

Nach der obligatorischen Sektdusche bei der Zieleinfahrt stand dann auch fest, dass der Billigheimer den dritten Platz bei den Einzelstartern belegte.

Nach der Siegerehrung dankte der Ausdauersportler nicht nur seinem Team und allen Sponsoren „Armins Radhaus“ Aglasterhausen, Mühle Geßmann für spezielle Müsli-Mischungen, Sport Import, Schwalbe Reifen, Supernova Lampen und Sinner Optik mit speziellen Kontaktlinsen. Ohne deren Unterstützung könne er als Amateur ein solches Rennen gar nicht realisieren, ließ Kochendörfer wissen.

Mit der Bronzemedaille beim Race across Austria hat Winterhauchbiker Michael Kochendörfer nicht nur die Region einmal mehr hervorragend präsentiert, er hat sich auch für den großen Bruder des Österreich-Rennens, das „Race Across America“ qualifiziert.

So darf man nun gespannt sein, ob Österreich als Herausforderung ausgedient hat und der Sprung über den großen Teich bevorsteht.

Infos im Internet:

www.racearoundaustria.at

http://www.mtb-michel24.de/

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