„Spielsucht? Kommt mir nicht in die Tüte“

Ein deutliches Zeichen gegen die Spielsucht: Über 50.000 Bäckertüten verteilen die Bäcker am 26. September im Kreis. Vorgestellt wurde diese Aktion von Angelika Bronner-Blatz, Suchtkoordinatorin des Kreises, der zuständigen Geschäftsbereichsleiterin beim Landratsamt Susanne Heering, dem Ersten Landesbeamten Dr. Björn-Christian Kleih, den Obermeistern der Bäckerinnungen Mosbach und Buchen, Friedbert Englert und Peter Schlär, sowie weiteren Innungsbäckern vor dem Landratsamt.

Über 50.000 bedruckte Bäckertüten werden zum bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht im Neckar-Odenwald-Kreis verteilt

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Mosbach. (pm) In über 50.000 Bäckertüten mit dem Slogan „Spielsucht? Kommt mir nicht in die Tüte!“ werden am Mittwoch, den 26. September im gesamten Neckar-Odenwald-Kreis die Einkäufe der Kunden eingepackt. Mit dieser Aktion anlässlich des Aktionstags gegen die Glücksspielsucht möchte die Suchtkoordinatorin des Kreises, Angelika Bronner-Blatz, zusammen mit den Obermeistern der Bäckerinnungen Mosbach und Buchen, Friedbert Englert und Peter Schlär, und den innungsangehörigen Bäckereien die Bevölkerung auf das Suchtpotential von Glücksspielen aufmerksam machen. Der bundesweite Tag wird von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und den Landesfachstellen für Glücksspielsuchtprävention organisiert.

„Für die Innungsbäckereien war Teilnahme an dieser Aktion selbstverständlich. Und auch das Landesgesundheitsamt, das die Bäckertüten zu der Aktion zur Verfügung stellt, war hocherfreut über das große  Engagement in unserem Kreis“, sagte Bronner-Blatz bei der Vorstellung in Mosbach.

Etwa 0,6 Prozent der 16- bis 70-jährigen Bevölkerung in Deutschland zeigt nach aktuellen Repräsentativerhebungen ein problematisches Glücksspielverhalten. „Das bedeutet  rein statistisch gesehen, dass wir in unserem Kreis mit gut 600 Personen mit dieser Vorstufe zur Spielsucht rechnen müssen“, so Bronner-Blatz.

Von Spielsucht oder auch von pathologischem Glücksspielverhalten, spreche man dann, wenn ein Mensch unfähig ist, dem Impuls zum Glücksspiel zu widerstehen, ohne Rücksicht auf mögliche gravierende Folgen im persönlichen, familiären oder beruflichen Umfeld. „Bundesweit gehen wir von 180.000 spielsüchtigen Menschen aus. Dazu kommen die Angehörigen, die ja sowohl von einem problematischen Glücksspielverhalten, als auch von einer Suchtproblematik mitbetroffen sind“, so Bronner-Blatz weiter.

„Probleme mit Glücksspiel heißt im Neckar-Odenwald-Kreis in erster Linie Probleme mit Geldspielautomaten“, bestätigt auch Karl Pfeil, Leiter der Beratungsstelle für Suchtprobleme des bwlv (Baden-Württembergischer Landesverband für Prävention und Rehabilitation gGmbH) im Kreis. Andere Formen des Glücksspiels seien zwar auch ein Thema, jedoch nur in untergeordneter Art. „Suchtprobleme im Umgang mit Glücksspiel rücken immer mehr in den Fokus unserer Arbeit“, so Pfeil weiter.

Es sei ein schleichender Prozess gewesen, berichtet ein Betroffener aus dem Neckar-Odenwald-Kreis, der als Jugendlicher mit dem Spiel am Glücksspielautomaten begann. Zunächst spiele man nur, um mit Gleichaltrigen Spaß zu haben. Irgendwann seien dann die sozialen Kontakte nicht mehr wichtig gewesen. In einer Art Zweisamkeit mit dem Automaten, isoliert von der Außenwelt, habe es ihm sogar großen Spaß gemacht, an vier bis fünf Automaten gleichzeitig zu spielen. „Das ist eine von vielen Geschichten, die so oder ähnlich ablaufen“, betont Pfeil. Seit 2015 habe sich die Anzahl der Menschen, die mit Spielproblemen in der Beratungsstelle nachgefragt haben, stetig erhöht. „Neben Alkohol-, Opiat- und Cannabismissbrauch ist das pathologische Glücksspiel zwischenzeitlich die vierthäufigste Problemstellung in unserer Beratungsarbeit.“

Mit der Bäckertüten-Aktion wollen daher alle Beteiligten für das Thema Spielsucht sensibilisieren und vor allem auf die Beratungs- und Hilfemöglichkeiten in unserem Kreis aufmerksam machen.

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