Nach der WM ist vor der WM

Trotz heftige Magenkrämpfe qualifizierte sich Christian Trunk beim 70.3-Ironman Portugal für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. Austragungsort ist dann Nizza. (Foto: pm)

Mudauer Triathlet Christian Trunk schafft trotz Handicap die Qualifikation

Die alte Fußballer-Weisheit „nach der WM ist vor der WM“ passte in diesem Jahr nicht nur auf die historisch schlechte Mannschaft von Joachim Löw, sondern in diesen Wochen sogar sehr viel besser auf den Odenwälder Triathlet Christian Trunk aus Mudau, der Anfang September zunächst bei den 70.3-Ironman-Weltmeisterschaften in Port Elizabeth Südafrika startete (NZ berichtete) und sich dann zum Ziel gesetzt hatte, über den 70.3-Ironman in Portugal den Weg bzw. die Qualifikation für die WM im kommenden Jahr in Frankreich zu realisieren.

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Doch wie heißt es so schön: Meistens kommt es anders als man denkt. War der 24-jährige Sportstudent bereits bei der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft durch einen Infekt in der Vorbereitung zurückgeworfen, ließen gute Leistungen im Vorfeld der Weltmeisterschaft den Gedanken überhaupt erst reifen, gleich ein Rennen später die Quali zu stemmen. Damit, so die Überlegung, könne er die Monate bis zum Top-Wettkampf frei vom Kampf um Punkte gestalten, um dadurch das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.
Doch machte der südafrikanische Winter dem jungen Sportler einen Strich durch die Rechnung, denn nach der Heimkehr in den Odenwald musste ein neuerlicher Infekt überwunden werden. Um gesundheitliche Folgeschäden zu vermeiden, legte Trunk daher eine Trainingspause ein, die ihn jedoch in Zeitnot für die Vorbereitung auf den Wettbewerb in Portugal brachte. Letztlich blieben nur 14 Tage, um alle Trainingseinheiten zu absolvieren. Denn Christian Trunk wollte ein Top-Resultat, um „Nizza“ klar zu machen und nicht nur mitlaufen, so der Plan.

Aus dem herbstlichen Odenwald in Cascais angekommen, musste sich der Athlet einmal mehr akklimatisieren, denn im Startort, 25 km westlich von Lissabon am Atlantik, zeigte das Thermometer hochsommerliche 30°C.

Das Schwimmen wurde im Hafenbecken der Atlantikstadt absolviert. Das hatte den Vorteil, dass es kaum Wellen gab, weshalb Trunk mit 28 Minuten seine eigene Bestleistung über 1,9km toppte, hatte aber auch den Nachteil, dass die Wasserqualität mehr als zu wünschen übrig ließ.
Gerade beim heiß umkämpften Start, bei dem es Schläge und Tritte hagelt, müssen die Sportler den ein oder anderen Schluck Meerwasser zu sich nehmen. Dies ist bei brackigem Wasser durchaus mit Gefahren verbunden, wie der weitere Rennverlauf zeigen sollte. Aufgrund der heftigen Tumulte und der Tatsache, dass ich mit meiner eigenen Bestzeit relativ weit vorne schwamm, musste ich leider ziemlich viel von dem ekelhaften Wasser zu mir nehmen“, berichtete Christian Trunk nach dem Rennen.

Doch zunächst freute sich der Mudauer über die gute Zeit und ging auf die 90 km lange Radstrecke, die zunächst relativ eben verlief. Nach der Hälfte ging es dann in Richtung Lissabon. Dieser Streckenteil führte auf einer sehr bergigen Schleife mit gefährlichen und windigen Abfahrten durch den Nationalpark von Sinatra, vorbei am westlichsten Punkt Kontinentaleuropas, dem Cabo da Roca. Auf dem Rad machten sich bei Trunk bereits nach 10km starke Magenprobleme bemerkbar, die dazu führten, dass sich der Sportler nur schlecht mit dem existenziellen Getränken und Lebensmitteln versorgen konnte. Ob es das geschluckte Hafenwasser oder das Essen an den Vortagen war, ließ sich in dieser Rennphase nicht feststellen. Sicher war jedoch, dass der Student von heftigen Bauchschmerzen geplagt wurde, zu denen sich nach und nach eine unangenehme Übelkeit gesellte.

„Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, wie ich einen Halbmarathon laufen soll“, gewährte Trunk einen Einblick in seine Gedanken während des Radfahrens, das er in 2:20 Stunden absolvierte. Aufgeben kam jedoch nicht in Frage, sollte doch die Nizza-Qualifikation als Lohn aller Mühen mit dem Sportler die Heimreise antreten.

Nach drei Kilometern legten sich die Magenprobleme glücklicherweise, sodass Christian Trunk sein Tempo gut halten konnte. Auf dem vierten Platz liegend nahm er die 21,2km lange Laufstrecke in Angriff. „Da ich deutlich schneller lief als die Konkurrenz, übernahm ich bereits nach 6 Kilometern die Führung“, schilderte der Mudauer den Rennverlauf. Allerdings hatte er die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn nun rächte sich die mangelhafte Versorgung auf der Radstrecke Einmal ausgelassene Kalorien und Mineralstoffe lassen sich später nicht mehr ausgleichen, weshalb Trunk immer langsamer wurde und seinen Vorsprung einbüßte. Drei Kilometer vor dem Ziel hatte er noch 10 Sekunden Vorsprung, die jedoch nicht für den Sieg genügen sollten. Am Ende lag der Odenwälder Triathlet min 4:20 Stunden mit 17 Sekunden Rückstand auf dem zweiten Platz seiner Altersklasse. Den Halbmarathon bewältigte Trunk in 1:23 Stunden.

Trotz der sehr schmerzhaften und lehrreichen Erfahrung erreichte der 24-Jährige sein gesetztes Ziel und qualifizierte sich für die 70.3-Ironman-WM 2019 in Nizza.
Nach dem Rennen dankte Christian Trunk nicht nur dem Ausrichter sowie dem Publikum für die Unterstützung. Ein Dank ging auch an seine Familie und die Betreuer und ganz besonders an die Sponsoren (LeuBe Zeltlogistik, Grimm Reisen, Hep Capital, SP Services und die Arnold-Holderbach-Stiftung), ohne es ungleich schwieriger wäre, die Starts rund um den Globus zu realisieren.

Auf dem Rad wurde Trunk von Magenkrämpfen geplagt, die er sich wohl wegen des schlechten Wassers beim Schwimmen zugezogen hatte. (Foto: pm)

Infos im Internet:

www.christiantrunk.de
www.facebook.de/trunkchristian
www.instagram.com/christiantrunk
www.twitter.com/christian_trunk

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