Psychische Erkrankungen kosten Milliarden

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Bildrechte: Flickr A man stressed at work! Free Images CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Psychische Erkrankungen kommen immer häufiger vor – und oft gehören die Bedingungen am Arbeitsplatz zu den Ursachen. Immer mehr Menschen leiden an einer Depression, einem Burnout, an chronischem Stress oder einer Angststörung. Diese Erkrankungen führen im Durchschnitt zu dreimal so hohen Fehlzeiten am Arbeitsplatz wie physische Erkrankungen. Der daraus resultierende wirtschaftliche Schaden ist enorm. Arbeitgeber sollten auf diese Entwicklung reagieren, indem sie die Arbeitsbedingungen im Unternehmen auf den Prüfstand stellen und gegebenenfalls verbessern. Denn nicht selten ist eine berufliche Überlastung – mitunter auch eine Unterforderung –
die Ursache für eine psychische Erkrankung. Nicht zuletzt zeigen diverse Umfragen, dass das Arbeitsklima für die meisten Menschen sogar wichtiger als das Gehalt ist.

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Jede dritte Krankmeldung erfolgt aufgrund eines psychischen Leidens

Die Zufriedenheit am Arbeitsplatz hat entscheidenden Einfluss auf die körperliche und geistige Gesundheit. Wer seine Arbeit gerne erledigt, sich angemessen entlohnt fühlt und ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten pflegt, hat ein sehr viel geringeres Risiko, psychisch zu erkranken. Auch körperliche Erkrankungen treten bei zufriedenen Mitarbeitern seltener auf, denn für viele Infekte ist ein geschwächtes Immunsystem verantwortlich, das zumindest teilweise durch Dauerstress bedingt ist.

Die tatsächlichen Bedingungen in deutschen Unternehmen sind jedoch weit davon entfernt, der Gesundheit der Mitarbeiter zuträglich zu sein – genau genommen sind sie besorgniserregend. Die Anzahl der Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen hat sich in den letzten zehn Jahren verfünffacht. Krankheiten wie Burnout, Depressionen sowie psychosomatische Beschwerden sind inzwischen die dritthäufigste Diagnose auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. 8,3 Milliarden Euro gehen der Volkswirtschaft jedes Jahr infolgedessen verloren.

Unzufriedenheit am Arbeitsplatz stellt somit ein ernstzunehmendes Problem dar. Sie entsteht in der Regel nicht unvermittelt, sondern schleichend. Arbeitnehmer, die mit ihrer beruflichen Situation hadern, melden sich häufiger krank, machen nur noch Dienst nach Vorschrift oder sehen sich nach einer neuen Anstellung um.

Was Chefs tun können

Schon aus rein wirtschaftlichem Interesse sollten Chefs darum bemüht sein, die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter zu erhöhen und damit zumindest indirekt auch etwas für deren Gesundheit zu tun. Einer der dafür wichtigsten Faktoren ist ein positives Arbeitsklima. Regelmäßige Mitarbeiterbefragungen können frühzeitig Hinweise auf mögliche Probleme in der Belegschaft geben. Grundsätzliche Faktoren, die die Zufriedenheit stärken, sind:

  • Anerkennung für erbrachte Leistungen
  • Aufstiegschancen
  • selbstbestimmtes Arbeiten
  • verantwortungsvolle Aufgaben
  • berufliche Erfolge

In Abhängigkeit von Arbeitsplatz und Mitarbeiter lassen sich jedoch nicht immer alle der genannten Faktoren beeinflussen. Fragen Arbeitnehmer beispielsweise nach einer Gehaltserhöhung, kann der Vorgesetzte diesem Wunsch nicht immer entsprechen. Auch eine berufliche Weiterentwicklung ist in der Regel nicht für jeden Mitarbeiter gleichermaßen möglich.

Anders sieht es hingegen beim Performance-Management-Prozess aus. In ihm ist jeder Chef grundsätzlich dazu in der Lage, die Leistung und die berufliche Entwicklung jedes Mitarbeiters aktiv zu fördern. Dazu gehören regelmäßige Feedbackgespräche ebenso wie verbindliche Zielvereinbarungen sowie eine offene und produktive Unternehmenskultur und -kommunikation. Von solchen Maßnahmen profitieren beide Seiten: Die Mitarbeiter fühlen sich in relevante Entscheidungen einbezogen und von ihrem Vorgesetzten unterstützt und geschätzt; die Vorgesetzten haben ein leistungsfähiges Tool an der Hand, das ihnen die Beurteilung und Förderung ihrer Angestellten erleichtert.

Häufig sind Chefs der Meinung, eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen gehe zwangsläufig mit höheren Kosten einher. Doch dies ist ein Irrglaube. Bereits einfach umsetzbare Maßnahmen wie regelmäßige Mitarbeitergespräche, eine flexiblere Pausen- oder Arbeitszeitregelung oder eine Neugestaltung der Arbeitsplätze können die Zufriedenheit der Mitarbeiter erheblich verbessern. Alles, was dafür nötig ist, ist ein offenes Ohr für die Belange der Mitarbeiter.

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