Amos – Vorbild für die soziale Frage?

(pm) Seit 2011 gibt es den Arbeitskreis „Christen in der SPD“ in Mosbach, der von Dekan i.R. Gerhardt Langguth † und Dr. Dorothee Schlegel ins Leben gerufen wurde. Nun ist Norbert Bienek in die Leitung eingestiegen mit dem Einstiegsreferat über den Profeten Amos, der im 8. Jahrhundert v. Chr. gelebt hat. Parallelen zu heute sind beabsichtigt.

Amos sprach seine prophetischen Worte in eine kranke Gesellschaft hinein, die in einer manipulierten Maßlosigkeit mit immer mehr Hunger nach Macht und Pracht lebte, auch ohne den Einfluss durch die Werbung. Der äußere Schein, mit dem sich Menschen schmücken, blendet. Diejenigen, die nicht mitmachen wollen oder können, werden gemobbt und ausgegrenzt. Die Schere in der Bevölkerung geht auseinander. Und Falschaussagen (fake news) sind an der Tagesordnung. Das Gewinnstreben und der Materialismus sind fast grenzenlos, Waagen und Gewichte wurden gefälscht, Arme ausgesaugt und Bestechung war an der Tagesordnung. Solidarität fiel absolut flach. Einen Ausgleich zu schaffen war nicht im Sinn der Oberen.

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In diesem Zusammenhang wird das Bild der Heuschrecke erwähnt. „Dies zeigte mir Gott, der Herr, in einer Vision: Er ließ Heuschrecken entstehen“ (Amos 7,1).  Einer wie Amos lebte in einem solchen Unrechtsstaat sehr gefährlich. Heute, so wurde im Gespräch angemerkt, funktioniert dies vielfach „eleganter“, wie bei den 50 Mrd. EUR, die die Cum-Ex-Geschäfte im Investorenbereich  den Staat gekostet haben und als größter Steuerraub zu Buche schlägt. Aber Amos ist im Auftrag Gottes unterwegs, dies alles anzuprangern.

Denn jeder Mensch ist wertvoll und kann auf die Schattenseite des Lebens gelangen. Daher ist sozialer Ausgleich ebenso notwendig wie zu lernen, wieder mehr soziale Verantwortung für das Gemeinwohl zu tragen. Amos fordert dazu auf, Macht zu teilen und auch zu mehr Gottes- und damit zur Nächstenliebe. Erweitert um die Botschaft des Neuen Testaments gilt für heute: „In den Armen und Bedürftigen begegnet ihr Christus.“

Es gilt, Herz zu zeigen für die Menschen um uns herum. Ein weiteres Lehrbuch für soziale Verantwortung und Demokratie ist das Grundgesetz. „Als SPD erleben wir“, so Dr. Dorothee Schlegel, „ dass die Erwartungen an uns sehr hoch sind. Gegen den Sozialabbau hilft gute Sachpolitik, ob bei der Rente oder bei sonstigen Unterstützungsleistungen. Dass in der Krankenversicherung Arbeitgeber und Arbeitnehmer wieder die gleichen Beiträge zahlen, wurde erreicht. Der Mindestlohn, der wirklich nur die untere Grenze aufzeigen soll, kann von jedem Arbeitgeber weit überschritten werden, auch ohne dass Amos in die Wirtschaft geht“. Diskutiert wurde auch über die Selbstverständlichkeit, in einer sozialen Demokratie zu leben. Es wird von vielen Menschen auf hohem Niveau gejammert. Es gilt, und da kann Amos wieder zum Vorbild werden, die Schieflagen frühzeitig zu erkennen oder sie sehr laut und deutlich anzuprangern – nicht nur „die da oben“ sind an allem schuld. Zu mehr sozialer Gerechtigkeit und zu mehr Solidarität, zu mehr Mitmenschlichkeit sind alle Bürger aufgerufen.

Norbert Bienek ergänzte: „Es gilt auch, die Zukunfts- und Verlustängste der Menschen, ob es ihnen jetzt gut geht oder nicht, ernst zu nehmen. Niemandem wird etwas weggenommen, weder an der Rente noch an der Sozialhilfe. Ängste sind ein Schutzmechanismus, auch gegenüber Fremden und Unbekanntem.“ Gute Nachbarschaft und die innere Bereitschaft sozial und christlich zu leben, sind das eine. Eine andere Haltung einzunehmen, weg von dem Satz: „ich brauche mir nichts vorzuwerfen“, hin dazu, in Verantwortung vor Gott und den Menschen im Alltag zu leben und nicht einen suchen, der für mich scheinbar alles regelt.

Der Arbeitskreis Christen in der SPD wird sich wieder am 18. Januar um 18:30 Uhr im fideljo in Mosbach treffen.

© www.NOKZEIT.de


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1 Kommentar

  1. Hey, ich bin begeistert von dem Artikel so sollte es
    sein christliche werte in sich aufnehmen und umsetzen,
    aber was passiert jetzt mit dem SPDler der die SPD kritisiert,
    kann ich nichts dazu sagen! Ich bin Mitglied der Linken,
    wohl aber was passiert
    wenn man die AWO kritisiert (als Schwerbehinderter) dann
    wird einfach das Gerücht unter den Klienten gestreut
    man währe ein schlechter Mensch und man müsste sich fern
    halten von dem bösen Herrn Ertl! Von Therapeuten Führungskräften
    wohlgemerkt. Was passiere mit sozial päd. des Diakonischen
    Werkes also studierte „Menschen“ wenn man sie kritisiert.
    Sehr wohl wird man gemobbt und mit Nichtbeachtung
    bestraft. Was passiert mit schwerbehinderten Menschen die
    nicht mehr das Geld bringen weil sie z. B. Persönliches Budget
    bezieht man wir entlassen und abgeschoben. Das ist die Realität.
    Gruß Peter Ertl

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