Mosbach: Frauen und Finanzen

Bei der Veranstaltung „Frauen und Finanzen“ der Sparkasse Neckartal-Odenwald freuten sich die Referentinnen Amelie Fried und Valerie Haller mit dem  Vorstandsvorsitzende Gerhard Stock über die Übergabe einer Spende in Höhe von 4000,- Euro – die eingenommenen Eintrittsgelder – an Angelika Bronner-Blatz und Martina Haag (von links) vom Förderverein des Frauen- und Kinderschutzhauses Neckar-Odenwald. (Foto: Simone Schölch)

Von Simone Schölch

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Frauen in bunten Kleidern statt Männer in dunklen Anzügen – Valerie Haller genoss den für sie ungewohnten Blick ins Publikum in der Alten Mälzerei. Die aus dem heute-journal bekannte Börsenexpertin hat es als Wirtschaftsjournalistin vor allem mit Männern zu tun. Moderatorin und Buchautorin Amelie Fried dagegen begegnet bei ihren Lesungen „zu 90 Prozent“ Frauen. Diese konträren Erfahrungen passten;  im Verlauf des Informations- und Unterhaltungsabends „Frauen und Finanzen“, zu dem die Sparkasse Neckartal-Odenwald Kundinnen aus dem gesamten Geschäftsbereich eingeladen hatte, sollten sich bei den beiden Referentinnen noch mehr Kontraste, letztendlich aber auch Übereinstimmungen herausstellen. Die sich in der Gesamtbetrachtung wunderbar ergänzten.

„Unser Schwerpunktthema ist die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen“, erklärte Vorstandsvorsitzender Gerhard Stock  bei seiner Begrüßung: „Denn sie stehen aufgrund ihrer Erwerbsbiografie oft vor besonderen Herausforderungen.“ Mit anderen Worten: Altersarmut droht. Was vielen Frauen bekannt ist. Wirklich aktiv werden aber noch immer zu wenige.

Unverständlich für Valerie Haller, die sich freute, „endlich mal raus zu kommen“ aus Börse, Büro und Fernsehaufnahmestress. Und die ausnahmsweise ohne zeitlichen Druck – im heute-journal ist ihr Beitrag auf 1:30 min begrenzt – über Wirtschaft, Börse und Geldanlagen sprechen zu dürfen. Themen, für die sie sich auch nach 23 Jahren im Beruf noch immer spürbar begeistert.

Obwohl ihr nach wie vor Fragen gestellt werden wie die, ob sie denn ihre Texte auch tatsächlich selber schreibe. Was sie tut; ihre Sachkenntnis wurde deutlich in den Erklärungen zum Brexit, der Italienkrise oder dem Handelskrieg zwischen Amerika und China: „Warten wir nach acht Jahren Aufschwung angesichts einer aktuell abkühlenden Wirtschaft auf den großen Knall oder doch auf den Salamicrash?“ Dennoch sollten Anleger die Nerven behalten: „Emotionen sind bei Börsengeschäften nie ein guter Ratgeber.“

Trotz Krisen sei ein langfristiges Investment mit Abstand immer noch am lohnendsten: „Mit ihrem dennoch bevorzugten Sparbuch sparen sich die Deutschen dagegen arm. Klassische Sparanlagen sind ein Minusgeschäft.“ Haller warb für Aktien, die nur 15 Prozent der Deutschen besitzen, und wunderte sich: „Wir sind  stolz auf Made in Germany. Aber an der Wirtschaft beteiligen wollen wir uns lieber nicht.“ Und sie rief die Frauen auf, sich zu informieren über diverse Geldanlagen, denn: „Ahnungslosigkeit ist hier gefährlich.“

Damit stimmte sie mit Amelie Fried überein, die im Anschluss ihre Rechenschwäche eingestand und zwei peinliche finanzielle Minusgeschäfte obendrein: „Durch mein angespanntes Verhältnis zu Zahlen ist bei mir diesbezüglich eine regelrechte Denkfaulheit entstanden.“ Die sie mittlerweile überwunden hat. Schon vor 28 Jahren hat sie auf einem Ehevertrag und Gütertrennung bestanden und heute kümmert sie sich – immer noch verheiratet – aktiv um ihre Geldanlagen. Und auch sie wundert sich: „Warum haben wir Frauen ein so ambivalentes Verhältnis zu Geld? Wir haben in der Bildung unheimlich aufgeholt, wir entscheiden über 75 Prozent der Einkäufe – aber wir lassen uns immer noch schlechter bezahlen, arbeiten oft Teilzeit und überlassen, bescheiden und zurückhaltend, das „große Geld“ den Männern.“

Obwohl die testosterongesteuert und sich grandios überschätzend bei der letzten Finanzkrise verheerend agiert hätten. Fried startete einen Erklärungsversuch: „Wir haben über Jahrhunderte den Umgang mit Geld nicht erlernt.“ Und obwohl die gesellschaftliche Situation sich gewandelt habe, sei Geld für Frauen zwar wichtig, aber immer noch irgendwie kalt und schmutzig. „Schon unsere Mütter waren oft die Generalmanagerinnen und familiären Finanzbeauftragten. Trotzdem liegt ihre Rente in den alten Bundesländern bei aktuell durchschnittlich 606,- Euro, knapp über dem Hartz IV-Niveau“, stellte sie nüchtern fest.

Das Dostojewski-Zitat „Geld ist gemünzte Freiheit“ deutete sie um in „Geld ist gemünzte Sicherheit“. Und weil sowohl der Märchenprinz als auch der Dukatenscheißer sehr selten vorkämen, rief auch Fried die Frauen auf, ihre „unweibliche“ Seite zu zeigen und sich selbst um Geldanlage und Altersvorsorge zu kümmern. Was auch Gerhard Stock abschließend vorbehaltlos unterstütze: „Wenn Ihr Berater von der Sparkasse kommt, freut mich das. Wenn er von der Volksbank ist, ist es auch in Ordnung. Aber lassen Sie sich seriös informieren und werden Sie aktiv.“

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