Gemeinderatswahl 2019: BIGMÜG tritt wieder an

(Foto: pm)

Buchen. (pm) Die erste Lieferung freigemessenen Bauschutts aus Obrigheim ist geliefert. Weitere sollen nun folgen. Genau deshalb wird der bisherige Vertreter von BIGMÜG im Gemeinderat der Stadt Buchen Arno Scheuermann bei den Kommunalwahlen am 26.05.2019 wieder antreten. Dies wurde bei einer ordentlichen Mitgliederversammlung von BIGMÜG einstimmig beschlossen. Im Interview erläutert Scheuermann seine Beweggründe für die neuerliche Kandidatur und die künftigen Schwerpunkte, die er sich bei einer Wiederwahl vornimmt.

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Herr Scheuermann, braucht es BIGMÜG überhaupt noch?

Scheuermann: BIGMÜG braucht es mehr denn je. Schließlich geht es nun darum, den Prozess der Anlieferung der insgesamt 2500 Tonnen freigemessen Mülls aus dem Kernkraftwerk Obrigheim kritisch zu begleiten. Die versprochene Transparenz muss immer wieder sehr nachdrücklich eingefordert werden. Die verantwortlichen Kommunalpolitiker waren ja zunächst auch kritisch und haben dann leider ihre Meinung geändert. Inzwischen hat es den Anschein, es ist ihnen recht, wenn niemand mehr nachfragt.

Das heißt, Sie stellen in Frage, dass die versprochene Transparenz auch tatsächlich hergestellt wird?

Scheuermann: Ganz klar! Das erkennt man alleine schon daran, dass die erste Anlieferung unter kostspieligen Sicherheitsvorkehrungen in einer Nacht-Nebel-Aktion angeliefert wurde. Trotz schriftlicher Anfrage bei der AWN wurde uns als BIGMÜG verwehrt, der Anlieferung beizuwohnen.

Außerdem fragen wir uns, wo wir als Bürger die Messergebnisse aus dem Freimessvorgang einsehen können. Solange das nicht gegeben ist, ist es eine Farce, von Transparenz zu sprechen. 

Mit dem Ökoinstitut Darmstadt konnten ja absolute Fachleute gewonnen werden, die den Prozess des Freimessens und der Einlagerung in Buchen begleiten. Kann man denen nicht blind vertrauen?

Scheuermann: Nein! Ganz aktuell haben wir Informationen erhalten, dass dem Ökoinstitut, mit Herrn Küppers ein eklatanter Fehler unterlaufen ist. Sie hatten bei Untersuchungen des Sickerwassers auf radioaktive Stoffe die beiden Deponien Schwieberdingen und Horrheim verwechselt. Gestoßen ist man dabei auf Tritium. Welche Folgen diese Verwechslung hat, ist noch nicht abzusehen. Hintergrund sind jahrelange heimliche Ablagerungen von schwachradioaktivem Material aus der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe durch die Abfallverwertungsgesellschaft des Kreises Ludwigsburg (AVL).

 Gibt es noch andere Themen, die Sie als BIGMÜG-Vertreter im Gemeinderat verfolgen wollen?

Scheuermann: BIGMÜG wurde ja zu einer Zeit gegründet, als es um massive Geruchsbelästigungen durch die MBA-Anlage ging. Hier gelang es uns, viele Bürger zu mobilisieren und den dauerhaften Betrieb der Anlage zu verhindern. Auch die europaweiten Asbest-Anlieferungen und die Anlage zur Aufbereitung von Gleisschotter konnten verhindert werden. Wir haben daraus gelernt, dass Müll ein großes Geschäft ist und der Umgang damit kritischer Kontrolle bedarf. Dabei sorgt die enge Verquickung von Deponiebetreiber und Landkreis für Interessenskonflikte.

Sehen Sie noch weitere kritische Themen, wenn Sie an die Deponie Sansenhecken denken?

Scheuermann: Ich sehe mit großer Sorge, dass die vom Kreistag beschlossene Verlängerung der Nutzungsdauer für die Deponie auf 30 Jahre auf eine Überfüllung hinauslaufen kann. Die Folge könnte ein ungeheurer Müllberg vor den Toren der Stadt sein, der unkalkulierbare Risiken in sich birgt.

Welche weiteren Schwerpunkte haben Sie im Gemeinderat?

Scheuermann: Meine weiteren Themen sind die ländliche Infrastruktur. Dabei habe ich besonders den Investitionsstau bei Straßenbau und –instandhaltung im Blick. Außerdem braucht es Verbesserungen im Bereich Schulhausbau. Hier ist es mir ein Anliegen, dass alle Schularten in Buchen und den Stadtteilen bei den erforderlichen Renovierungsarbeiten gleichmäßig berücksichtigt werden.

Welche Fachkompetenzen bringen Sie in Ihre Arbeit im Gemeinderat mit ein?

Scheuermann: Als Maschinenbauingenieur fällt es mir leicht, technische Vorgänge zu erfassen und auch kritisch zu hinterfragen. Zudem bin ich im Agrarbereich tätig. Von daher habe ich viele Kontakte zu Landwirten und kenne deren Sorgen und Nöte. Hier ist vor allem der ständig steigende Landverbrauch zu nennen.

Was war Ihre prägende Erfahrung in der zu Ende gehenden Legislaturperiode?

Scheuermann: Als fraktionsloses Gemeinderatsmitglied konnte ich parteiunabhängig agieren, was einerseits viele Freiheiten mit sich brachte, andererseits wurde ich doch von bestimmten Informationen ausgeschlossen. Das machte mir das Leben oft schwer. Trotzdem würde ich mich freuen, wenn ich wieder die Interessen möglichst vieler Bürger im Gemeinderat vertreten dürfte.

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