Haftpflicht im Beruf: Wer zahlt?

2254612231_bd7bee25f3_z.jpg

Das Prinzip der Haftpflicht regelt, dass der Verursacher eines Schadens diesen ersetzen muss – und wenn er noch so hoch ist. Haftpflichtversicherungen für alle Bereiche des Privat- und Berufslebens gelten deswegen als unverzichtbar, schützen sie doch vor den finanziellen Folgen. Während viele mit der Privathaftpflicht vertraut sind, herrscht oft Unklarheit bezüglich der Haftung bei Schäden im Beruf.

Wer in seiner Freizeit einem Dritten einen Schaden verursacht, muss diesen ersetzen. Solange er oder sie dabei ohne Vorsatz handelte, kommt die Privathaftpflichtversicherung für die Kosten auf. Trifft dies auch aufs Berufsleben zu? Wie sieht die Situation aus, wenn ein Arbeitnehmer im Betrieb beispielsweise eine Maschine beschädigt oder auf der Baustelle eine andere Person verletzt?

Grundsätzlich gilt das Prinzip „Jeder, der einen Schaden verursacht, haftet dafür“ auch für die Arbeitswelt. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem „innerbetrieblichen Schadensausgleich“. Das würde normalerweise bedeuten, dass Arbeitnehmer, die am Arbeitsplatz einen folgenreichen Fehler machen, den Schaden ersetzen müssten. Ein Beispiel: Ein Büroangestellter stößt versehentlich seinen Becher um, der Kaffee ergießt sich über den PC, ein Kurzschluss zerstört die Elektronik. Hierbei entstünde ein Schaden von etwa 1.000 Euro, den der Angestellte ersetzen müsste – eine überschaubare Summe. Anders sieht es in Branchen aus, in der Arbeitnehmer mit teuren Maschinen oder Rohstoffen zu tun haben. Dort kann der Schaden schnell in die Hunderttausende gehen, und damit stünde die Haftpflicht in keinem Verhältnis mehr zum Einkommen des Verursachers. Aus diesem Grund kommt in der Arbeitswelt die „beschränkte Arbeitnehmerhaftung“ zum Tragen. Sie schützt Arbeitnehmer vor hohen Schadenersatzforderungen, die anderenfalls den finanziellen Ruin bedeuten würden.

Richtet ein Mitarbeiter im Betrieb einen Sach- oder Vermögensschaden an, entscheidet der Grad der Fahrlässigkeit darüber, ob und in welcher Höhe er oder sie Schadenersatz leisten muss: Leichte Fahrlässigkeit liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer einen geringfügigen Fehler macht, er beispielsweise aus Versehen einen falschen Knopf drückt. In solchen Fällen haftet er nicht. Von mittlerer Fahrlässigkeit spricht man, wenn der Verursacher seiner Sorgfaltspflicht nicht ausreichend nachgekommen ist, er beispielsweise beim Zurücksetzen des Firmenwagens nur flüchtig nach hinten geschaut und dabei einen Poller übersehen hat. Bei mittlerer Fahrlässigkeit haftet der Arbeitnehmer, aber nicht in voller Höhe. Sein Anteil bemisst sich unter anderem nach den genauen Umständen, seinem Verdienst und seinem Vorverhalten.

Die beschränkte Arbeitnehmerhaftung greift jedoch nicht bei Schäden, die durch grobe Fahrlässigkeit entstanden sind, also wenn ein Arbeitnehmer seine Sorgfaltspflicht bewusst ignoriert hat und ein Schaden absehbar war. Wenn die Regresshöhe den Verdienst des Verursachers um ein Vielfaches übersteigt, haftet er allerdings nicht immer in voller Höhe. Anders sieht es bei Vorsatz aus: Hier muss der Schädigende immer und in voller Höhe selbst für die Kosten aufkommen.

Die Erfahrung zeigt: Arbeitnehmern unterlaufen im Berufsalltag immer wieder Fehler, Schäden sind also nichts Ungewöhnliches. Es bleibt die Frage, wer dafür einsteht. Die Antwort: Jeder Betrieb, jedes Unternehmen sollte eine Betriebshaftpflichtversicherung haben; sie springt ein, wenn ein Mitarbeiter in Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit einen Schaden verursacht und wenn leichte oder mittlere Fahrlässigkeit vorliegt.

Für Selbstständige gibt es die Berufshaftpflichtversicherung, in manchen Berufen ist sie sogar vorgeschrieben: Ärzte, Rechtsanwälte, Hebammen oder Architekten beispielsweise müssen eine solche Haftpflichtversicherung vorweisen und dürften ohne sie gar nicht tätig werden.

Bildrechte: Flickr grinding welds Chris Davis CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Artikel empfehlen:


Zum Weiterlesen:

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen