Jugend auf Kuschelkurs

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Mainstream statt Rebellion

Über 700 Schüler schrieben im Neckar-Odenwald-Kreis im Jahr 2019 Abitur. Diese vergleichsweise hohe Zahl könnte ein Indiz dafür sein, dass eine Studie des SINUS-Instituts im Jahr 2016 die Jugend von heute richtig einschätzte: als Lerner-Generation, die statt rebellisch lieber angepasst und gesellschaftlich akzeptiert sein möchte. Was heute cool ist, unterscheidet sich damit bedeutend von den Dingen, die für die „Cool Kids“ der 90er-Jahre zum Alltag gehörten.

Sein wollen wie alle anderen

Dass Jugendliche heute lieber lernen als die Schule zu schwänzen und lieber zusammenrücken als sich abzugrenzen, erklärte das SINUS-Institut 2016 mit den Krisensituationen der globalisierten Welt. Gemeinsam stark sein zu wollen, gewinne vor dem Hintergrund einer unsicheren Zukunft zunehmend an Bedeutung. Wie die SINUS-Jugendstudie damals zeigte, machen sich Jugendliche viele Gedanken über Werte wie Freiheit und Toleranz, beschreiben ihr Wertesystem als ein gemeinsames und geben an, so wie alle anderen sein zu wollen. Der von vorausgegangenen Generationen gefürchtete Mainstream ist damit die Coolness der aktuellen Generation. Diese Lebensstil-Entwicklung spiegelt sich auch in Äußerlichkeiten wieder.

In den 90ern galt es beispielsweise, mit dem Kleidungsstil aufzufallen: mit Neonfarben, Netz-Shirts oder Pannesamt. Wer durch seinen Stil nicht die Eltern provozierte, saß nicht am Tisch der coolen Kids. Heute wirken Eltern selbst immer jugendlicher. Während Brillen in den 90ern noch als Makel galten (mit Ausnahme der allgegenwärtigen Sonnenbrillen mit roten Gläsern), sind sie heute das Mode-Accessoire Nummer eins – beispielsweise die Kultmodelle von Ray-Ban, mit denen viele gerne ihren Look krönen.

Parallelen zur Nachkriegszeit

Von einer Entwicklung wie der heutigen berichteten Jugendforscher zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg. Ab 1968 sei die Jugend dann rebellischer geworden – ein Versuch, sich von der angepassten Vorgängergeneration abzugrenzen. Trotz Parallelen zur Nachkriegszeit stellen Forscher auch Unterschiede fest, vor allem hinsichtlich der Eltern-Kind-Beziehung.

Anders als früher fragen Mütter ihre Töchter heute mitunter nach angesagten Modeblogs; manche Väter hören dieselbe Musik wie ihre Söhne. Unterordnung fordern Eltern von ihren Kindern kaum noch. Dass die beiden Generationen ähnliche Interessen haben, ist ein verbreitetes Phänomen. Ein möglicher Grund: Aufgrund der immer weiter steigenden Lebenserwartung ist man gewissermaßen auch immer länger jung. Auch, dass viele Erwachsene erst spät in den Beruf einsteigen und Kinder bekommen, trägt zur Verlängerung der Jugendphase bei.

Einige Psychoanalytiker meinen, dass die junggebliebenen Erwachsenen ihrem Nachwuchs ein Stück weit den Entfaltungsraum nehmen: Die Elterngeneration in der Disco anzutreffen, ist heute beispielsweise normal – ehemals war der Ort den Heranwachsenden vorbehalten. Wie sich diese Entwicklungen auf die Folgegeneration auswirken werden, bleibt abzuwarten.


Bildrechte: Flickr Untitled Ciokka CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

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1 Kommentar

  1. Hey ja das ist damals wie heute auch auf die unterschiede angekommen Akademiker Haushalt, Arbeiter Haushalt, harz 4 Haushalt, ich war einer von den no future Typen mit einem gigantischem Alkohol Problem also mir ist bis heute ein Rätzel wie ich über 35 werden konnte, ich freu mich aber darüber.
    Etwas ungewöhnlich ist das ich mit 20 vor also 30 Jahren ca. das 3fache verdient habe als ich heute bekomme als EU Rentner. Ich kann nur aus dieser Erfahrung sagen das es eine Dummheit ist dem schnöden Mammon hinterherzurennen und auch in unglücklichen Beziehungen zu leben. Das last euch gesagt sein liebe Jugend die ihr vielleicht den Artikel lest.
    Gruß Peter

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