„Für mehr kommunalpolitisches Engagement“

Symbolbild

Das neu gegründete, überparteiliche „Netzwerk Junge Bürgermeister*innen“ will den deutschlandweiten Austausch junger Bürgermeisterinnen und Bürgermeister fördern und Signale setzen für eine frische und ideenreiche Kommunalpolitik.

Mittlerweile gibt es in Deutschland fast 300 junge Bürgermeisterinnen und Bürgermeister unter 40 Jahren. Sie verbindet oft eine andere, junge Sicht auf die kommunalen Dinge. In dem Netzwerk wird deshalb neu über Themen wie Digitalisierung, Umweltschutz, Mobilität oder bürgernahe Verwaltung diskutiert.

Zum Sprecher wurde Bürgermeister Michael Salomo (30), aus Haßmersheim gewählt. Das eigenständige Netzwerk steht unter dem Dach des Innovators Club, der kommunalen Ideenschmiede des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.

Als erste Aktion hat das Netzwerk Junge Bürgermeister*innen einen „Aufruf für mehr Kommunalpolitisches Engagement“ veröffentlicht.

NOKZEIT dokumentiert diesen Aufruf:

Wir – das sind junge Bürgermeisterinnen und Bürgermeister – haben uns entschlossen, uns mit diesem Aufruf an die Öffentlichkeit zu wenden, um Menschen zu ermutigen, sich auf kommunaler Ebene politisch zu engagieren.

Es wird gerade Geschichte geschrieben. Die Zeiten ändern sich und ein „Weiter-so“ ist keine Option mehr. Und doch geht es gerade auch darum, das zu erhalten, was gut ist. Der schmale Grat besteht heute darin, Veränderung zuzulassen und zu gestalten und gleichzeitig Sicherheit zu bieten und Ruhe zu schaffen in einer sich permanent wandelnden Gesellschaft.

Die Veränderung verlangt nach neuen Antworten. Zugleich verfolgt die Veränderung keinen Masterplan, folgt keiner Theorie. Das Bild der neuen Wirklichkeit ist noch nicht klar zu erkennen. Man kann es bestenfalls erahnen. Im Kleinen. Das große Bild ist viel zu vielschichtig, zu komplex, folgt zu unerwarteten, unbekannten Mustern, als dass man daraus eine Theorie der Gesellschaft entwickeln könnte.

Man muss also im Kleinen anfangen. Aber wie fängt man an? Folgt das Handeln dem Nachdenken oder ist es anders herum? Das ist schwer zu beantworten, denn letztlich kann man beides nicht voneinander trennen. Aber am Ende kommt es darauf an, dass man sich engagiert und Verantwortung übernimmt. Verantwortung gegenüber den Mitmenschen. Man muss erkennen, dass das Soziale, das Zwischenmenschliche der Ausweg aus der sich überall andeutenden Krise ist. Dass nur im Sozialen die Ruhe und Sicherheit liegt, die wir uns herbeisehnen.

Dieser Aufruf ist gewiss an ein elitäres Publikum gerichtet. Aber nicht an eine Elite, die sich fern der Gesellschaft fühlt. Viel mehr geht es darum, Menschen zu erreichen, die aus einem ehrlichen Interesse die Veränderung gestalten und Verantwortung übernehmen wollen. Die bereit sind, sich dort zu engagieren, wo die Veränderung konkret wird: in der Politik.

Dabei geht es ganz bewusst nicht um die Politik auf globaler Ebene. Vielmehr haben wir die Kommune im Blick. Wo sonst, wenn nicht auf kommunaler Ebene, ist man näher am Menschen, am Puls der Zeit. Hier wird die konkrete Lebenswirklichkeit der Mitmenschen gestaltet – mit allen Vorgaben und Hindernissen. Hier nimmt die Gestaltung zwangsläufig Form an, ob man will oder nicht. Hier entscheidet sich, ob man die Mitmenschen mitnehmen und ihnen vermitteln kann, dass ein neues Selbstverständnis gebraucht wird, um eine verbindliche Ordnung zu bekommen.

Um dieses neue Miteinander verstehen und gestalten zu können, bedarf es jedoch Personen, die offen sind für die Veränderung und die sich zutrauen, Brücken zu bauen. Die fähig sind, neue Wege zu erahnen, wo andere noch nicht einmal einen Trampelpfad sehen. Fangen wir im Kleinen an, in der Kommune, und verlieren wir trotzdem nicht den Blick für das große Ganze aus den Augen.

Dies ist ein Aufruf an Sie alle, die Sie diesen Aufruf lesen, sich zu überlegen, wie Sie sich auf kommunaler Ebene engagieren können. Fangen Sie an, sich als diejenigen zu verstehen, die Gesellschaft neu denken. Gewöhnen Sie sich an den Gedanken, sich selbst als Zoon politikon – als politisches und soziales Wesen – zu begreifen. Mischen Sie sich ein und vertreten Sie aufrecht Ihre Meinung.

Und weil Gestaltung immer einen Rahmen, eine Form der Institutionalisierung braucht, gehen Sie ruhig noch einen Schritt weiter. Wenn Sie Verantwortung übernehmen in sich ändernden Zeiten und dem Gemeinwohl verpflichtet sind, kandidieren Sie für den Posten des Gemeinderats oder der Bürgermeisterin. Helfen Sie, dem politischen Engagement zu neuem Glanz zu verhelfen, indem Sie als Vorbilder vorangehen.

Leopold Bach, Bürgermeister Gemeinde Feldatal (Hessen)

Romina Barth, Oberbürgermeisterin Kreisstadt Torgau (Sachsen)

Wolfram Bernhardt, Bürgermeister Stadt Adelsheim (Baden-Württemberg)

Dominik Brasch, Bürgermeister Kurstadt Bad Soden-Salmünster (Hessen)

Dieter Dehling, Bürgermeister Gemeinde Illschwang (Bayern)

Jochen Engel, Bürgermeister Gemeinde Trebur (Hessen)

Daniel Iliev, Bürgermeister Stadt Heringen (Hessen)

Daniel Kiefer, Bürgermeister Gemeinde Mettlach (Saarland)

Christoph Meineke, Bürgermeister Gemeinde Wennigsen (Niedersachsen)

Annika Popp, Erste Bürgermeisterin Gemeinde Leupoldsgrün (Bayern)

Michael Salomo, Bürgermeister Gemeinde Haßmersheim (Baden-Württemberg)

Andre Stenda, Bürgermeister Gemeinde Hohenroda (Hessen)

Marc Trampe, Bürgermeister Gemeinde Rellingen (Schleswig-Holstein)

Lena Weber, Stadtbürgermeisterin Stadt Hermeskeil (Rheinland-Pfalz)

Volker Weber, Bürgermeister Gemeinde Marpingen (Saarland)

Sven Schrade, Bürgermeister Stadt Schmölln (Thüringen)

Steffen Sauerbier, Bürgermeister Stadt Roßleben-Wiehe (Thüringen)

Daniel Herz, Bürgermeister Stadt Witzenhausen (Hessen)

Marcus Kirchhoff, Bürgermeister Gemeinde Mörsdorf (Rheinland-Pfalz)

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