125 Jahre Kolpingsfamilie Mudau

(Foto: Simone Schölch)

Mudau. (sis) „Treu Kolping – Kolping treu“ – dieser gefühlvolle Kolpinggruß verbindet 2.400 Kolpingsfamilien in Deutschland . In Mudau gibt es eine dieser meist traditionsreichen Kolpingsfamilien. Am Samstag wurde dort 125 Jahre Jubiläum gefeiert.

Ein stimmungsvoller Gottesdienst mit einer lebensnahen Predigt von Diözesanpräses Wolf-Dieter Geißler, der gemeinsame Zug mit allein 12 Kolpingbannern befreundeter Kolpingsfamilien und Vereinsfahren von der Kirche an die Odenwaldhalle und der dortige Festabend gaben den würdigen Rahmen für das Jubiläum des viertältesten Mudauer Vereins.

Wer bis dato nicht so recht wusste, wer Adolph Kolping war, für was er eintrat und in welchem Geist Kolpingbrüder und –schwestern bis heute in der Gesellschaft wirken, der konnte viel erfahren an diesem Abend.

Als gelernter Schuhmacher nahm sich der katholische Priester Mitte des 19. Jahrhunderts Handwerksburschen fern von zu Hause und anderen am Rand der Gesellschaft stehenden Menschen an und gab ihnen soziale Unterstützung, Bildung, Geselligkeit und einen religiösen Halt. Kolping war Seelsorger, Sozialpädagoge und Sozialreformer. Er „zeigte Flagge“ für diese Menschen, wie es Präses Geißler fomulierte: „Die Gesellschaft braucht gerade in schwierigen Zeiten solche Bannerträger, die damit eine Haltung einnehmen und eine klare Botschaft senden.

Für die Familie, für die, die Hilfe brauchen, für mehr Miteinander und gegen den gefährlichen „Klimawandel“ in der Gesellschaft.“ Diese Botschaft müsse in einer Sprache verpackt sein, die die Menschen erreiche. Und sie müsse auch angepasst werden an die Lebenswirklichkeit der Menschen, denn: „Wir Kolpingler müssen ehrlich und authentisch sein.“

In der herbstlich geschmückten Odenwaldhalle begrüße Manfred Dambach, mit Heidi Trunk und Thomas Speth Teil des Vorstandsteams der Mudauer Kolpingsfamilie, die zahlreichen Gäste, unter anderem auch den früheren Kolpingpräses Pfarrer Andreas Rapp und den Chor Euphoria, die den Gottesdienst umrahmt hatten.

Er blickte zurück auf das Gründungsjahr 1894. Der Mudauer Handwerksgeselle Heinrich Mantel hatte im fernen Konstanz den Zusammenhalt und die Unterstützung der dortigen Kolpingsfamilie erleben dürfen und brachte die Idee mit in die Heimat. Schon 1895 wurde erstmals Theater gespielt, bis heute wesentlicher Bestandteil der Vereinsaktivitäten in Mudau.

Wie in jedem Verein gab es Höhen und Tiefen. In jüngeren Jahren war die Renovierung des Pfarrsaals 1990 ein Meilenstein, die überaus erfolgreiche Jugendarbeit ist es ebenso und besonders stolz ist man auf Hilfsprojekte wie die Aktion „Ein Dach für Sri Lanka“, bei der nach der Tsunami-Welle 2004 die Summen von 21.000 Euro für fünf neue Häuser zusammen getragen wurde.

„Die Kolpingfamilie lebt“, stellte Dambach unmissverständlich fest und erinnerte in diesem Zusammenhang an den bereits verstorbenen ersten Ehrenvorsitzenden Günter Hört, der den Verein bis 2014 über Jahrzehnte geprägt hatte. Das weit über Mudau hinaus bekannte „Dreikönigstheater“, kulinarische Abende, Spenden für soziale Projekte oder auch Arbeitseinsätze wie den für den neuen „Kolpingweg“ beweisen die Vielfältigkeit der Vereinsaktivitäten, für die sich später insbesondere Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger in seinem Grußwort dankbar zeigte.  

Zuvor aber kündigte Moderator Klaus Erich Schork eine Kostprobe aus der „Theaterwerkstatt“ an. Die jungen Kolpingmitglieder spielten Szenen aus dem Leben des jungen Adolph Kolping und ließen ihn als erfahrenen Mann zu Wort kommen. Abrupt endete die Vorstellung – wer mehr erfahren will, wurde charmant zum zweiten Teil der Theatervorstellung am 08. Dezember eingeladen.

Die langjährige Vorsitzende der Buchener Kolpingfamilie, Sandra Röckel, ist laut Manfred Dambach „durch und durch Kolping“ und damit die geborene Festrednerin.

Detailliert ging sie auf den Werdegang Adolph Kolpings ein, der sie sehr geprägt hat: „Es ist mir ein Herzensanliegen, die Ideen und Visionen Kolpings, die auch heute noch brandaktuell sind, in unsere Gesellschaft zu tragen.“ Kolping habe vorgelebt, wie jeder sein Christ-Sein mit Gottvertrauen, Mut, Verantwortung, Freude, Tatkraft und Begeisterung verwirklichen könne. „Unsere Gesellschaft verändert sich, aber die menschlichen Grundbedürfnisse nach Gemeinschaft und Orientierung bleiben“, betonte die Festrednerin. Und genau das könnten Kolpingfamilien (die sich im Übrigen nicht zufällig „Familie“ nennen!) geben.

In den Grußworten lobte nach dem Bürgermeister auch Landrat Dr. Achim Brötel die Kolpingsfamilie Mudau als „quicklebendige, starke und mit 150 Mitgliedern auch große Gemeinschaft“. Bei der Erneuerung der Kirche – Stichworte Rechte der Frauen und Ökumene –  käme den Kolpingsfamilien eine wichtige Rolle zu. Er fand deutliche Worte: „Wenn die Kirche hier nicht voran kommt, verspielt sie ihre eigene Zukunft.“

Bildungsreferent Robert Mai vom Kolpingwerk Region Nord schloss sich ebenso wie Mudaus Ortsvorsteher Walter Thier den guten Wünschen zum Jubiläum an und nach einem echten Höhepunkt der Veranstaltung – einer „kleinen Ehetragödie mit Mann, Frau und Hausfreund“, toll gespielt von den erprobten Kolping-Schauspielern Stefan Galm, Michaela Kistner und Gerald Hemberger –gingen Heidi Trunk und Thomas Speth zu den Dankesworten über, die sie sehr persönlich gestalteten.

Nach dem Auszug der Bannerträger ging die Feier weiter, wieder ganz im Sinne des Gründungsvaters: Bei Kolping hatte nämlich auch die Freude und Geselligkeit einen ganz hohen Stellenwert.

Die Kolping-Schauspieler sind einer der vielen Höhepunkte. (Foto: Simone Schölch)

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