Was geht (noch) im Ehrenamt?

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 Hausaufgabenbetreuung im Mehrgenerationenhaus Mosbach. (Foto: pm)

Hilfe und Unterstützung beim Lernen und im Leben Mosbach. **Der 05. Dezember ist „Tag des Ehrenamtes“. Ein Tag, an dem ein wichtiges Thema ins Rampenlicht gerückt wird, das sonst eher im Hintergrund „unbeleuchtet“ sein Dasein fristet – ganz besonders in diesem Jahr. Die Coronakrise war und ist eine besondere Herausforderung für die ehrenamtlich Tätigen, denn persönliche Begegnungen und Austausch sind seit Monaten nur mit Einschränkungen möglich.

Gleichzeitig entstehen neue Ideen und der Lage angemessene Engagementformen. Teilnehmer des „Runden Tisches Ehrenamt“ – Stadtverwaltung, Landratsamt, Mehrgenerationenhaus und Mitarbeiter*innen verschiedener Institutionen -, berichten nachfolgend von ihren Erfahrungen in den letzten Monaten. Der Kreis hatte sich 2018 gebildet, um ehrenamtliches Engagement auf lokaler Ebene zu vernetzen und zu stärken.

Mehrgenerationenhaus Mosbach:

Das Mehrgenerationenhaus Mosbach e.V. (MGH) kann ohne die Mithilfe von ehrenamtlich Engagierten nicht existieren. „Wenn viele Menschen kleine Schritte tun, können sie die Welt verändern – und das wollen wir ja mit unserem MGH“, sagt Geschäftsführerin Michaela Neff.

Für viele ist die Überzeugung, etwas beizutragen, jemandem ganz konkret zu helfen und etwas zurückzugeben, der Antrieb und die Motivation, sich ehrenamtlich zu engagieren. Der Ausfall von Ehrenamtlichen bringt deshalb eine große Lücke. Bei der Hausaufgabenbetreuung der Lohrtalschule war dies z.B. der Fall. Schulen und Betreuungsangebote waren im ersten Lockdown geschlossen.

Wohin also mit den Kindern, wenn die Eltern beide berufstätig sind? Das stellte so manche Familie vor große Herausforderungen und vor unzureichende Notlösungen. Mittlerweile können die vier ehrenamtlichen Betreuer wieder bei Hausaufgaben unterstützen und fördern, allerdings nur für zwei Klassenstufen statt für alle Grundschulklassenstufen.

Dabei geht es auch um die Vermittlung sozialer Kompetenzen. „Wichtig sind persönliche Beziehungen zwischen den Kindern und Betreuern und dass Erfahrungen und Kenntnisse weitergeben werden – von Älteren an Jüngere“, weiß Stefanie Schwab, die das Projekt organisatorisch begleitet.

Es geht bei diesem Austausch über die Generationen hinweg darum, dass die Betreuer ihren ganzen Erfahrungsschatz, Qualitäten wie Geduld und klassischen Werte wie Wertschätzung und Nachhaltigkeit einbringen. „Die „Hausi-Damen“ und der „Hausi-Herr“ leisten einen enorm wichtige (Erziehungs-)Arbeit, die in der öffentlichen Wahrnehmung viel zu wenig Anerkennung bekommt. Diese engagierten Menschen sind einfach unbezahlbar!“

Interessierte finden alle wichtigen Infos auf ehrenamtsportal.mehrgenerationenhaus-mosbach.de; Kontakt per Tel. 06261 6744010.

Deutsches Rotes Kreuz:

Die „Tafel“ bleibt weiter geöffnet. Rund die Hälfte aller „Tafel“-Läden in Deutschland hat dieTüren längst zu, nicht so in Mosbach. Zirka 2.500 Menschen im Stadt- und Landkreis profitierenweiter vom DRK-Angebot. Das waren die Schlagzeilen im ersten Lockdown, die alle ehrenamtlichen Mitarbeiter der Mosbacher Tafel und des DRK-Kleiderladens vor große Herausforderungen stellte.

Nach der Parole „gemeinsam schaffen wir die Pandemie“ mussten alternative Konzepte der kontaktarmen Weitergabe der gespendeten Lebensmittel entwickelt werden und Schutzmaßnahmen für Kunden und ehrenamtliche Helfer*innen getroffen werden. Nach der Landesverordnung war der Kleiderladen wie alle anderen Mosbacher Bekleidungsgeschäfte auch vorübergehend ganz geschlossen.

Andere ehrenamtliche Angebote im DRK, der monatliche Bingoabend für Senioren im DRK Service-Center Tagespflege, die Betreuungsgruppenangebote „Demenzgruppen“ und die „Senioren-Aktiv-Gruppenangebote“ sind aktuell immer noch eingestellt. Hier halten die Ehrenamtlichen weiter Kontakt über den häuslichen Betreuungsdienst, Telefonate und einem monatlichen Kontaktbrief mit vielen Anregungen für Aktivierungen zu Hause.

Die Zugehörigkeit vieler Ehrenamtlicher zu einer Risikogruppe und dem damit verbundenen Ausfall des Ehrenamts konnte bis jetzt „Gott sei Dank“ durch vielfältiges Engagement in der Bürgerschaft kompensiert werden. Das DRK schätzt sich glücklich und dankbar, dass sich auch immer wieder junge Menschen melden, um ihre Hilfe, z.B. während der pandemiebedingten Unterbrechung des Studiums, bei den vielfältigen Aufgaben des DRK anzubieten.

„Das stimmt uns im Moment zuversichtlich, die notwendigen Angebote zum Wohle unserer Mitmenschen auch über den Winter aufrecht erhalten zu können“.

Kontakt: tafelladen@drk-mosbach.de, Tel: 06261 920827.

Diakonisches Werk:

Eine wichtige Stütze nennt Simone Fleckenstein, Sozialpädagogin beim Diakonischen Werk, die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen. Insbesondere in den Anfangszeiten der Flüchtlingswelle 2015/2016 und auch bis heute haben diese Enormes geleistet.

Die tragenden Beziehungen, die zu den Geflüchteten aufgebaut wurden, waren auch zu Coronazeiten ein hilfreiches Fundament. Während der Schulschließung haben Ehrenamtliche per Videochat bei der Erledigung der Hausaufgaben geholfen und die Familien unter den vorliegenden Bestimmungen auch zuhause besucht.

Beispiel: drei äthiopischen Jungs, die erst im Januar im Rahmen des Familiennachzuges nach Deutschland kamen, wurde täglich bei den Schulaufgaben geholfen. Die Ehrenamtlichen helfen zudem mit großem Engagement und viel Hilfsbereitschaft, die jeweiligen Coronaregelungen in fremden Sprachen zu erklären, administrativen Aufgaben bei den Ämtern zu erledigen und in Alltagsdingen zu unterstützen.

Simone Fleckenstein, Fachberatung und Unterstützung von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit beim Diakonischen Werk ist unter Tel. 06281 56243-0 zu erreichen.

Katholische Kirchengemeinde MOSE:

Eingeschränkt ist das Ehrenamt wie etwa der Besuchsdienst derzeit auch in der Kirchengemeinde MOSE. „Wir vermissen die Kontakte sehr“, sagt Marianne Nachtigall vom Besuchsdienst des Pfalzgrafenstifts.

Aber es geht vor allem darum, den Schutz der Menschen zu gewährleisten und kein Risiko einzugehen, da auch viele Engagierte zur Risikogruppe zählen. Ehrenamtliches Engagement ist auch kreativ: Gemeindemitglieder nähen z.B. Mund-Nasen-Schutze, es wurden Postkarten geschrieben und versendet, online Gruppenstunden für Kinder und Jugendliche angeboten, es gibt einen Einkaufsservice in der Waldstadt, Gottesdienste werden digital live übertragen, Menschen kommen mit Abstand in ihren Vorgärten zusammen, um zu singen oder gemeinsam zu beten.

An Hilfsbereitschaft und Kreativität mangelt es nicht. Die Menschen üben sich in digitalen Formaten und entwickeln tolle Ideen, um Gemeinschaft am Leben zu erhalten.

Ehrenamtskoordinatorin Kristina Göb ist unter Tel. 06261 9179220 erreichbar.

Johannes-Diakonie Mosbach:

Seit dem Lockdown Mitte März galt für die Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung in der Johannes-Diakonie ein gesetzlich vorgeschriebenes Besuchsverbot bis Ende Juni.

Trotzdem hat die Einrichtung gerade in dieser Zeit durch das Ehrenamt eine unglaubliche Unterstützung erfahren dürfen. Einem Aufruf folgten mehr als 160 hilfsbereite Hobbynäher*innen, Profis und Nähgruppen, die 10.000 zusätzliche Behelfsmasken schneiderten.

Seit Juli ist der Einsatz von Ehrenamtlichen bei der Begleitung zwar grundsätzlich wieder möglich, aber in einigen Bereichen wie Schule, Werkstätten, Freizeitbereich, Seniorenbetreuung und Eventbereich im fideljo schlichtweg nicht umsetzbar.

Möglich ist allerdings der Einsatz bei der Freizeitgestaltung für die jungen Patienten der Rehaklinik sowie bei der Nachhilfe und Lernbegleitung von Jugendlichen und Auszubildenden im Berufsbildungswerk.

Neue Wege konnten auch beim Maria-Zeitler-Projekt von Pfarrer Richard Lallathin verfolgt werden. Hier wurden Ehrenamtliche und Beschäftigte der Mosbacher Werk-stätten im Tandem zu Lotsen ausgebildet. Diese werden künftig interessierte Besuchergruppen über den neu entstehenden Maria-Zeitler-Gedenkplatz und -pfad führen und dabei über die tragische Geschichte der Ermordung der jungen Mosbacherin und weiterer 262 Bewohner*innen der damaligen Erziehungs- und Pflegeanstalt Mosbach im Rahmen der NS-Euthanasie in den Jahren 1940 bis 1945 berichten.

Kontakt: Stabsstelle Ehrenamtskoordination Tanja Bauer, Tel. 06261 88845.

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