Nutrias am Roberner See

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 Auch eine Folge des Klimawandels: seit einiger Zeit fühlen sich auch Nutrias am Roberner See wohl. (Foto: Stiftung Schönau)

Robern.(pm) Ein neuer Bewohner haust seit einiger Zeit am und im Roberner See: Es ist die Nutria, auch Sumpfbiber genannt. Auf den ersten Blick ähnelt die Nutria tatsächlich dem Biber, hat jedoch einen runden Schwanz. Inzwischen haben sich bereits mehrere Tiere am See angesiedelt.

Nutrias stammen ursprünglich aus Südamerika. In den vergangenen Jahren haben sie sich nach Einschätzung von Experten so stark vermehrt, dass sie zu einer Bedrohung für heimische Arten geworden sind. Selbst der Naturschutzbund Deutschland (NABU) schlägt Alarm.

Zum Schutz der anderen Bewohner des Roberner Sees ist es deshalb erforderlich, die weitere Ausbreitung der Nutrias zu verhindern. Dies betonen Vertreter der Stiftung Schönau aus Heidelberg als Eigentümerin des Sees und Joachim Bernhardt, Biberbeauftragter des Neckar-Odenwald-Kreises.

Es besteht die akute Gefahr, dass die Nutrias sich als invasive, nicht heimische Art weiter am See ausbreiten, das Biotop dadurch verändern und den Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen gefährden. Im schlimmsten Fall wird der See durch die Höhlen und Gänge der Nutrias im Böschungsbereich beschädigt. Das Abfressen großflächiger Ufervegetation lässt Brutplätze für Vögel, Fische und Amphibien verschwinden.

„Bitte füttern Sie die Nutrias auf keinen Fall“, bittet deshalb auch Frank Philipp, Abteilungsleiter Forst bei der Stiftung Schönau, die Besucher des Roberner Sees. „Auch dann nicht, wenn die Tiere sehr zutraulich sind und es Freude bereitet, sie nah an sich heranzulocken.“ Durch die Fütterung verlieren sie zunehmend die Scheu und beginnen, um Futter zu betteln, was zu unangenehmen Situationen führen kann.

„Es ist eine gewisse Vorsicht geboten, denn es handelt sich immer noch um Wildtiere, die in der Not sehr wehrhaft werden können.“, weiß Phlipp. Zudem locke das Füttern auch andere Tiere wie Ratten, Krähen, Elstern oder Enten an. Durch die Futtergaben werde das Wasser des Sees verschmutzt, dadurch können sich Algen, Bakterien und Viren bilden, was auch andere Wasserbewohner gefährdet. Zudem können Nutrias, aber auch Enten und Wasservögel aufgrund menschlicher Nahrung wie beispielsweise Brot krank werden.

Die in Deutschland lebenden Nutrias sind Nachfahren von aus Pelztierfarmen entkommenen Tieren. In den 1920er Jahren gab es zahlreiche solcher Pelztierfarmen, auch in der nahen Rheinebene. Sie besiedelten dann den Rhein und sind über die Nebenflüsse wie den Neckar in unsere Wasserläufe eingedrungen. Die Nutrias profitieren von Klimawandel und milden Wintern: Ihr Verbreitungsgebiet hat sich innerhalb der letzten 9 Jahre etwa verdoppelt.

Die Nutria ist ein Nagetier, das sich von krautigen Pflanzen ernährt und am und im Wasser lebt. Fische und andere Lebewesen nimmt sie nicht auf, außer gelegentlich Muscheln. Sie wird um die 60 cm lang und bis zu 10 kg schwer.

Im Gegensatz zum Biber, der über einen Meter groß werden kann und bis zu 30 kg schwer, hat die Nutria einen runden Schwanz. Sie können ein- bis zweimal im Jahr Junge haben. Auffallend sind ihre orangefarbenen Schneidezähne, in die Eisen eingelagert ist.

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