„Freiheit“ leuchtet hinter Gefängnismauern

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(Foto: pm)

Graffiti-Projekt hilft gegen Corona-Tristesse

Adelsheim.  (bd) Ohne die Mauer zu überwinden konnten ein Dutzend Insassen der Justizvollzugsanstalt Adelsheim für eine halbe Woche der Corona- und Vollzugstristesse entfliehen – in einem pädagogisch und ästhetisch beeindruckenden Projekt ließen sie „Freiheit“ im baden-württembergischen Jugendgefängnis aufleuchten.

Unter künstlerischer Anleitung des Stuttgarter Graffiti-Duos „Studio Vierkant“, hinter dem sich die Künstler Jan Dux und Georg Waibel verbergen, und pädagogisch betreut von den in der JVA tätigen Rahel Rude, Minke Burkhardt und Tamara Burger, ziert nun ein 14 x 4 Meter großes Kunstwerk die Stirnwand der Turnhalle der JVA.

Bereits im Spätjahr initiierte Rahel Rude, die als Mitarbeiterin der Bildungsorganisation „Teach First“ für zwei Jahre in der JVA-Schule arbeitet, die Aktion. Gemeinsam mit Burkhardt, die in der JVA über das Seehaus Leonberg Sozialtraining, Opfer-Empathie-Programme und Nachsorge durchführt, und der neuen Freizeitpädagogin Tamara Burger waren Teilnehmer gesucht, mit diesen und den Künstlern Motive und Entwürfe zusammengetragen, verändert und z.T. verworfen und letztlich im Februar abgestimmt worden: „FREIHEIT“ sollte nach dem mehrheitlichen Wunsch der Jugendstrafgefangen vielfarbig im Gefängnis leuchten.

Bevor der zentrale Sehnsuchtsbegriff der Teilnehmer die Sporthalle zieren konnte, war für die Projektleiter noch viel zu tun – Genehmigungen waren zu beschaffen, mit dem Verein Jugendhilfe Mosbach e.V. fanden sie einen Sponsor für das Künstlerhonorar, die Firma Silberzahn Herrenmoden aus Buchen-Eberstadt spendete T-Shirts und die Firma „Christ Maler und Gipser“ ermöglichte den Gerüstbau zu einem Freundschaftspreis.

Tatkräftig unterstützt von der Lehrschreinerei und -Malerei der JVA machten sie sich nach Ostern an die Umsetzung und erzielten ein beeindruckendes Ergebnis.
Bei der Vernissage lobte Anstaltsleitern Katja Fritsche, dass das Graffiti Projekt Farbe in den oft so grauen Gefängnisalltag gebracht habe, dass die Künstler Motivation versprüht hätten und merkte an, dass sich nicht nur die Menschen hinter den Gefängnismauern in dieser Zeit der allgegenwärtigen Beschränkungen nach mehr Freiheit sehnten.

Den Prozess und den Weg zum Ziel schilderten Georg Waibel und Jan Ducks: „Wir haben bei der Umsetzung berücksichtigt, dass das Motiv so gewählt ist, dass die Teilnehmer möglichst viel miteinbezogen werden. Inhaltlich haben wir uns an den Vorgaben aus den Skizzen der Insassen orientiert und als zentrales Element das Wort »Freiheit« verwendet, das in bunten positiven Farben aus der Wand hervorkommt“ – umgeben von einer stilisierten Gefängnismauer.

Die Künstler zeigten sich enorm positiv überrascht, wie motiviert und konzentriert die jungen Gefangen mitarbeiteten. „Es war ein tolles Erlebnis, die drei Arbeitstage im Gefängnis haben großen Spaß gemacht.“

Für Ihre Mühe sahen sich auch die Initiatoren belohnt: „Wir sind begeistert vom Engagement unserer Insassen und von der motivierenden Unterstützung. Es ist großartig, dass wir gemeinsam ein farbenfrohes und vor allem bleibendes Kunstwerk geschaffen haben – und das trotz erschwerten Wetterbedingungen“ blickten sie zurück.

„Es war schön zu sehen, wie die Jungs sich immer mehr zutrauten und am Ende auch eigene kleine Kunstwerke entworfen haben, die sie nach der Haft mit nach Hause nehmen können. Die Erfahrung, dass sie in der Lage sind etwas Schönes zu erschaffen und eigene Ideen zu verwirklichen, kann das Selbstbewusstsein der jungen Männer stärken“ zogen sie eine über den Tag hinausblickende positive Bilanz.

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