Gehölzpflege in der Wacholderheide Wurmberg Brücklein

 Das Bibernell-Widderchen ist außerhalb der Schwäbischen Alb nur selten anzutreffen. (Foto: Dennis Sanetra)

Aktuelles Gutachten bescheinigt hohe Artenvielfalt bei Schmetterlingen und Wildbienen

Bretzingen. (pm) Im Naturschutzgebiet „Wacholderheide Wurmberg und Brücklein“ werden auf der Gemarkung Bretzingen dieser Tage Gehölzpflegemaßnahmen umgesetzt: im Auftrag des Naturschutzreferats im Regierungspräsidium Karlsruhe schneidet ein Landschaftspflegebetrieb Sträucher zurück, die auf einer ehemaligen Mähwiese aufgewachsen sind. Zum Schutz der Vogelwelt endet die Pflegesaison für die Gehölzpflege Ende Februar.

Ziel dieser Pflegemaßnahme ist es, auf der Fläche wieder eine blütenreiche Wiese zu entwickeln, wie sie vor einigen Jahren dort noch vorkam. Artenreiches Grünland wurde von der Europäischen Union durch die Fauna-Flora-HabitatRichtlinie unter Schutz gestellt und bietet einer reichen Insektenwelt Nahrung und Lebensraum. Die Bedeutung von offenen und besonnten Wiesen und Magerrasen für die Tierwelt belegt auch ein aktuelles Gutachten zu Schmetterlingen und Wildbienen in den Hardheimer Naturschutzgebieten.

Die Pflegemaßnahmen des Naturschutzreferats dienen insbesondere zahlreichen Arten, die an eine traditionelle Landbewirtschaftung angepasst sind. Eine Nutzungsaufgabe – etwa an Steilhängen – gefährdet deren Lebensgrundlage. Nur so können die Hardheimer Naturschutzgebiete auch weiterhin Rückzugsräume für die heimische Insektenwelt und andere Arten bleiben.

Warum Landschaftspflege heute wichtig ist Die Baden-Württemberger Landschaft ist schon lange keine Naturlandschaft mehr, sondern wurde seit Jahrhunderten intensiv vom Menschen geprägt: durch Ackerbau, Weide- und Waldwirtschaft entstand eine kleinteilige, reich strukturierte Kulturlandschaft, die Lebensraum für eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten wurde. Mit der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts, begann der Artenrückgang, der sich in den letzten Jahrzehnten massiv beschleunigt hat. Dabei spielt neben der Nutzungsintensivierung auch die Aufgabe der Bewirtschaftung eine Rolle. Betroffen sind davon vor allem ertragsschwache Standorte – wie sie in Naturschutzgebieten besonders oft vorkommen: Auf ehemals gemähten oder beweideten Flächen kommen erst Gestrüpp und Gebüsche auf, nach und nach etablieren sich zunehmend Waldarten, die die Offenlandarten verdrängen. Über Jahrhunderte entstandene Lebensräume und ihrer Artengemeinschaften gehen so verloren. Ohne naturschutzfachliche Landschaftspflege ist Natur- und Artenschutz daher inzwischen nicht mehr denkbar.

Die Pflegeeingriffe sind durchaus auch Anlass für Kritik, scheinen sie doch dem Gang der Natur zu widersprechen. Durch das Mähen der Wiese werden jedoch für licht- und wärmeliebende Arten wieder günstige Bedingen geschaffen. Um die aufgekommenen Gehölze nachhaltig zurückzudrängen, ist in der Regel zunächst ein massiver Maschineneinsatz notwendig. Nach einiger Zeit – je nach Ausgangsbedingungen auch erst nach einigen Jahren – wird die Pflege dann auf eine schonendere Arbeitsweise umgestellt. Statt Mulcher kommt dann etwa ein Balkenmäher zum Einsatz.

Wie die Hardheimer Naturschutzgebiete gepflegt werden Die Hardheimer Naturschutzgebiete mit ihren Wacholderheiden und Magerrasen zeichneten sich schon bei ihrer Ausweisung in den 1990er Jahren durch eine besondere Artenvielfalt bei Schmetterlingen und Wildbienen aus. Dass dies immer noch so ist, belegt ein kürzlich fertiggestelltes Gutachten.

Dieses bescheinigt auch der oft kritisch hinterfragten, maschinellen Pflege von Naturschutzflächen explizit ihre Berechtigung: Hierbei können ganz gezielt Säume und Randstrukturen erhalten werden, die für die gesamte Insektenwelt von hoher Bedeutung sind. Dies wurde im Zusammenhang mit dem Insektensterben inzwischen überall erkannt und wird auch seit einigen Jahren in der Landschaftspflege umgesetzt.

(Foto: pm)
Die Pflege in den Hardheimer Naturschutzgebieten erfolgt in enger Abstimmung zwischen Regierungspräsidum, Unterer Naturschutzbehörde und Landschaftserhaltungsverband. Die von den Artenschutzexperten empfohlene, weitere Erhöhung des Altgrasanteils wird bei der zukünftigen Vertragsgestaltung mit den Landschaftspflege-Unternehmen berücksichtigt. Gleichzeitig wird dafür Sorge zu tragen sein, dass der Gehölzanteil in den Naturschutzgebieten nicht weiter zunimmt.

Ansonsten werden geschützte Lebensraumtypen, wie zum Beispiel artenreiche Mähwiesen oder orchideenreiche Magerrasen, überwachsen. Auch die Lesesteinriegel, die noch von der acker- oder weinbaulichen Nutzung zeugen, werden zugunsten von wärmeliebenden Insekten und Reptilien von Gehölzen befreit. Viele Wildbienenarten sind sogar auf offene Bodenstellen angewiesen, wie sie durch menschliche Eingriffe oder die Hufe von Weidetieren entstehen.

Ergebnisse des Gutachtes zur Artenvielfalt im Naturschutzgebiet „Laubertal“ und „Wacholderheide Wurmberg Brücklein“ In den Hardheimer Naturschutzgebieten „Laubertal“ und „Wacholderheide Wurmberg Brücklein“ wurde 2020 und 2021 die Schmetterlings- und Wildbienenfauna kartiert. Das Ergebnis: auf den Pflegeflächen der Naturschutzverwaltung tummelten sich 73 Tagfalterarten, 218 Nachtfalterarten und 119 Wildbienenarten. Damit haben die Naturschutzgebiete eine überregionale bis landesweite Bedeutung für diese Artengruppen.

Der Artenrückgang hat dabei aber auch vor den Türen der Naturschutzgebiete nicht haltgemacht. So konnte zum Beispiel der 1991 noch erfasste Thymian-Ameisenbläuling (Phengaris arion) nicht mehr nachgewiesen werden. Er scheint aus dem gesamten Tauberland und östlichen Bauland verschwunden. Dafür konnten einige Falterarten für Hardheim erstmals dokumentiert werden. Besonders bemerkenswert ist der Fund des Bibernell-Widderchen (Zygaena minos), das ansonsten in Baden-Württemberg nur noch auf der Schwäbischen Alb verbreitet ist. Ein spektakulärer Fund unter den Nachtfaltern ist die extrem seltene Höfners Felsgeröllhalden-Erdeule (Dichagyris nigrescens), die in Baden-Württemberg 2017 erstmals überhaupt festgestellt wurde.

Die Wildbienenfauna war zum Zeitpunkt der Schutzgebietsausweisung weniger gut erforscht. Besonders erfreulich ist der Nachweis der Dunklen Zweizahnbiene (Dioxys tridentata), die in Baden-Württemberg stark gefährdet ist. Die Dunkle Zweizahnbiene ist eine sogenannte Kuckucksbiene. Wie beim Kuckuck in der Vogelwelt, legen auch die Kuckucksbienen ihre Eier in fremde Nester. Die daraus schlüpfenden Bienenmaden ernähren sich dann von Nektar und Pollen, die andere Wildbienen gesammelt und für ihren Nachwuchs bevorratet haben.

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