Gedenkveranstaltung Reichspogromnacht

Datum/Zeit
03.11.2018
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Veranstaltungsort
Gedenkstätte für Opfer des Nationalsozialismus

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Die jährliche Veranstaltung der Stadt Buchen, Hermann-Cohen-Akademie für Religion, Wissenschaft und Kunst und der Stiftung „Bücherei des Judentums“ zum Gedenken an die Reichspogromnacht von 1938 steht dieses Jahr im Zeichen der Erweiterung der Gedenkstätte am Jakob-Mayer-Platz um die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde.

Basierend auf einer menschenverachteten Ideologie und einer rein zweckrationalen Vernunft führte die Radikalisierung der nationalsozialistischen Gesundheits-, Sozial- und Rassenpolitik mit dem Ziel der „Reinigung des Volkskörpers“ zum Massenmord an Menschen mit geistigen Behinderungen und psychischen Erkrankungen. In der Sprache der Täter wurden die systematischen Tötungen mit Begriffen wie „Euthanasie“ und „Gnadentod“ verhüllt.

In der ersten als „Aktion T4“ (nach dem Sitz der Sonderbehörde in der Tiergartenstraße 4 in Berlin) getarnten Phase wurden die Bewohner von Heil- und Pflegeanstalten nach ihrer systematischen Erfassung über Zwischenanstalten in eine von sechs staatlichen Vernichtungsanstalten gebracht, dort mit Giftgas ermordet und anschließend verbrannt. Insgesamt fielen der „Aktion T4“ über 70.000 Menschen zum Opfer. Auch nach Beendigung der Massentötungen wurden Anstaltspatienten weiter ermordet. In der zweiten Phase der NS-„Euthanasie“ starben geistig und psychisch kranke Menschen dezentral in verschiedenen Anstalten durch Medikamente und Spritzen, vor allem aber durch Hunger und mangelnde Pflege.

Für die Stadt Buchen und ihre heutigen Stadtteile sind mindestens 20 Personen bekannt, die im Zuge der NS-„Euthanasie“ ermordet wurden. Sie wurden geboren und/oder lebten in Buchen, Götzingen, Hainstadt, Hettingen, Hollerbach, Rinschheim und Waldhausen. Um ihnen zu gedenken, erweiterte die Stadt Buchen die „Gedenkstätte ehemalige Synagoge“ inhaltlich und konzeptionell zur „Gedenkstätte für alle Opfer des Nationalsozialismus“. Die Namen der „Euthanasie“-Opfer wurden dem aus Messingtafel bestehenden Gedenkbuch hinzugefügt. Eine Informationstafel im ersten Raum der Gedenkstätte erläutert die Hintergründe der „Euthanasie“-Morde.

Die Gedenkveranstaltung mit Prof. Dr. Eveline Goodman-Thau (Jerusalem) findet am Donnerstag, dem 08. November, um 18.30 Uhr in der „Gedenkstätte für alle Opfer des Nationalsozialismus“ am Jakob-Mayer-Platz in Buchen statt.

Im Anschluss daran lädt die Hermann-Cohen-Akademie um 19.30 Uhr aufgrund ihres 20-jährigen Bestehens zu einem Empfang in den Bürgersaal des Alten Rathaus ein. In einer Begegnung der Holocaust-Überlebenden Prof. Goodman-Thau mit Jugendlichen des Burghardt-Gymnasiums Buchen wird sie am Morgen des gleichen Tages über ihr eigenes Erleben während der Zeit des Nationalsozialismus berichten. Die Veranstaltung wird gefördert durch die „Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ in Berlin.


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