Intendant wechselte nach fünf Jahren

Karsten Huschke übergibt die Leitung an Guido Baehr

von Barbara Nolten-Casado

Intendantenwechsel

Der künftige und der scheidende Intendant der Schlossfestspiele Zwingenberg vor ihrer Wirkungsstätte: Guido Baehr (li.) und Karsten Huschke (Foto: Barbara Nolten-Casado)

Zwingenberg. Fünf Jahre lang hat Karsten Huschke als Intendant der Schlossfestspiele Zwingenberg die künstlerische Leitung des Opern- und Operettenfestivals im Neckartal innegehabt. Im Rahmen des Abschlusskonzerts der 30. Spielzeit wird Landrat Dr. Achim Brötel am Sonntag das Heft nun in neue Hände legen: Guido Baehr, seines Zeichens Opernsänger und Hochschuldozent mit Studien in Theaterwissenschaft und Kulturmanagement, wird als vierter Intendant in die Annalen der 1983 von Guido Johannes Rumstadt gegründeten Festspiele eingehen. In der aktuellen Saison in Oper, Operette und Konzert sängerisch aktiv, hat Baehr sich auch bereits gemeinsam mit dem Vorstand des Trägervereins, mit der Geschäftsführung und mit Intendant Huschke an der Weichenstellung für die Zukunft der Festspiele beteiligt.


Herr Huschke, Herr Baehr, welche Zwischenbilanz können Sie zur Halbzeit der Festspiele ziehen?

Baehr: Durch das wunderbare Wetter bei den bisherigen Aufführungen stellte sich genau das ein, wofür Zwingenberg landauf landab bekannt ist: das Sommerabend-Genuss-Feeling. Der Vorverkauf läuft gut, die Carmina Burana am Sonntag ist ausverkauft, Fidelio und Lustige Witwe waren bislang sehr gut besucht. Durchs schöne Wetter läuft auch noch viel an der Abendkasse.

Hat sich die Reduktion des Spielplans auf zwei große Stücke plus Rahmenprogramm bewährt?

Huschke: Auf jeden Fall, das ist ein gutes Modell. So sind die Verkaufszahlen nahezu optimal.

Was bedeutet das für die Zukunft der Festspiele?

Baehr: Dazu haben wir, sprich Vereinsvorstand und Geschäftsführung, noch keine abschließenden Beschlüsse gefasst. Wir wollen natürlich eine wohl überlegte Entscheidung bezüglich des Spielplans fällen, damit der Konsolidierungsprozess, der dieses Jahr eingeleitet wurde, weiter zum Tragen kommen kann.

Herr Huschke, warum geben Sie das Intendantenamt ab?

Huschke: Wir alle, Geschäftsleitung wie künstlerische Leitung, machen das hier ja neben unserem Brotberuf. Meine administrative Einbindung am Theater Koblenz macht mir das nun immer schwerer.

Eine kurze Bilanz der fünf Jahre im Amt: Gab es Sternstunden? Tiefpunkte?

Huschke:  Alles war für mich beglückend, wenn auch das eine oder andere Ergebnis vielleicht hinter den eigenen Erwartungen zurückblieb. Dafür wurden andere Erwartungen übertroffen. Insgesamt gilt: die fünf Jahre waren positiv, weil produktiv. Und (augenzwinkernd zu Guido Baehr) sollte ich auch künftig als Dirigent eingeladen werden, so wären das auch weiterhin die schönsten Wochen des Jahres für mich.




Herr Baehr, was reizt Sie an den Aufgaben, die Sie hier erwarten? Welche Neuerungen wird es unter Ihrer Ägide geben?

Baehr: Mich reizt die Herausforderung, mit relativ geringen Mitteln aber ganz viel persönlichem und künstlerischem Engagement der Profis und Laien, die hier mitwirken, vollwertiges Musiktheater machen zu dürfen. Was meine Ideen für Veränderungen betrifft, so sehe ich das als eine Gratwanderung: Festspiele brauchen von Zeit zu Zeit neue Impulse, um lebendig zu bleiben. Dabei soll Gewachsenes natürlich nicht zerstört werden. Konkrete Veränderungen wird es geben, was das äußere Erscheinungsbild der Festspiele angeht. Wir wollen neues oder verlorengegangenes Publikum gewinnen, damit die Menschen erleben, wie toll das ist, was wir da produzieren. Zwei Musiktheater-Neuproduktionen haben wir für nächstes Jahr ins Auge gefasst, eine davon mit Huschke am Pult. Ich will versuchen, den Spielplan populär zu machen, das Publikum kennt die geplanten Werke.

Werden es Stücke mit Chorbeteiligung sein?

Baehr:  Auf jeden Fall. Der Festspielchor ist eine feste Komponente, auch eine Qualitätskomponente, denn er prägt die wunderbare Atmosphäre hier mit. Mein Ziel ist ein weiterer Ausbau des Chors. Die Einbindung von Projektchören der Region in das Carmina-Burana-Konzert ist ein erster Schritt dazu.

Ihre Visionen für die Schlossfestspiele?

Baehr:  Ein absolut gefüllter Schlosshof, begeisterte Menschen, die wir in Verstand und Herz bewegen können – das sehe ich als meine Aufgabe und meine Vision.

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