Zwischen Trümmern und Hoffnungen

Zwischen Trümmern und Hoffnungen
Zwischen Trümmern und Hoffnungen

Das Bild zeigt die Initiator:innen und Redner:innen der Mahnwache. (Foto: Brauch-Dylla)

125. Mahnwache für die Ukraine in Mosbach

Mosbach. (bd) Vier Jahre nach dem Beginn der russischen Vollinvasion ist der Krieg in der Ukraine für viele weit weg – doch auf dem Mosbacher Château-Thierry-Platz wurde er am Samstagmittag schmerzhaft spürbar. Rund 100 Menschen kamen zusammen, um an der 125. überparteilichen Mahnwache für Frieden und Solidarität mit der Ukraine teilzunehmen. Zwei Frauen gaben dem Leid und dem Widerstandsbegriff ein Gesicht: die in Buchen aufgewachsene Publizistin Ira Peter und die geflüchtete Künstlerin Liubov Kovalenko.

Die bescheidenen Wünsche der Kinder

“Was wünscht sich ein Kind, das im Krieg aufwächst?”. Lena-Marie Dold, Mit-Initiatorin der Mahnwache, eröffnete die Zusammenkunft mit Zitaten, die die Zuhörer sichtlich berührten. Es geht nicht um Spielzeug oder Reisen. „Ich möchte nachts nicht mehr in den Bunker“, hieß es da, oder: „Ich möchte einen Gemüsegarten pflanzen.“ Diese einfachen Träume verdeutlichten den Kontrast zur grausamen Realität in einem Land, das sich seit nunmehr vier Jahren gegen eine Vernichtungsstrategie wehren muss.

„Hölle auf Erden“: Ira Peters Mahnung an Europa

Die Journalistin Ira Peter, deren Vorfahren bis zur Deportation durch Stalin in der Ukraine lebten und die 2021 als Stadtschreiberin in Odessa wirkte, fand klare, fast erschütternde Worte für die geopolitische Lage. Für sie ist der Krieg kein „ferner Konflikt“, sondern die „Hölle auf Erden – mitten in Europa“, man schaue “in einen Abgrund”.

Mit Blick auf die „nackten Fakten“ – auf beiden Seiten seien zwei Millionen Soldaten gestorben, vermisst oder verstümmelt, über 40 000 ukrainische Zivilisten getötet – warnte sie vor einer Ermüdung des Westens. Putin setze auf Zermürbung.

Jenseits der bislang 20 Prozent an gewonnenem Territorium strebe Putin die Vernichtung der ukrainischen Identität an, sein eigentliches Ziel sei jedoch der „Kollaps der Europäischen Union“. Peter plädierte daher leidenschaftlich für einen „konsequenten Russorealismus“. Ihr Appell war ein Weckruf zur Wehrhaftigkeit: „Die Ukraine kämpft für uns. Stehen wir fest an ihrer Seite – bis zum Sieg des Rechts über die Gewalt.“

Das Leben im „Dazwischen“

Besonders still wurde es, als Liubov Kovalenko das Mikrofon übernahm. Die Künstlerin, die mit ihren drei Kindern in Eberbach Schutz gefunden hat, berichtete vom zermürbenden Alltag ihrer Heimat. Während ihr Mann als Armee-Freiwilliger an der Front kämpft – eine Tatsache, die er der Familie anfangs aus Sorge verschwieg – kämpfen die Menschen in den Städten gegen Kälte und Dunkelheit.

Kovalenko schilderte Bilder von Kindern, die mit warmen Mützen in Tiefgaragen schlafen, und Familien, die ihre Mahlzeiten auf kleinen Gaskochern zubereiten, weil Strom und Heizung fehlen. „Viele haben das Gefühl, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren“, beschrieb sie die tiefe seelische Erschöpfung. Sie selbst fühle sich, als hänge sie „zwischen zwei Welten“.

Trotz der Sehnsucht nach der alten Heimat ist sie entschlossen, in Deutschland nützlich zu sein und ihre kreative Erfahrung in soziale Projekte einzubringen. Ihre größte Hoffnung sei der Friede und für die Kinder ein Leben ohne Angst – „unabhängig davon, wo sich ihre Zukunft gestalten wird“.

Die bittere Absurdität des Todes

Zum Abschluss erinnerte Arno Meuter wie bei jeder Mahnwache an die Einzelschicksale, die hinter den großen Statistiken verschwinden. Er erzählte die Geschichte von Gregori, der 34-jährig verstarb. Nachdem er an der Front ein Bein verloren hatte, schien ein Neuanfang mit seiner schwangeren Frau und den drei Kindern in einem neuen Haus möglich. Doch nur zwei Nächte nach dem Einzug löschte eine russische Drohne fast die gesamte Familie aus – nur die Ehefrau überlebte.

Es sind Geschichten wie diese, die die Notwendigkeit der Mosbacher Mahnwachen auch nach vier Jahren unterstreichen. Die gesammelten Spenden des Mittags gehen an die Hilfsorganisation Vostok SOS, um den Menschen in den ukrainischen Frontgebieten beizustehen.

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