Öko-System der Jagst nicht geschädigt

Gutachten: Auswirkungen auf die Ökologie in der Jagst nicht feststellbar 

Jagst. (pm) Schon vor über einer Woche konnte das Landratsamt die Einschätzung eines Stuttgarter Gewässerbiologen bekanntgeben, wonach eine Einwirkung der Schadstoffwelle anhand des Merkmals Makrozoobenthos praktisch nicht nachweisbar sei, weder im Nah- noch im Fernbereich (Mistlau bzw. Oberregenbach).

Diese Einschätzung ist nun durch genauere Auswertungen bestätigt. Die Kleinstlebewesen (Makrozoobenthos), die die ökologische Grundlage des Gewässers Jagst und die Nahrungsgrundlage für Fische darstellen, haben das Unglück ohne Beeinträchtigung überlebt. Gegenübergestellt wurden drei untersuchte Bereiche in der Jagst: 1,3 Kilometer (Mistlau) und 25 Kilometer (Oberregenbach) unterhalb der Schadensstelle sowie als Referenz ein Bereich flussaufwärts oberhalb der Schadensstelle (Satteldorf-Neidenfels).

An allen Stellen seien fast die gleichen Artenzahlen ermittelt worden (41 – 44), so der Gutachter. Die statistische Ähnlichkeit der Artenspektren in den drei Abschnitten entspreche dem üblichen Spektrum unterschiedlicher Probestellen. Die Lebensgemeinschaft des Makrozoobenthos habe eine hohe Stetigkeit über die Schadensstelle hinweg. „Damit ergibt sich weder statistisch noch aus Einzelbetrachtungen zur Verteilung der Arten oder Besiedlungsdichten ein Hinweis auf einen ‚biologischen Einbruch‘ durch ein Schadereignis. Ein Untersucher, der nichts vom Schadereignis weiß, könnte anhand der Befunde niemals auf ein solches schließen“, schreibt der Gewässerbiologe Walter Steineck von pro aqua Stuttgart in seinem Gutachten. „Weder das faunistische Bild noch die indikativen Maßstäbe lassen eine Schadwirkung auf das Makrozoobenthos erkennen. Eine lokale Eliminierung selbst empfindlicherer Arten ist ausschließbar. Die Befürchtungen über ein „totes Gewässer“ sind der sicher nachvollziehbaren Reaktion auf das massive Fischsterben geschuldet, treffen aber in keiner Weise zu. Den hohen fischerfaunistischen Verlusten stehen praktisch unbeschädigte Verhältnisse bei der Wirbellosenfauna gegenüber.“

Inzwischen liegt auch ein weiteres positives Laborergebnis vor. Die Beprobung des Sediments im Mühlkanal an der Lobenhausener Mühle ergab Dioxin-Werte von unter 1 Nanogramm pro Kilogramm Trockensubstanz (<1 ng TE/kg TS). Dieser Wert ist damit absolut unbedenklich. Dioxin entsteht bei der Verbrennung von chlororganischen Verbindungen, wie zum Beispiel PVC.

Für Schwermetall-Werte hat das Landratsamt bereits am 27. August 2015 Entwarnung gegeben. Die gemessenen Werte waren sowohl für das Fließgewässer als auch für das Ausbringen des Wassers auf die Felder völlig unbedenklich.

Die Ammonium-Werte liegen inzwischen, mit Ausnahme des Messortes bei Mistlau, wieder in dem Bereich, der für die unbelastete Jagst normal ist. Aber auch bei Mistlau sind die Werte in den vergangenen Tagen deutlich zurückgegangen. Der aktuelle Messwert liegt bei 0,12 mg/l und damit deutlich unterhalb des für Fische bedenklichen Bereiches.

Die Sauerstoff-Werte im Jagstwasser sind sehr gut, so dass keine Belüftungsmaßnahmen mehr erforderlich sind. Die Sauerstoff-Werte werden weiter beobachtet, so dass die Belüftung gegebenenfalls kurzfristig fortgesetzt werden kann. 

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