Wertheim begrüßt 450 Flüchtlinge

Gut organisierte Notaufnahme am Sonntag

Wertheim. (pm) Für rund 450 Flüchtlinge ist seit dem späten Sonntagnachmittag Wertheim und der Reinhardshof zumindest vorübergehend eine neue Heimat geworden. Einige hundert Wertheimerinnen und Wertheimer begrüßten die Neuankömmlinge, die in mehreren Bussen an der Hochschule der Polizei, der künftigen Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA), ankamen mit Beifall, Blumen und vor allem einem Lächeln, das von den meisten der sichtlich erschöpften, aber glücklichen Menschen zunächst etwas schüchtern erwidert wurde.

Nachdem die Flüchtlinge mit Essen und Trinken versorgt worden waren, folgten die Registrierung und eine erste ärztliche Inaugenscheinnahme. Danach konnten sie die Zimmer bezogen werden, die in den Stunden zuvor hergerichtet worden waren.

Erst um die Mittagszeit hatte Oberbürgermeister Stefan Mikulicz vom stellvertretenden Regierungspräsidenten Dr. Christian Schneider darüber informiert werden können, dass noch am gleichen Tag die Flüchtlinge in Wertheim ankommen würden. Daraufhin machten sich umgehend die in der Main-Tauber-Stadt wegen des regelmäßigen Hochwassers krisenerprobten Hilfskräfte von Freiwilliger Feuerwehr, Deutschem Roten Kreuz und Technischem Hilfswerk an die Arbeit, um die Unterkünfte vorzubereiten.

Allen war klar, was im weiteren Verlauf des Nachmittags in einer Pressekonferenz mehrfach betont wurde: „Jetzt ist nicht die Zeit zu diskutieren, jetzt ist die Zeit zu handeln.“ Regierungsvizepräsident Dr. Schneider erläuterte, warum trotz aller Bemühungen der 15. Oktober als Termin für die Inbetriebnahme der Landeserstaufnahmeeinrichtung nicht mehr zu halten war. Denn bis zur Nacht vom Samstag auf den Sonntag waren erneut fast 14.000 Flüchtlinge in München angekommen, von denen Baden-Württemberg nach dem „Königssteiner Schlüssel“ rund 1.000 Menschen übernommen hat, um ihnen ein Dach über dem Kopf zu bieten. Dies sei, so Schneider, „eine Frage der Solidarität“, es gehe jetzt vor allem darum, Obdachlosigkeit zu vermeiden. Parallel dazu versuche man gleichwohl weiter, die Einrichtung der LEA optimal zu gestalten.

Der Regierungsvizepräsident dankte dann zunächst in erster Linie der Stadt Wertheim. Nach den ersten Telefongesprächen sei „unheimlich viel geleistet worden, um den hier ankommenden Menschen ein gutes, erstes Zuhause geben zu können“. Da die erforderlichen Strukturen in der Kürze der Zeit noch nicht geschaffen werden konnten, habe das Deutsche Rote Kreuz, und hier vor allem der Kreisverband Main-Tauber sofort zugesagt, zunächst die Verpflegung und Erstausstattung der Ankommenden zu übernehmen, das Landratsamt habe „auf Zuruf“ ärztliches Personal bereitgestellt, sowie einige Mitarbeiter des von ihm beschäftigten Sicherheitsdienstes. Die Sicherheit wird darüber hinaus natürlich von der Polizei gewährleistet, außerdem sind seit Sonntagabend vorübergehend auch rund 20 Bundeswehrsoldaten im Einsatz. Auch die Hochschule der Polizei nehme ihre humanitäre Verantwortung ernst und wahr, würdigte Dr. Schneider. „Was von der Stadt, dem Landkreis, vielen, vielen Ehrenamtlichen, Hilfsorganisationen bis hin zur Polizei hier geleistet wird, verdient Hochachtung und Anerkennung.“

Oberbürgermeister Stefan Mikulicz sprach von einer großen humanitären Herausforderung, bei der jeder seinen Beitrag so gut er könne leisten müsse. Angesichts der Bilder dieses Wochenendes „war sofort klar, dass die Situation einer vorzeitigen Belegung der Landeserstaufnahmeeinrichtung unabwendbar ist“, auch wenn man sich anderes gewünscht hätte. Er sei allen Hilfsorganisationen und dem Verein „Willkommen in Wertheim“ sehr dankbar, so der Oberbürgermeister. „Wir können in Wertheim auf ein gutes Team zurückgreifen. Hier weiß die rechte Hand, was die linke tut, und umgekehrt, so dass die Menschen, die jetzt zu uns kommen, sich hier wohl und gut aufgenommen fühlen können. Es ist Solidarität angesagt.“ Mikulicz kündigte an, dass auch die Stadtverwaltung in der LEA präsent sein werde und benannte Bürgermeister Wolfgang Stein als Ansprechpartner.

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Von einer großen Herausforderung für Deutschland sprach Landrat Reinhard Frank. „Das lässt niemanden unberührt und kalt“, zeigte er sich überzeugt. In Wertheim klappe die Zusammenarbeit der Organisationen hervorragend, „man spürt, dass hier Profis unterwegs sind“, lobte Frank. „Es geht hier wirklich Hand in Hand.“

Er sei überzeugt, „dass die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung sehr groß ist“, hatte OB Mikulicz in der Pressekonferenz erklärt und versichert, „wir wollen das sehr, sehr vorbildlich machen“. Hilfs- und Rettungsorganisationen, die Mitglieder von „Willkommen in Wertheim“ und viele, viele Bürgerinnen und Bürger setzten dies eindrucksvoll in die Tat um. Der Strom der Hilfsbereitschaft riss, kaum dass sich die Nachricht von der bevorstehenden Ankunft der ersten Flüchtlinge in Wertheim verbreitet hatte, nicht mehr ab. Er habe zwar schon einiges im Zusammenhang mit der Aufnahme von Flüchtlingen erlebt, staunte Regierungsvizepräsident Dr. Christian Schneider. „Aber so etwas wie heute – an einem Sonntag – noch nicht.“

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(Foto: pm)

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