Kulturkommode präsentiert Jahresprogramm

Kulturkommode Präsentiert Jahresprogramm
Kulturkommode präsentiert Jahresprogramm

Philipp Weber kommt ins Bauland. (Foto: Simon Büttner/Inka Meyer)

Unterhaltung trifft auf Gesellschaftskritik

von Martin Hammer

Osterburken. Nicht nur in bewegten Zeiten wie diesen ist der Programmausschuss der Kulturkommode Osterburken darauf bedacht, eine ausgewogene Auswahl an Künstlern zu treffen, die das Publikum einerseits unterhalten, bisweilen mit Erwartungen brechen und sich nicht zuletzt auch mal kontrovers mit unserer Gesellschaft und der aktuellen Politik auseinandersetzen.

Zum einen ist der Anspruch, eine möglichst große Bandbreite der Kleinkunst abzubilden, andererseits müssen die Veranstaltungen von den verantwortlichen Ehrenamtlichen des Vereins finanziell und organisatorisch durchführbar bleiben. Dass dieser Spagat immer wieder aufs Neue gelingt, ist nicht zuletzt an der Begeisterung der gleichbleibend großen Fangemeinde abzulesen.

So ist auch für das Programmjahr 2026 wieder eine abwechslungsreiche Mischung aus bereits bekannten Künstlern und spannenden Neuentdeckungen entstanden, die mit Sicherheit für jeden etwas zu bieten hat: berührende Klezmer-Musik von Klarinettist Helmut Eisel gemeinsam mit seiner Band JEM, beste Unterhaltung mit dem Musik-Comedy-Duo „Zärtlichkeiten mit Freunden“, scharfzüngiges Kabarett von Mathias Tretter und Philipp Weber, überraschendes Instrumental-Crossover mit „Wildes Holz“ und nicht zuletzt vermutlich die letzte Gelegenheit, Osterburkens Lieblings-Songwriter Mike Silver live auf der Bühne zu erleben.

So wird auch das aktuelle Jahresprogramm mit Sicherheit eines, das Lachmuskeln, Intellekt und Herz gleichermaßen berührt! Die Kulturkommode ist also in jedem Fall einen Besuch wert. Diese sechs Gelegenheiten bieten sich dazu in diesem Jahr:

An jeder Ecke Ausnahmezustand

Der Kabarettist Mathias Tretter eröffnet mit dem Programm „Souverän“ am 28. Februar das Jahresprogramm der Kulturkommode: „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.“ – Carl Schmitt, Deutschlands ärgster Advokat, schrieb den berühmten Satz 1928, seitdem kauen wir darauf herum.

Kaum hundert Jahre später ist an jeder Ecke Ausnahmezustand – aber wer ist Souverän? Die einen sagen so, die anderen: das Volk, die Wahrheit liegt wie immer ganz woanders. Tretter beschäftigt sich konsequent mit den relevanten Themen unserer immer undurchschaubarer werdenden Welt.

„Welch ein fantastisches Klima für Satire!“, meint zumindest Mathias Tretter, der sein Glück kaum fassen mag: „Ich war immer neidisch auf Komiker in Diktaturen – wenn jeder Witz dein letzter sein kann, fühlst du dich gebraucht.“

„Power to the Popel:

Demokratie für Quereinsteiger“ heißt das Programm, das Kabarettist Philipp Weber am 18. April in der Baulandhalle präsentiert.

Der Titel ist kein Druckfehler; in Philipp Webers Stück dreht sich nämlich alles um den kleinen „Popel“, der laut Duden ein „unscheinbares und armseliges Menschlein“ bezeichnet. Dabei ist es doch eigentlich die Aufgabe der Demokratie, aus den vereinzelten Winzlingen das selbstbeherrschte Volk zu formen, den souveränen Souverän.

Bloß wer hat denn jetzt hier eigentlich das Sagen? Die People, der Pöbel oder die Popel? Die Antwort ist simpel: Philipp Weber! In Zeiten, wo Volksvertreter und Volksverdreher gebetsmühlenartig die Krise der bürgerlichen Gesellschaft beschwören, übt der Kabarettist mit seinem Publikum auf einer aufregenden Expedition durch die Flora und Fauna des Staatswesens die wertvollste demokratische Tugend: den Humor.

Am 16. Mai macht Mike Silver wieder einmal Halt in Osterburken. Kein Musiker stand hier so oft auf der Bühne und hinterließ stets ein derart begeistertes Publikum wie der sympathische Brite. Mike hat die Fähigkeit, mit wunderschönen Balladen, Rock ’n‘ Roll-Anleihen und schwermütigem Blues das Publikum einen Abend lang in seinen Bann zu ziehen.

Gekonntes Fingerpicking sowie die enorm einfühlsame, prägnante Gesangsstimme sind dabei seine Markenzeichen, ebenso wie die Anekdoten, mal rührend, mal witzig, in bestem Angloschwäbisch. Seit mittlerweile 35 Jahren kennen und lieben seine Fans hier die gleichermaßen melancholischen wie mitreißenden Songs einer der besten englischen Songwriter. Nun ist er auf Abschiedstour auf dem europäischen Festland – vermutlich die letzte Gelegenheit, Mike Silver hier live auf der Bühne zu erleben.

„Zärtlichkeiten mit Freunden“

Nach der Sommerpause kommen „Zärtlichkeiten mit Freunden“ am 19. September mit ihrem Programm „Alles muss, nichts kann“ in die Baulandhalle. Die bekannte Band verlässt die staubigen ausgetretenen Pfade mitteldeutscher Rockmusik und begibt sich vorsichtig herumstöckelnd auf neues Terrain. Nach ungezählten Jahren, prall gefüllt mit Smash-Hits auf der E-Gitarre, wollen sich die beiden Grobmusiker – oder zumindest einer davon – neu erfinden.

Und der andere muss mitmachen. „Musik-Kasperett“ heißt ihr Genre, in dem Kabarett, Comedy und visuelle Gags ineinanderfließen: Wortwitz trifft darin auf absurden Dialog, präzise gesetzte Pointen auf liebevoll-verschrobene Figuren, wunderbar dämlich zuweilen, dafür immer hochintelligent. Nicht nur, wer sie beim ersten Besuch vor Jahren in Osterburken gesehen hat, wird sich auf das bundesweit bekannte Duo freuen.

Menschen glücklich machen

Klezmermusikanten wollen Menschen glücklich machen – und das ist seit mehreren Jahrzehnten auch der Auftrag der Kultformation Helmut Eisel & JEM. Endlich ist der Ausnahme-Klarinettist am 24. Oktober mit seinem neuen Trioprogramm „Klezfire!“ auch auf der Kulturkommode-Bühne zu hören. Einmal mehr vermittelt Eisel mit seiner „sprechenden Klarinette“ dabei auf höchstem musikalischem Niveau zwischen den Stilen und Kulturen.

So finden sich Klezmer- und sephardische Melodien genauso wie Vertonungen persönlicher Erlebnisse – mal fröhlich, mal melancholisch oder unwiderstehlich verführerisch. Wie üblich bei JEM ist die Musik ebenso hochvirtuos wie emotional, die lebendige Kommunikation der Instrumentalisten untereinander steckt an und bringt pure Freude beim Zuhören. Helmut Eisel & JEM entfesseln mit „KlezFire!“ ein Fest für die Sinne, in dem der intensive Dialog von Klarinette, Gitarre (Juan-Pablo González) und Kontrabass (Stefan Engelmann) die Luft zum Flirren bringt.

„Wildes Holz“ lädt als Abschluss des Jahresprogramms am 21. November zur Block Party! Ihr neues Programm feiert die Musik, das Leben, die Vielfalt und – die Blockflöte, das Party-Instrument par excellence! Die drei Wilden zeigen, wo der Holz-Hammer hängt. Kraftvolle akustische Musik, gepaart mit beiläufigem Witz und Selbstironie ist ihr Markenzeichen. Dabei überrascht immer wieder, welch atemberaubende Klänge sie aus ihren Instrumenten herauszuholen vermögen und was neben der Blockflöte eine akustische Gitarre und ein Kontrabass so alles aushalten können.

Eigens arrangierte Rock- und Pop-Songs, in die Moderne übersetzte klassische Werke, temperamentvolle Eigenkompositionen und überraschende Medleys garantieren einen turbulenten Abend mit einer der vielleicht buntesten Wundertüten der deutschen Musikszene und ihrer Party-Mucke aus vier Jahrhunderten und dem schon legendären Wildes-Holz-Furor.

Auf der Internetseite der Kulturkommode Osterburken steht der Programm-Flyer mit ausführlichen Informationen zum Download zur Verfügung. Als Geschenkidee wird dort auch wie bisher der Kulturkommode-Gutschein zur Bestellung angeboten. Die Eintrittskarten können weiterhin im Vorverkauf – etwa vier Wochen vor dem jeweiligen Programmtermin – über das Bestellformular auf der Homepage der Kulturkommode erworben werden. Gegebenenfalls sind Restkarten an der Abendkasse erhältlich. Auf der Homepage sind natürlich auch immer alle aktualisierten Informationen zu den jeweiligen Veranstaltungen und Künstlern zu finden.

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