(Foto: pm)
Von Liane Merkle
Seckach „Wir werden uns um Eure Kinder kümmern, bis sie alleine zurechtkommen!“ Dieses Versprechen von Pfarrer Heinrich Magnani, das er den Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg bei ihrer Ankunft in Seckach gab, hat für den Klinge e.V. auch 75 Jahre nach seiner Gründung am 13. Februar 1951 unverändert Bestand.
Ein einzigartiges pädagogisches Konzept
Das besondere pädagogische Konzept im Kinder- und Jugenddorf Klinge zeichnet sich durch ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal in der Jugendfürsorge aus. Die gesamte „Klingefamilie“ steht hinter dieser Überzeugung und unterstützt Vorstand und Dorfleiter Alexander Gerstlauer, den pädagogischen Leiter Frank Grimm und Öffentlichkeitsreferentin Melanie Schork, die die Geschichte und das Konzept kürzlich in einer Pressekonferenz vorstellten.
Historische Wurzeln und Entwicklung
Pfarrer Magnani hatte es 1945 geschafft, aus den von der Organisation Todt errichteten Baracken in der sogenannten „Teufelsklinge“ einen Ort der Begegnung zu gestalten. Zunächst war dieser Ort für täglich etwa tausend Heimatvertriebene gedacht, die mit Unterstützung der Caritas des Altkreises Buchen auf die umliegenden Gemeinden verteilt wurden. Mit dem Bau des ersten Kinderdorfhauses „Haus Michael“ im Jahr 1948 entstand das Heim für Kriegswaisen, das später zu einer Jugendhilfeeinrichtung zur Unterstützung benachteiligter Kinder weiterentwickelt wurde.
Meilensteine der Klinge
Am 13. Februar 1951 wurde der „Kinder- und Jugenddorf Klinge e.V.“ gegründet, was den Beginn eines Baubooms in der „Klinge“ einläutete. Neben zahlreichen Kinderdorfhäusern, die als stationäre Jugendhilfeeinrichtungen fungieren, entstand auch der Kindergarten „St. Theresia“, die St-Bernhard-Schule mit Turnhalle und die St.-Bernhard-Kirche. Ein herausragendes Ereignis war die Schaffung eines beliebten Spielgeländes, das 1979 eröffnet wurde und seitdem kontinuierlich gewachsen ist.
Blick über den Tellerrand
Die Verantwortlichen der Klinge legen großen Wert auf Weitblick und Integration. So wurden Vietnam-Flüchtlinge aufgenommen, Immobilien zur Unterbringung ukrainischer Flüchtlinge vermietet und kontinuierliche Weiterbildung im Bereich Betreuungskonzept angeboten. Dieses Konzept wird gemäß Haim Omers Vorlage seit 2007 stetig weiterentwickelt und basiert auf Gandhis Philosophie des gewaltlosen Widerstands.
Ein abwechslungsreiches Jubiläumsprogramm
Das Jubiläum wird durch verschiedene Veranstaltungen begleitet. Intern sind bereits folgende Ereignisse geplant:
- Am 04. Mai findet die traditionelle Klinge-Wallfahrt nach Hettingen unter dem Motto „Auf den Spuren von Heinrich Magnani“ statt.
- Am 10. Juli wird ein Arenafest für die „Klinge“-Kinder veranstaltet, das mit Zirkus, Theater und Musikaufführungen aufwartet.
- Vom 30. Juli bis 02. August empfängt die Klinge die italienische Partnergemeinde Gazzada Schianno, um die Partnerschaft zu beleben.
Einladung an die Bevölkerung
Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen, das traditionelle Klinge-Fest vom 06. bis 07. Juni zu besuchen, dessen Festgottesdienst am 7. Juni von Weihbischof Dr. Peter Birkhofer zelebriert wird. Ein Festakt zur 75-Jahr-Feier am 25. September 2026 wird hochrangige Politiker und Würdenträger aus der Region sowie ein buntes Programm mit Zirkus, Theater und sportlichen Aufführungen beinhalten. Abends wird die Mosbacher Band „The Bautzys“ im Bernhardsaal auftreten.
