(Foto: Michael Pohl)
Satirischer Blick auf den Zustand der Demokratie
Von Martin Hammer
Osterburken. Kulturinteressierte in der Region dürfen sich freuen, denn die Kulturkommode lädt immer wieder namhafte Künstler nach Osterburken ein. Zum Auftakt des 29. Jahresprogramms präsentiert der Kleinkunstverein Mathias Tretter, einen Kabarettisten, der zahlreiche Branchenpreise gewonnen und die bedeutendsten Bühnen Deutschlands bespielt hat. Bereits während seines Studiums der Anglistik und Germanistik begann er, kabarettistische Texte zu verfassen, die schnell zu politischem Kabarett der Extraklasse führten. Neben Bühnenauftritten ist Tretter auch im Fernsehen präsent, Autor, Moderator und bietet einen satirischen Monatsrückblick im Bayerischen Rundfunk. Seit über 20 Jahren begeistert er sein Publikum mit scharfer Zunge und Wortgewandtheit. Als gebürtiger Unterfranke lebt er seit 2007 in Leipzig, was ihm hilft, die Perspektiven beider Hälften des ehemals geteilten Deutschlands objektiv zu betrachten.
Ein Programmtitel voller Ironie
„Souverän“, der Titel seines aktuellen Programms, zeigt ihn auf seinem Plakat im korrekt sitzenden Anzug, was leicht mit Landtagswahlplakaten verwechselt werden kann. Augenzwinkernd hofft er, die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden. Tretter analysiert die gegenwärtigen Entwicklungen, in denen der Ausnahmezustand an vielen Orten herrscht, und tut dies auf messerscharfe und treffende Weise. Er stellt die Frage, wer in dieser unübersichtlichen Welt tatsächlich den Souverän vertritt und die Kontrolle behalten sollte. Dabei richtet er seinen Blick auch auf die Despoten dieser Welt, die er als Teil einer überalterten Generation sieht, und bezeichnet die AfD als das letzte „Westpaket“ im Osten.
Gesellschaftskritik mit einem Augenzwinkern
In seinem Programm thematisiert Tretter den zunehmenden Egoismus, den Übergang vom „Wir“ zum „Ich“ sowie die Wahrnehmung der Erde, die die Menschheit nur zur eigenen Rettung duldet. Er führt aus, dass es keine Katastrophen mehr gibt, sondern nur noch „neue Märkte“. Auch die Wahlen sieht er kritisch und stellt die Frage, ob sie das Problem der Demokratie sind. Ob diese Thesen zu gewagt sind, bleibt dem Publikum selbst zu urteilen, in einer Zeit, in der der Souverän oft der ist, der über den Ausnahmezustand entscheidet. Tretter bemerkt, dass viele Wähler die Programme der Parteien nicht mehr kennen und stattdessen eher „Schiffe versenken“ spielen.
Ansgar bringt Leichtigkeit ins Programm
Trotz der kritischen Themen bringt Tretter auch leichtere Momente: Sein Alter Ego Ansgar wird in einer Kapsel Richtung Mars geschickt und denkt auf seine absurde Weise über die Dinge nach. Am Ende stellt sich jedoch heraus, dass der Trip nur eine Simulation war, was die Frage aufwirft, welchen Wahrheiten man heute noch vertrauen kann.
„Ich bin Komiker; glauben Sie mir, ich weiß, was es für die Psyche bedeutet, wenn man Blödsinn redet und jemand dabei ist“, merkt Tretter an. Solange Gesellschaftskritik unterhaltsam verpackt wird, nimmt das Publikum diese gerne an und behält sein Fazit im Kopf: „Man möchte kotzen, aber das Lachen hält es drunten.“
