Weihnachtsbrief 2012 von Landrat Dr. Achim Brötel

Achim Broetel

(Foto: LRA)

Auch in diesem Jahr wendet sich der Landrat Dr. Achim Brötel mit seinem Weihnachtsbrief wieder an die Bürgerinnen und Bürger des Kreises. Zu Beginn blickt er auf den 40. Geburtstag der gelungenen Kreisreform mit Gründung der Neckar-Odenwald-Kreises, die zu großer Einigkeit der Bürgerinnen und Bürger führte. Er blickt aber auch sorgenvoll in die Zukunft und nennt hier den „Zentralisierungswahn“, den er auf Landes- und Bundesebene ausmacht. Hier würde viele kaputt gemacht, was über Jahrzehnte aufgebaut worden sei. Als Beispiele nennt Brötel die Bundeswehrschließung sowie die Polizeistrukturreform. Mit einem Blick in die Zukunft, die unter anderem einige Wahlen bringt, aber auch Großbaustellen mit diversen Baumaßnahmen und den besten Wünschen endet der Weihnachtsbrief 2012. Erstmals hat es auch NOKZEIT in die Weihnachtsbotschaft des Landrats geschafft. So zitiert er im Zusammenhang mit der bereits erwähnten Kritik an Bund und Land einen Kommentar eines unserer Leser.

Nachfolgend dokumentieren wir das Schreiben von Dr. Achim Brötel für unsere Leser.

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

selten hat es schon vor Weihnachten so viel geschneit wie in diesem Jahr. Schnee hat aber auch etwas Faszinierendes. Wie er lautlos zur Erde fällt, alles bedeckt und selbst über harte Kanten noch weiche Konturen zeichnet. Ein Bild des Friedens.

Für den Neckar-Odenwald-Kreis wird 2013 ein besonderes Jahr. Wir feiern nämlich Geburtstag. 40 Jahre sind seit der Kreisreform vergangen. Vieles hat sich seitdem zum Positiven hin verändert. Die Schwarzmaler von damals haben definitiv nicht Recht behalten. Im Gegenteil: Wir können heute mit Fug und Recht sagen, dass die Reform bei uns rundum gelungen ist. Der neue Neckar-Odenwald-Kreis ist weit mehr als die Summe seiner früheren Teile. Und: Auch im Inneren ist längst zusammengewachsen, was zusammen gehört. Nie war mehr Einigkeit im Kreis als heute.

Deshalb muss uns auch niemand immer wieder aufs Neue belehren, ob das Leben hier lebenswert ist oder nicht. Das wissen wir selbst nämlich immer noch am Besten. Wichtigtuerische Studien, fragwürdige Umfragen oder seltsame Reportagen dürfen insofern nicht überbewertet werden. Zumindest ihr Heizwert ist im Winter aber auch nicht zu verachten.

Trotzdem ist und bleibt es natürlich eine kommunalpolitische Daueraufgabe, im gesamten Kreisgebiet zukunftsfähige Strukturen zu schaffen und zu erhalten. Vieles wurde dabei bereits erreicht. Ich denke beispielsweise nur an die erfolgreiche Neuausrichtung der Neckar-Odenwald-Kliniken. Die Zahl der Patientinnen und Patienten hat hier, aber auch im kommunalen Belegkrankenhaus in Hardheim inzwischen ein Rekordniveau erreicht. Es gibt sicher nur wenige Kreise im Ländlichen Raum, die ein so hervorragendes medizinisches, pflegerisches und therapeutisches Angebot vor Ort haben. Mit dem Ärztehaus in Mosbach und dem neuen Bettentrakt in Buchen schaffen wir auch baulich die entsprechenden Rahmenbedingungen. Alles in allem sind dann in den letzten 20 Jahren rund 90 Millionen Euro allein in die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung investiert worden. So etwas macht man nur, wenn man an seine eigene Zukunft glaubt.




Auch beim flächendeckenden Ausbau der Breitbandversorgung kann sich unsere Bilanz wahrlich sehen lassen. Wir haben zwar nach wie vor nur eine Auffahrt auf die Bundesautobahn, inzwischen aber viele Auffahrten auf die „Datenautobahn“. Dieses Netz muss in den kommenden Jahren jetzt Schritt für Schritt noch weiter verfeinert und ausgebaut werden.

Der Bildungsstandort Neckar-Odenwald-Kreis profitiert vom exorbitanten Wachstum der Dualen Hochschule in Mosbach. Schon derzeit sind hier über 3.000 Studentinnen und Studenten eingeschrieben. Ein Allzeithoch, das in den nächsten Jahren aber noch weiter wachsen wird. Erfreulicherweise zieht das Land jetzt auch mit einem ersten Erweiterungsbau nach. Die Raumnot wird dadurch jedoch nur zum Teil gelöst. Weitere Schritte werden dem deshalb folgen müssen. Die DHBW ist für uns ein wichtiges Pfund.

Vieles bleibt aber auch sonst noch zu tun. An erster Stelle steht für mich dabei die Sorge, dass strukturelle Veränderungen, aber auch ein nicht zu übersehender neuer Zentralisierungswahn Vieles von dem wieder zunichte machen können, was über Jahrzehnte hinweg erfolgreich aufgebaut worden ist. Der Abzug der Bundeswehr aus Mosbach, Hardheim und Altheim, die Diskussion über weitreichende Veränderungen im Bereich der Johannes-Diakonie, die Auflösung der Polizeidirektion Mosbach, die 2018 anstehende Schließung der Notariate Adelsheim, Aglasterhausen und Walldürn, der Kampf um den ärztlichen Bereitschaftsdienst, die geplante Zentralisierung der Vereinsregister und manches andere mehr sind hier zu nennen. Sicher: die Bedeutung dieser Maßnahmen ist im Einzelnen nicht unbedingt miteinander zu vergleichen. In der Summe ergibt sich aber doch ein Bild, das uns nicht kalt lassen darf. Vor kurzem habe ich in einem Internet-Blog zwar sinngemäß die Äußerung gelesen „Der Landrat nörgelt wieder. Ignoriert ihn“. Sie dürfen allerdings sicher sein, dass ich auch weiterhin die Dinge beim Namen nennen werde. Man kann bestimmt Vieles schönreden. Nur: hilft das eigentlich irgendjemand?

Große Baustellen gibt es 2013 vor allem in Adelsheim mit dem Tunnel im Zuge der Ortsumfahrung und in Haßmersheim, wo der Anschluss an die Stadtbahn Heilbronn einen neuen Neckarsteg mit sich bringt. Auch der Neckar-Odenwald-Kreis selbst investiert weiter, etwa in eine Verbesserung der Wohnsituation in unserer Asylbewerberunterkunft in Hardheim oder in das neue Kundenservicecenter im ehemaligen Postamt in Mosbach, das wir mit einem großen Tag der offenen Tür am 30. Juni 2013 der Öffentlichkeit präsentieren wollen.

2013 ist aber auch ein Jahr der Wahlen. Im September wird ein neuer Bundestag gewählt. In Aglasterhausen, Waldbrunn und Zwingenberg treten mit Erich Dambach, Klaus Schölch und Peter Kirchesch drei altgediente Bürgermeister in den wohlverdienten Ruhestand. Alle drei haben eine beispielhafte Bilanz vorzuweisen. In Buchen,  Haßmersheim, Höpfingen und Osterburken sind ebenfalls Bürgermeisterwahlen. Ich appelliere deshalb schon jetzt an Sie: Nutzen Sie Ihr Wahlrecht in möglichst großer Zahl. Die demokratische Mitbestimmung ist viel zu wertvoll, als dass man sie nur den anderen überlassen dürfte.


Meine Amtszeit als Landrat endet ebenfalls. Ich werde mich aber erneut bewerben. Die Arbeit macht mir nach wie vor großen Spaß. Leider bleibt die Bevölkerung von einer Mitbestimmung bei dieser Entscheidung nach wie vorausgeschlossen. Schade. Ich hätte mich jedenfalls gerne einer Volkswahl gestellt.

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich jetzt zunächst aber erst einmal von Herzen ein frohes Weihnachtsfest, Gottes Segen und einen guten Start in ein hoffentlich für uns alle gesundes, glückliches und friedvolles neues Jahr 2013. Mögen Sie die Worte von Erich-Maria Reinhold dabei begleiten: „Das Leben ist eine Herausforderung – begegne ihr! Manchmal Kummer – überwinde ihn! Auch Freude – genieße sie! Eine Pflicht – erfülle sie! Ein Versprechen – halte es! Ein Ziel – erreiche es! Das Leben ist ein Geschenk – bedanke Dich!“. In diesem Sinne: alles Gute für 2013!

Auf Weihnachtskarten oder Geschenke haben wir erneut verzichtet und den entsprechenden Betrag statt dessen im Rahmen des 10. Mosbacher Vamos-Tags gespendet.

 

Ihr

Dr. Achim Brötel

Landrat

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