LEA Wertheim: Kommunikation verbessern

Gespräch mit Vertretung der Flüchtlinge im Rathaus – Verfehlungen des Wachdienstes mit dünner Personaldecke begründet

Wertheim. (pm) Es muss noch mehr miteinander geredet werden, um Irritationen zu vermeiden und Missverständnissen vorzubeugen. Das war das Fazit eines fast dreistündigen Gesprächs am Montag im Barocksaal des Rathauses. Oberbürgermeister Stefan Mikulicz und seine leitenden Mitarbeiter hatten dazu eine Abordnung von zwölf Flüchtlingen, die alle aus Syrien stammen, empfangen. Das Gespräch war die Folge einer Protestaktion, die am Freitagabend für Aufsehen am Reinhardshof gesorgt hatte (NZ berichteten).

OB Mikulicz führte das Gespräch gemeinsam mit der Leitung der Erstaufnahmeeinrichtung, Mirco Göbel und Dagmar Driewer. Für den privaten Dienstleister EHC nahmen Gabriel Strecker und Viola Werner teil. Und die ehrenamtlichen Helfer waren durch Martina Duqué, Susanne Löffler und Eberhard Feucht vertreten.

Die Unzufriedenheit, die so manchen Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung umtreibt, basiert auf Verunsicherung. Und diese wiederum hat mehrere Faktoren: falsche Erwartungen an das Aufnahmeland; die Ungewissheit über die persönliche Situation und das weitere Schicksal; das Gefühl, dass es in Sachen Registrierung nur langsam und beim Asylverfahren gar nicht vorangeht; aber auch die aktuelle bundespolitische Diskussion um den Status der syrischen Flüchtlinge.

Auch wenn die Stadt eigentlich nicht zuständig sei, „so sind Sie doch Bestandteil unserer Bürgergesellschaft“, versicherte der Oberbürgermeister den Gästen. Deshalb wolle man sich alles anhören, was diese vorzubringen haben, es an die entsprechenden Stellen weiterleiten und „wenn wir Ihnen helfen können, dann werden wir es tun“. Bei vielen Sorgen und Beschwernissen hat die Stadt allerdings – wenn überhaupt – nur sehr beschränkte Handlungsmöglichkeiten. Das wurde in der Unterhaltung sehr schnell deutlich.

Manche der Flüchtlinge seien nun schon seit fast 60 Tagen in der Einrichtung, hieß es, „und wissen nicht, wie es weitergeht“. In anderen Unterkünften, so habe man gehört, ginge das Verfahren wesentlich schneller. Man wolle so bald als möglich arbeiten, die Kinder in die Schule schicken, sich integrieren und seinen Beitrag zur Gesellschaft leisten. „Wir versuchen, den Registrierungsprozess weiter zu beschleunigen“, machte Lea-Leiter Mirco Göbel deutlich. „Es geht von Tag zu Tag und von Woche zu Woche schneller, kann aber noch verbessert werden“, räumte er ein. Ein weiteres Problem ist die medizinische Untersuchung vor allem wegen eines nach wie vor fehlenden Röntgengerätes. „Wir legen nicht die Hände in den Schoß und warten ab, sondern arbeiten mit Krankenhäusern und Arztpraxen an Alternativlösungen,“ versicherte Göbel.

Gemeinsam mit OB Mikulicz und Dagmar Driewer wies er allerdings auch darauf hin, dass „wir in Wertheim nicht die einzigen sind, die über eine schleppende Registrierung klagen“. Es gebe in Deutschland „gerade ganz viele Notunterkünfte, da sind die Menschen teilweise schon seit Monaten untergebracht und es passiert gar nichts. Bei uns geht es zwar langsam, aber es geht etwas“, so Göbel.

Manchen Unmut äußerten die Flüchtlinge in dem Gespräch gegenüber dem privaten Dienstleister EHC, vor allem kritisierten sie den Umgang mit den Bewohnern der Erstaufnahmeeinrichtung. Dafür wurden auch einige Beispiele angeführt. EHC-Verantwortlicher Gabriel Strecker räumte ein, dass man personell nach wie vor zu dünn besetzt sei und sein Unternehmen mit der Lieferung dessen, was benötigt wird, nicht hinterherkomme. „Wir haben viele Schwierigkeiten“, so Strecker und appellierte, „wir brauchen das Vertrauen, dass wir für Sie und nicht gegen Sie arbeiten. Sie müssen uns Raum und Zeit geben“. Oberbürgermeister Mikulicz hörte aus dieser Stellungnahme Wohlwollen, aber auch Hilflosigkeit heraus. „Wir stellen fest, dass EHC die Arbeitsleistung noch nicht bringt, die das Unternehmen selbst erreichen will und die wir uns wünschen.“

Sein Vorschlag, dass künftig regelmäßige Besprechungen von Lea-Leitung und Dienstleistern mit Vertretern der Flüchtlinge stattfinden, wurde schließlich angenommen. Mirco Göbel sagte zu, dass die vorgebrachten Mängel abgearbeitet würden. Auch die Kritik am unangemessenen Umgangston einzelner EHC-Mitarbeiter nehme man ernst. Die Verbesserung der Kommunikation erschien dem OB unter dem Strich als wichtigste Maßnahme. Dazu gehörten auch das Erklären der Abläufe in der Lea und das Verständnis für die jeweiligen Zuständigkeiten.

(Foto: Stadt Wertheim)

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