Erinnerung an verschleppte und ermordete Eberstadter

Gedenkstein1020 003

(Foto: Liane Merkle)

(lm) „Wir möchten mit diesem Stein an die Vergangenheit erinnern und ein Zeichen für unsere Zukunft setzen“, so Ortsvorsteher Nico Hofmann im Rahmen der Gedenksteinenthüllung im örtlichen Schlosspark und im Beisein zahlreicher Bürger, Beteiligter und Projektverantwortlicher.

In dem kleinen Park, der schon viel von der Eberstädter Geschichte zeigt, soll der Stein an die ehemaligen jüdischen Bürger erinnern, die aufgrund ihres Glaubens den Fanatismus des Nationalsozialismus erleiden mussten und nach Gurs in Frankreich oder direkt in ein Konzentrationslager verschleppt und dort ermordet wurden. Sie wurden zum Sündenbock für alles gemacht, was negativ aufschlug. So auch der Mord an der 81-jährigen Susanna Stern im Zusammenhang mit der Reichsprogromnacht im November 1938, betonte Nico Hofmann weiter.

In diversen Arbeitssitzungen seien die Planungen für den Gedenkstein durchgeführt und als Gemeinschaftsprojekt im Rahmen eines offenen Workshops mit Ortschaftsrat, Kirchengemeinderat und der Bevölkerung verwirklicht worden. Als Standort wählte man die direkte Nachbarschaft des Steins zum christlichen Kreuz, dem Kriegerdenkmal – auf dem jüdische und nichtjüdische Gefallenen genannt werden – und ebenfalls in direkter Sichtverbindung zur jüdischen Synagoge.

Mit der Teilung des Steins, eine Hälfte steht bald in Neckarzimmern und die andere jetzt im Eberstädter Schlosspark, will man symbolisch an das Herausreißen der Menschen aus ihrer Dorfgemeinschaft und die Trennung an sich erinnern. Das Hauptsymbol bildet der Davidstern auf der Spitze des Steins, welcher ebenfalls geteilt wurde und auch nur durch Zusammenfügen beider Steine vollständig ist. „Die beiden Teile dokumentieren auch, dass wir uns des Unrechts auch heute noch bewusst sind und man Getrenntes auch wieder zusammenfügen kann“.

Allen, die während des Workshops bei der Entwicklung und Realisierung mitgeholfen hatten galt ein herzliches Dankeschön des Ortsvorstehers, ebenso wie F. Hartmann und H. Stude vom Projektteam Neckarzimmern, Sebastian und Horst Uretschläger für die Bearbeitung sowie Aufstellung des Steins und Dr. Kurt Solomon Maier für seinen Vortrag im Rahmen der Einweihungsfeier im Eberstädter Rathaus.

„Die Erinnerung an unsere Vergangenheit kann uns davor bewahren solche Fehler wie die in der NS-Zeit in Zukunft nicht wieder zu begehen. Die Erinnerung an die Vergangenheit ist ein wichtiger Baustein zum Erhalt des Friedens“. Einen tiefen Einblick in die Abläufe und Geschehnisse in der Zeit um 1940 mit all ihren menschlichen Abgründen gaben auch die Kirchengemeinderäte Jürgen Häfner und Monika Häfner.

In einem gemeinsamen Gebet wurde um eine offen gesinnte demokratische Gesellschaft gebeten und der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass in unserer heutigen Gesellschaft keine Diskriminierung, Verfolgung oder Unterdrückung von Menschen mehr stattfindet.

Martin Meier ging als Leiter der Jugendbildungsstätte Neckarzimmern und Mitglied im Vorstand „Mahnmalverein“ erfreut auf die Solidarität der Eberstädter ein, die mit ihrem Projekt und dem tollen Stein ähnlich vieler anderer badischer Gemeinden zeigen, dass alle Menschen gleich sind, unabhängig von Religion und Herkunft. Er erläuterte, dass das Mahnmal im Gedenken an die Deportation der badischen Juden am 22. Oktober 1940 nach Gurs einen Davidsstern in der Größe 23,5 mal 23,5 Meter zeige, wenn alle 137 Gedenksteine der betroffenen badischen Gemeinden angebracht sind, von denen aktuell bereits 127 Steine sitzen. Vier weitere, darunter auch der Eberstädter „Zwillingsstein“, kamen am vergangenen Wochenende dazu. Damit habe man bisher rd. 3.000 vor allem junge Menschen aktivieren können, an diesem Projekt teilzunehmen und sich mit diesem unrühmlichen Teil der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen.

(Foto: Liane Merkle)

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