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Altheim (pm) Die Geschichte des Grünkerns reicht weit zurück. Berichten zufolge wurde das Erzeugnis aus halbreif geerntetem Dinkelgetreide, klassischerweise aus der Sorte des Bauländer Spelz, erstmals vor etwa 400 Jahren urkundlich erwähnt. Damals war Grünkern weit verbreitet und trug wesentlich dazu bei, Hunger zu stillen. Aus der Not heraus wurde der halbreife Bauländer Spelz geschnitten und über Buchenfeuer getrocknet, nachdem langanhaltender Regen eine gewöhnliche Ernte verdorben hatte. Heute findet man Grünkern weiterhin in Suppen oder in Form von Grünkernküchlein, aber immer häufiger auch in neuen Kreationen wie Kuchen, Risotto oder Salaten.
Austausch über Anbau und Vermarktung
Innerhalb der Gemeinschaft der Vereinigung Fränkischer Grünkernerzeuger Boxberg e.V. tauscht man sich seit dem Jahr 1919 über Anbau und Vermarktung der heimischen Spezialität aus. Armin Mechler, der Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft aus Altheim, bringt es im Gespräch mit Minister Peter Hauk auf den Punkt: „Wir sind eine bäuerliche Selbsthilfevereinigung.“ Mitglieder und Vertreter der Erzeugergemeinschaft waren gerne zum Austausch mit dem Minister gekommen, um über aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven des Superfoods aus dem Bauland zu sprechen.
Geschützte Ursprungsbezeichnung als Qualitätssiegel
Der Fränkische Grünkern trägt bereits seit zehn Jahren das Siegel der geschützten Ursprungsbezeichnung (g.U.). Diese Bezeichnung garantiert die regionale Herkunft und traditionelle Herstellung des Grünkerns. Mit der geschützten Ursprungsbezeichnung reiht sich der Grünkern in ein renommiertes Premiumsegment ein, zu dem auch der Schwarzwälder Schinken zählt. Minister Peter Hauk MdL betont: „Auf die geschützte Ursprungsbezeichnung können Sie stolz sein“ und weist darauf hin, dass viele Verbraucher die Bedeutung dieser Bezeichnung möglicherweise nicht ausreichend kennen. Er erklärt, dass sie Ausdruck regionaler Wertschöpfung ist und Vertrauen in hochwertige Produkte schaffen soll.
Anforderungen und Kontrollmechanismen
Die geschützte Ursprungsbezeichnung erfordert klare Standards, die sich von der Aussaat und Bodenbeschaffenheit bis zur Ernte und Verarbeitung erstrecken. Mechler erklärt: „Innerhalb unserer Erzeugergemeinschaft gibt es regelmäßig externe Kontrollen, die die Qualität unseres Fränkischen Grünkerns dauerhaft sichern.“ Zu seinen Aufgaben zählen die Registrierung der Anbauflächen sowie die Koordination von Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.
Herausforderungen bei Messen und Veranstaltungen
Grünkern wurde bereits auf Fachmessen wie der Grünen Woche in Berlin oder dem Landwirtschaftlichen Hauptfest in Stuttgart ausgestellt und zur Verkostung angeboten. Es wird jedoch zunehmend schwieriger, die Anforderungen für eine Messeteilnahme zu stemmen. Minister Hauk zeigt sich dankbar für die Hinweise der Erzeuger und hofft auf gute Möglichkeiten, dem Fränkischen Grünkern auch künftig eine geeignete Plattform zu bieten. Er schlägt vor, den Grünkern stärker im Speiseplan von Landeskantinen zu verankern, um den Absatz langfristig zu sichern.
Fokus auf dezentralen Handel
Die Erzeugergemeinschaft Fränkischer Grünkernerzeuger sieht sich auf dem richtigen Weg: „Wir leben zunehmend vom dezentralen Handel, beispielsweise über Hofläden oder Supermärkte“, sagt Mechler. Aufgrund der kulturgeschichtlichen Bedeutung und der veganen sowie vegetarischen Eigenschaften des Grünkerns könnte der Absatz in den kommenden Jahren steigen.
