„Unverzichtbarer Pfeiler des sozialen Gefüges“

„Unverzichtbarer Pfeiler des sozialen Gefüges“
„Unverzichtbarer Pfeiler des sozialen Gefüges“

(Foto: Brauch-Dylla)

Grüne besuchen neuen Tafelladen

Buchen. (bd) Der Umzug ist geschafft, doch die Herausforderungen bleiben groß: Eine Delegation der Grünen Neckar-Odenwald-Kreis, darunter die Buchener Stadträte Magnus Balles und Horst Berger sowie Ulrike Klaffke (Mosbach) und "Landtags-Nachrücker" Arno Meuter, gemeinsam mit Berger im Grünen Kreisvorstand aktiv, besuchte kürzlich die neuen Räumlichkeiten des DRK-Tafelladens auf dem ehemaligen „Franz Fertig“-Areal.

Während DRK-Geschäftsführer Steffen Horvath durch die in Rekordzeit hergerichteten 300 Quadratmeter Nutzfläche führte, stand für die Besucher besonders die existenzielle Bedeutung dieser Einrichtung im Mittelpunkt. Zunächst bieten die neuen Räume deutlich bessere Bedingungen – darunter einen ansprechenden Verkaufsraum, ein Büro für diskrete Neukunden-Registrierungen und verbesserte Lagerkapazitäten – doch die Sorge um die Zukunft bleibt. Da das Areal ab 2032 neu geordnet werden soll, ist die Standortsicherheit nur vorübergehend garantiert. Zugleich würde Horvath das Tafel – Angebot gerne um ein Begegnungscafé ergänzen.

Die Paradoxie des Überflusses

Ein zentrales Thema des Austauschs war auch die ökologische Ambivalenz, mit der die Tafel täglich konfrontiert ist. Es zeige sich eine fast schon absurde Marktdynamik: In den Supermärkten werde ein ständiges Angebot von nicht-saisonalen Waren – etwa Erdbeeren oder Spargel im Winter oder exotisches Gemüse – vorgehalten, um Verfügbarkeit zu demonstrieren. Doch oft nähmen die Verbraucher diese Angebote in weitaus geringerem Maße an, als vom Handel kalkuliert.

Das Ergebnis: Die Kunden der Tafel erhielten antizyklisch genau jene Frischware angeboten, die im regulären Handel liegen bleibe. „Einerseits ist es ein Segen, dass diese hochwertigen Lebensmittel im Tafelladen verwertet werden, statt auf dem Müll zu landen“, hielten die Vertreter der Grünen fest. „Andererseits offenbart dies die Schattenseiten unserer Konsumgesellschaft: Die Gestehungs – Kosten für Überproduktion und weltweiten Transport belasten die Umwelt massiv, nur um eine theoretische Warenverfügbarkeit zu garantieren.“

Die Tafel übernehme hier durch Müllvermeidung eine ökologische Reparaturfunktion für ein System, das an dieser Stelle massiv Ressourcen verschwende und Schäden anrichte – “jeder unnötige Flieger schadet der Umwelt” so Horst Berger.

Mehr als nur Lebensmittelhilfe

Überschlägig 1.000 Menschen aus dem Altkreis Buchen sind aktuell auf das Tafel – Angebot angewiesen – 400 Menschen haben einen Berechtigungsausweis für den Einkauf im Buchener Laden, eine Zahl, die nicht abnimmt. Eine weitere Ausgabestelle wird in Adelsheim betrieben.

DRK-Geschäftsführer Steffen Horvath verdeutlichte in diesem Zusammenhang die beanspruchende finanzielle Lage: Da der Betrieb monatlich mit rund 10.000 Euro vom Kreisverband querfinanziert werden müsse, bleibe die Tafel ein Kraftakt für den Träger. Nur ein geringer Teil der laufenden Kosten für Räumlichkeiten, Kühlfahrzeuge und Transportkosten etc. sei über den Warenverkauf – die Abgabe erfolgt zu einem erheblich reduzierten Ladenpreis – zu erwirtschaften, daher sei man auf Finanzspenden angewiesen.

Klare Statements der Delegation

Die Vertreter der Grünen zeigten sich tief beeindruckt von der Professionalität, mit der das Team den kurzfristigen Standortwechsel bewältigt habe. Ulrike Klaffke hob besonders den menschlichen Aspekt hervor.

„Es ist bedrückend, dass in einem reichen Land wie unserem so viele Menschen auf die Tafel angewiesen sind. Umso mehr Respekt gebührt den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Sie leisten hier nicht nur sinnstiftende Arbeit, sondern gewähren den Kunden durch die neue Verkaufsstelle auch ein Stück Würde.“

Die beiden Buchener Stadträte schlossen sich dieser Einschätzung an und betonten die kommunale Relevanz. Magnus Balles: “Der Tafelladen ist ein unverzichtbarer Pfeiler unseres sozialen Gefüges in Buchen. Ohne dieses Engagement würde ein wichtiges Auffangnetz für viele Familien wegbrechen". Horst Berger folgerte: "Wir als Stadträte müssen alles tun, um solche Strukturen langfristig abzusichern, bei den Schwächsten darf man nicht sparen – auch über das Jahr 2032 hinaus.“

Sie unterstrichen, dass man den Dialog mit dem DRK eng halten wolle, um die soziale Infrastruktur der Stadt stabil zu halten.Sie unterstrichen, dass man den Dialog mit dem DRK eng halten wolle, um die soziale Infrastruktur der Stadt stabil zu halten.

Das Fazit

Am Ende des Rundgangs resümierte Arno Meuter die Eindrücke der Delegation: „Das war ein spannender Termin, in dem viele Politikbereiche – von Sozialfragen über Wirtschaftsethik bis zum Umweltschutz – zusammengekommen sind. Was wir hier gesehen haben, ist ein Paradebeispiel für großartiges ehrenamtliches Engagement, das unsere volle Unterstützung verdient.“

Werbung

Umwelt

Von Interesse