Seckach: Außerordentlicher Integrationswille

„Hiesige Kultur wird förmlich aufgesaugt“ – Sachspenden werden benötigt

 Seckach. (lm) Der Unter-Arbeitskreis „Flüchtlingsbegleitung“ dürfte derzeit vermutlich die arbeitsintensivste Säule des Seckacher AK „Soziales Netzwerk“ sein. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter besuchen dafür Fortbildungen und geben Deutschunterricht, begleiten bei Einkaufs- und Arztfahrten, helfen bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, auf Ämtern oder bei Arbeitssuchen und organisieren gemeinsame Aktionen.

Dass die Arbeit den Ehrenamtlichen nicht nur Spaß macht, sondern durchaus auch von Erfolg gekrönt ist, dokumentierten die Plädoyers einiger Mitglieder für „ihre“ Flüchtlinge und die dringende Bitte an die Politik, besondere Initiativen der Antragsteller auch besonders zu honorieren im Rahmen des Jahrestreffens im kleinen Sitzungssaal des Seckacher Rathauses.

Es seien durchaus nicht wenige Menschen dabei, die jede Form von Wissen – angefangen bei der deutschen Sprache – förmlich aufsaugen. Nicht nur von vorneherein gebildete Flüchtlinge (z. B. Juristen) sondern sogar Analphabeten sind derart ehrgeizig, dass sie nicht nur Deutsch lernen und bereits viele Freunde hier gefunden haben, sondern auch in Vereinen aktiv sind, sich selbständig Arbeit suchen und in die neuen Gebiete reinknien. In solchen Fällen sollte der gesteigerte Integrationswille auch belohnt werden.

Christa Parstorfer berichtete aus dem Kinder- und Jugenddorf Klinge, dass sich die beiden syrischen Familien bereits gut eingelebt und eingefügt hätten, obwohl die Sprache für die Erwachsenen eine große Herausforderung sei. Die Kinder hätten da kaum Probleme. Von den 25 minderjährigen Jugendlichen, die in der Klinge aufgenommen wurden, konnte sie berichten, dass die anfänglichen Spannungen unter den verschiedenen Nationalitäten und Religionen inzwischen zahlreichen Freundschaften und viel Toleranz gewichen seien, was man vermutlich vor allem der vorgelebten Dorfstruktur verdanke.

Bei Bleibeaussicht werde die Hilfe bis zur Selbständigkeit auch über das 18. Lebensjahr hinaus weitergeführt. Die Jugendlichen besuchen geeignete Schulen, dazu gehöre auch die Gewerbeschule, und nehmen problemlos sowohl am Dorf-, als auch am örtlichen und überörtlichen Vereinsleben teil.  Dass dies auch auf die beiden syrischen Familienväter zutrifft, die sich beim wöchentlichen Männerturnen des SV Seckach wohlfühlen, konnte Rainer Kampfhenkel als Übungsleiter bestätigen.

Die Struktur der Klinge fehle den Flüchtlingen, die im Großeicholzheimer Wasserschloss untergebracht seien – so Inge Marie Bonin, die jedoch hervorhob, dass die vier Männer aus Afghanistan ihre Wohnung unglaublich sauber halten und sich schon weitgehend an die deutsche Lebensart gewöhnt hätten, obwohl diese durchaus einen Kulturschock auslösen könne. Bedauerlicherweise sei der Deutschunterricht hier von Anfang an wegen des unterschiedlichen Bildungsniveaus von Analphabeten und Studierten schwierig gewesen. Vor allem, weil ja auch die Schreibweise eine vollkommen andere ist. Außerdem fehlt ein wenig die Motivation, weil die Afghanen vermutlich kein Bleiberecht haben.

Maxi-Monika Thürl fragte sich als Moderatorin des Arbeitskreises „Soziales Netzwerk“, wie die neue Gemeinschaftsunterkunft im ehemaligen Großeicholzheimer Gasthaus „Engel“ bis zum „Nachmittag der offenen Tür“ am kommenden Sonntag bewohnbar renoviert sein soll, weil dies bis vier Tage vor dieser Präsentation ganz sicher noch nicht der Fall war. Außerdem habe noch niemand eine Ahnung, wann die 30 bis 35 männlichen Flüchtlinge überhaupt in Großeicholzheim ankommen sollen.

In dieser Frage konnte auch Patrick Sengstake als neuer Flüchtlingssozialarbeiter des Caritas-Verbandes Neckar-Odenwald-Kreis mit Sitz in Buchen nicht weiterhelfen. Doch er lobte die hervorragende Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Seckacher Flüchtlingsbegleitern, ohne die er die Betreuung der 160 Flüchtlinge in Buchen, Seckach und Mudau, die auf rd. 200 ansteigen werden, nicht bewältigen könnte. Sowohl er als auch seine sieben Kollegen seien hauptsächlich zuständig für die soziale Begleitung sowie Rechtsberatung der Flüchtlinge und Begleitung der ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Und die Seckacher sprühen nur so vor hilfreichen Ideen. So berichtete Gabriele Schmitt als Leiterin der Seckacher Kindertagesstätte, dass man bei der Betreuung der ersten beiden Flüchtlingskinder auch ungewöhnliche Wege gehe und z. B. die Geschwister zusammen in einer Gruppe lasse, bei der zeitweise auch die Mutter anwesend ist. Das vereinfache die Verständigung und die Integration, die aufgrund der kindlichen Neugier sowieso recht gut funktioniere.

Inge Marie Bonin schlug vor, einen Flüchtlingsrat einzurichten und zeigte den knalligen Button mit der Aufschrift „Flüchtlingsbegleitung“, der ein deutliches Zeichen setze und gleichzeitig nützlich sei zum Erkennen wohlmeinender Menschen. Ihr besonderer Dank galt Ann-Kathrin Lamla von der Gemeindeverwaltung, die den AK mit Herzblut unterstütze und eine wertvolle Hilfe sei. Abschließend gab Maxi-Monika Thürl noch bekannt, dass die Abgabe von Sachspenden für die sehr mager ausgestatteten Flüchtlingsunterkünfte im Kinder- und Jugenddorf Klinge möglich sei, und zwar Dienstag und Donnerstag von 13 bis 17 Uhr, Mittwoch und Freitag von 10 bis 13 Uhr. 

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