HG.Butzko: „AFD-Wähler lutschen Klobürsten“

Schonungslose Abrechnung mit unserer Gesellschaft

 Osterburken. (mh) Warum soll man überhaupt ins Kabarett gehen, wenn man einfach nur den Politikern zuhören muss, um über sie lachen zu können? Diese Frage stellte HG.Butzko auch bei der Kulturkommode Osterburken im ausverkauften Saal der Alten Schule – nicht ohne sie an diesem Abend in und durch sein aktuelles Programm „Super Vision“ eindeutig zu beantworten. Man braucht insbesondere das politische Kabarett und solch messerscharfe Analysten wie ihn, um Politiker anhand ihrer eigenen Aussagen zu entlarven und das oftmals undurchsichtige gesellschaftliche Wirrwar zu entknoten und verständlich zu machen.

Butzko bezog eindeutig Stellung, verschonte allerdings niemanden und ließ so Raum, um sich seine eigene Meinung bilden zu können; allerdings erst nach diesem beeindruckenden Abend, denn während des Auftritts wurde vom Publikum durchaus volle Konzentration verlangt: die Wortgewitter waren gewaltig, die Themen breit gestreut und für jeden gegenwärtig. Und vor allem: der mehrfach preisgekrönte Kabarettist spielte mit „Super Vision“ kein starres Programm, sondern lies viel Aktualität einfließen.

Egal, ob es der Schlingerkurs der Kanzlerin im Falle Böhmermann ist oder die Doppelmoral der Spitzenpolitiker wie etwa in der NSA-Affäre („erst mal nichts tun und dann abwarten“), der BER-Flughafen („Es wäre wahrscheinlich billiger, Berlin komplett an einen funktionierenden Flughafen umzusiedeln.“) oder der momentane Stand der SPD („Gabriel, Steinmeier und Nahles können die nächste Wahl wohl nur gewinnen, wenn das ZDF und der ADAC die Auszählung durchführen.“) – HG.Butzko traf den Nagel immer auf den Kopf und den Nerv der Zeit.

Butzko ist zweifellos ein Bühnenmensch. Als Schauspieler und Regisseur arbeitete er bei verschiedenen Theatern, ehe er vor fast 20 Jahren seine Solokarriere startete. Bei aller Routine bietet er nach wie vor engagiertes politisches Kabarett und immer wieder treffende Analysen nicht nur zur Lage der Nation, sondern auch zu den Krisen in Europa und dem Weltgeschehen, zur Integrationsdebatte, der Situation bei der Bundeswehr oder zur Eurokrise.

Überhaupt ist Butzko auch ein vorzüglicher Kenner der Wirtschaftspolitik („Kapitalismuskritik ist eine gute Art, Geld zu verdienen“). Im „Märchen vom Freihandelsabkommen“ fasst er die aktuelle Diskussion zu dessen Entstehen verkürzt zusammen: Leute, die wir nicht kennen, treffen sich an Orten, die wir nicht sehen, um Sachen verhandeln, von denen wir nichts erfahren, damit sie Dinge beschließen, die wir nicht wollen. Man könne natürlich fragen, warum man das auf europäischer Seite eigentlich überhaupt einführen will? Weil das Abkommen ein Wirtschaftswachstum von sage und schreibe 0,5 Prozent in zehn Jahren verspricht. Man stelle sich vor, Viagra mache Werbung mit dem Slogan: „Wir versprechen ein Wachstum von 0,5 Prozent in zehn Jahren.“ Das bringe doch Schwung in jede Ehe.

HG.Butzko liefert mit „Super Vision“ eine schonungslose Abrechnung mit unserer Gesellschaft, wobei er die Wut nicht den Stammtischen überlässt, sondern Witz statt Populismus bietet und Differenzierung statt Schwarz-Weiß-Denken.

Den Erfolg der AfD sieht er als Protest gegen die etablierten Parteien: „Wer die AfD wählt, der lutscht in der Kneipe auch an einer Klobürste, wenn das Bier nicht schmeckt.“ Man müsse nicht nur die oberen zwei Parteien auf dem Wahlzettel wählen, sondern könne diesen durchaus auch aufklappen, wobei er bei näherer Betrachtung feststellte, dass auch die erweiterte Auswahl als nicht unproblematischer zu betrachten sei. Fazit dieses erhellenden Abends: Wer politikverdrossen werden will, sollte in HG.Butzkos Programm gehen. Und wer nicht, der erst recht!

 Kulturkommode Bericht Butzko3

(Foto: Michael Pohl)

Infos im Internet:

www.kulturkommode.de

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