Von lebendiger Vielstimmigkeit getragen

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(Foto: pm)

Zu Gast bei Euroscola

Straßburg. (mk)
„Die Sprache Europas ist die Übersetzung“ – mit diesem Satz des Schriftstellers Umberto Eco lässt sich der besondere Tag wohl am treffendsten beschreiben, den 20 Schüler:innen der Realschule Eberbach aus den achten bis zehnten Klassenstufen im Europäischen Parlament in Straßburg erleben durften.

Im Rahmen des europaweit renommierten Euroscola-Programms wurden sie für einen Tag selbst Teil der europäischen Demokratie. Spätestens, als die Moderatorin bei der Begrüßung der TeilnehmerInnen im Hemicycle sagte: „Deutschland ist auch hier, das freut uns sehr!“, wurde allen Eberbacher Schüler:innen beim Applaus bewusst, dass sie einen ganz besonderen Moment teilten.

Gemeinsam mit Jugendlichen aus 25 europäischen Ländern nahmen sie nicht auf der Gästetribüne, sondern im Plenarsaal des Europäischen Parlaments Platz – dort, wo sonst Abgeordnete aus allen Mitgliedstaaten über die Zukunft Europas beraten und Entscheidungen für mehr als 400 Millionen Menschen treffen. Unterschiedliche Sprachen, Kulturen und Perspektiven prägten den Tag. Europa zeigte sich hier in seiner lebendigen Vielstimmigkeit, die getragen wird von Dialog, Übersetzung und gegenseitigem Zuhören.

Euroscola gilt europaweit als besonders anspruchsvolles Bildungsprojekt. Nur ausgewählte Schulen erhalten die Möglichkeit, ihre Schüler:innen in das Herz der europäischen Politik zu entsenden. Die Teilnahme der Realschule Eberbach ist daher auch eine besondere Anerkennung.

Martin Kohler, verantwortlicher Projektlehrer, betont die Bedeutung des Programms: „Euroscola ist so viel mehr als ein Tag in Straßburg. Euroscola ist politische Bildung auf höchstem Niveau. Unsere Schülerinnen und Schüler erleben hier, dass Demokratie von Vielfalt lebt – von unterschiedlichen Stimmen, Meinungen und Erfahrungen. Wer Europa verstehen will, muss lernen, diese Vielstimmigkeit auszuhalten und produktiv zu nutzen.“

In einer Fragerunde mit Esteban González Pons, einem der Vizepräsidenten des EP, Diskussionsrunden mit dem Politikanalysten Camille Siefridt und simulierten Abstimmungen setzten sie sich mit aktuellen Themen auseinander, die junge Menschen in Europa bewegen.

Demokratie wurde dabei vom abstrakten Unterrichtsinhalt zur gelebten Erfahrung: diskutieren, argumentieren, zuhören, entscheiden – mitten im Herzen Europas.

„Was mich beeindruckt hat, war zu sehen, dass Jugendliche aus ganz Europa ähnliche Sorgen haben“, erklärte Eva, eine Eberbacher Teilnehmerin. „Und dass wir gemeinsam nach Lösungen gesucht haben.“

Im Mittelpunkt stand das Thema „Zero Pollution“, eine Zukunftsfrage, die den Alltag unmittelbar betrifft. Diskutiert wurden unter anderem saubere Luft in Städten, Mikroplastik im Wasser, Lärmbelastung und die Reduzierung schädlicher Emissionen. Schnell wurde deutlich: Umweltverschmutzung kennt keine nationalen Grenzen. Viele erlebten es als besonders eindrucksvoll, im Plenarsaal selbst Stellung zu beziehen und an simulierten Abstimmungen teilzunehmen.

„Im Plenarsaal zu sitzen und abzustimmen war ein unglaubliches Gefühl“, berichtete Majida. „Man versteht plötzlich, wie viel Verantwortung hinter politischen Entscheidungen steckt.“

Begleitet von ihren Lehrkräften Christina Frischholz und Martin Kohler zeigten sich die Jugendlichen engagiert, offen und diskussionsfreudig. Trotz unterschiedlicher Muttersprachen gelang es den Teilnehmenden, gemeinsam Ideen zu entwickeln und Lösungen zu formulieren.

Die Teilnahme an der Euroscola war eine bereichernde Erfahrung europäischer Vielstimmigkeit, eine Lektion in demokratischem Miteinander und ein starkes Zeichen dafür, dass Europa dort lebendig ist, wo (junge) Menschen lernen, einander zuzuhören.

Im Austausch mit Gleichaltrigen aus vielen Ländern erfuhren die SchülerInnen, dass ihre Stimme Teil eines größeren Ganzen ist. Entscheidungen, die im Europäischen Parlament getroffen werden, betreffen ihr eigenes Leben – heute und in Zukunft.

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