Mundartabend der Mudauer Landfrauen

Mundartabend der Mudauer Landfrauen
Mundartabend der Mudauer Landfrauen

Hans Slama und Roland Scherer
(Fotos: Liane Merkle)

Mudau. (lm) Der große Wintergarten im Restaurant „Genuss am Golfpark“ war fast bis auf den letzten Platz besetzt bei der ersten Veranstaltung, zu der die Mudauer Landfrauen mit der Vorsitzenden Barbara Schwing an der Spitze eingeladen hatten. Die Damen genossen begeistert die speziell ausgesuchten Beiträge von „Seiner Sprachlichkeit“ Hans Slama und dem Pülfringer „Allrounder“ Roland Scherer während des kurzweiligen Mundartabends.

Wert der dörflichen Sprachabwandlungen

Der Abend machte deutlich, wie wertvoll den Odenwäldern auf der sogenannten „Hausch-Mausch-Insel“ ihre dörflichen Charakter- und Sprachabwandlungen im südfränkischen Sprachraum als ein Stück Heimat sind. Und nicht nur der liebe Gott lacht, wenn er den Odenwald betrachtet, der ihm gemäß glaubhafter Überlieferung „als Meisterstück gelungen ist“.

Erzählungen und Mundartgeschichten

Hans Slama hatte so einige Geschichten vom Mundartweg dabei, der von Großrinderfeld bis Neckarelz mit Abzweigungen nach Bayern und Hessen auf über 70 Mundarttafeln die unzähligen Dialekte unserer Region erlebbar macht. Er begann mit dem Mudemer „Baschle und seim Äckerle“, einem ebenso fleißigen wie zuverlässigen Kleinbauern, der seinem „Parrer“ belehren musste, dass „beete allee werd‘ nix, doo muss guude Mischde her!“ – Odenwälder Pragmatismus eben.

Humorvolle Anekdoten aus der Heimat

Roland Scherer – aus Pülfri, wo es – nach seiner Aussage – „mee Windrädder als Baure geit“ – startete seine Beiträge mit einem Liebeslied an seinen Heimatort „Es war en Glücksdaach ganz gewiss als Pülfri entstanne is!“ Danach gab er in lustiger Reimform zum Besten, was alle Kinder seit Urzeiten zu hören bekommen: „Was seechsch’n wenn’d was kriesch?“ mit der Erkenntnis, dass öfter ein „Danke und bitte“ auch unter Erwachsenen ein Segen wäre.

Dialekte und Besonderheiten

Slama übernahm zwischendurch den Part der leider erkrankten Sprachwissenschaftlerin Dr. Isabell Arnstein und erläuterte anhand einiger Sprachatlanten die Besonderheiten der süd-, ost- und Rheinfränkischen Sprachräume sowie die trennende Appel-Apfel-Linie und die Eigenschaften der Hausch-Mausch-Insel des Odenwalds mit Mudau als Zentrum – leider ohne Stadtrechte.

Der Ort hob sich ab durch beneidenswert viele Gaststätten und ihr Dialekt durch das „A“ beim Aarufe, Aaziehe, Baahhof usw. – während drumherum „og’rufe, ogezooche und zum Boohouf gange werd‘“.

Nachdenkliches und musikalische Einlagen

Mit der Geschichte vom „Blutdruck“ aus dem Buch „De Babbe als Mamme“ verdeutlichte der Mundartpapst noch einmal den Mudauer Dialekt, bevor Roland Scherer „hinnerschi, ferschi, obbe, unne, dobbe und dunne“ den Landfrauen näherbrachte und mit seinem tiefgründigen Gedicht „Wart‘ niemals bis du Zeit hosch!“ zum Nachdenken anregte.

Auch vom Mundartweg kamen noch einige Tafeln zu Gehör, darunter „Die Worschtsupp“ aus Schneeberg, sowie der – für Hans Slama schwierige – Beitrag aus Großrinderfeld von Helga Koch und „Es Laawe uff em Bauerehouf“, das Roland Scherer musikalisch mit dem „Ostfränkischen Landleben“ untermalte.

Abschluss und Beifall

Hans Slama verwies gerne auf die Homepage des Bezirksmuseums Buchen, auf der man alle Tafeln des Mundartwegs durch einen kleinen Klick auch Zuhause hörbar machen kann. Mit dem gemeinsam gesungenen „Badnerlied“ zu den Gitarrenklängen von Roland Scherer endete der in seinen Geschichten speziell für die Landfrauen abgestimmte Mundartabend und erntete lang anhaltenden Beifall.

Werbung

Umwelt

Von Interesse