Standing Ovations für „Die Pfirsichbowle“

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Schauspieltalent, eine immense Spielfreude, ganz viel Teamgeist und ein lustiges Stück – die Truppe des Knopfeck-Theaters Donebach bediente mit „Die Pfirsichbowle“ die Erwartungen des Publikums im Übermaß. (Foto: Michael Frank)

Von Simone Schölch

Donebach. Allein das große Hochzeitsbild, das die im echten Leben nie miteinander verheirateten Annette Walz und Hubert Sämann alias Oma und Opa als trautes Parr zeigte, war KI-generiert. Alles andere im Theaterstück „Die Pfirsichbowle“ des Knopfeck-Theaters in Donebach war, wie es Siegfried Walz bei seiner Begrüßung ankündigte, ausschließlich „live und leibhaftig“. Temporeich, originell und ideal besetzt brachte die wunderbar harmonierende Truppe die Komödie so gelungen auf die Bühne, dass es zum ersten Mal in 39 Jahren Knopfeck-Theater standing ovations gab. Zu Recht!

Zur Handlung: Bei Oma und Opa steht die Goldene Hochzeit an. Alles muss nach dem Willen der resoluten Oma so sein wie vor 50 Jahren: Die lateinische Messe, die den Kaplan (Siegfried Walz) Nerven kosten wird, die Rindfleischsuppe mit Pastetchen und natürlich die Pfirsichbowle mit Dosenpfirsichen.

Die war schuld an der verschlafenen Hochzeitsnacht – und wird auch fünf Jahrzehnte später gewaltigen Einfluss auf die Feier nehmen. Weil nämlich die sooo unglückliche Tochter Alwine (Antonia Schölch) sie mehr oder weniger aus Versehen mit Schlaftabletten versetzt.

Eigentlich ist sie schockverliebt in den verklemmten Finanzbeamten Ernst (Sebastian Schnetz), einen Schulfreund ihres Schwagers Paul (Alexander Walz), der einen krassen Sprachfehler hat und sie statt Alwine Lawine nennt. Von seiner Mutti auf die Straße gesetzt fand er vorübergehend Obdach bei seinem Schulfreund Paul (Alexander Walz). Der wiederum ist mit Alwines Schwester Marlene (Mona Hauber) verheiratet.

Krankhaft eifersüchtig beäugt Marlene jedes weibliche Wesen, das sich ihrem Gatten nähert; ganz besonders die selbstbewusste und ehrgeizige Bürgermeisterin Donebachs, Josefa (Regina Repp), die ihre Wiederwahl plant und es sogar mit der „Rinne in de Gass´“ aufnehmen will. Und dann gibt es da noch Kevin (Manuel Walz), den Sohn von Paul und Marlene, der mit seinem Laptop und „Gockel Erd“ alias Google Earth nicht nur Opas Hosenträger und die verschwundene Oma findet, sondern auch Heiratskandidatinnen für Ernst.

Fulminant der Auftritt von Zenzi aus Bayern (Nathalie Frank) und Chantal aus Paris (Christopher Coates), die sich später als Schulfreund Theo outet. Die sooo unglückliche Alwine sieht bei so viel liebeshungriger und schlagkräftiger Konkurrenz ihre Chancen aufs Eheglück ebenso schwinden wie ihre mittlerweile mindestens genauso unglückliche Schwester Marlene. Bis der Genuss der einschläfernden Bowle alle mit dem Kopf in den Suppenteller und/oder in die Arme eher ungeeigneter Partner zwingt.

Dieses urkomische Bild zu Beginn des dritten Aktes glich schon beinahe einem Stilleben und war der Auftakt zur obligatorischen Auflösung des Chaos, bei der Ernst dem Werben Alwines nachgibt und ihr einen Antrag in typischer Finanzbeamtenmanier macht: „Sollen wir uns Hals über Kopf in Steuerklasse drei stürzen?“ Auch Paul und Marlene sind wieder glücklich vereint und Oma und Opa üben sich in „the same procedure as every ten years“…

Festzuhalten ist: Die nackte Inhaltsbeschreibung kann immer nur Stückwerk sein. Erst die Schauspieler erwecken die Handlung zum Leben. Die haben ihre Sache grandios gemacht und die Zuschauer in den drei Vorstellungen derart begeistert, dass „Urgestein“ Hubert Sämann seinerseits fast sprachlos war über die Reaktionen des Publikums: „Beruhigt euch…!“

Wichtig war ihm, nicht nur die Schauspieler zu loben, sondern auch Gaby Sämann, die „Mutter der Kompanie“, Vera Damm für die Maske und Souffleuse Eva-Maria Walz. Den ausgeprägten Teamgeist der kleinen Truppe, die nicht nur auf der Bühne steht, sondern auch für alles „drumrum“ zuständig ist, hob er besonders hervor; genau der hat das Stück so besonders werden lassen!

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