Traum vom Bauhof verwirklicht

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*Mikail Korkmaz liebt Stihl-Geräte, die Arbeit im Freien und seinen Job als Bauhofmitarbeiter – ein langer Weg, auf dem er nie aufgegeben hat. (Foto: pm)
Buchen. (pm) Schon als kleiner Junge hatte Mikail Korkmaz einen Traum: Er wollte später mal im Bauhof arbeiten. Heute, mit 22 Jahren, hat sich dieser Traum zum 01. März 2026 mit Arbeitsvertrag und allem Drum und Dran erfüllt: Mikail ist offizieller Mitarbeiter im Bauhof der Stadt Buchen mit ganz regulären 39 Stunden Wochenarbeitszeit einschließlich Winterdienst.

Grundsätzlich wäre das nichts wirklich Besonderes. Aber Mikail ist kein Kollege wie alle anderen. Er kam als Frühchen zur Welt und geblieben sind Entwicklungsverzögerungen, die ihn einschränken. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite aber hat er es seiner Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit zu verdanken, dass er heute da ist, wo er schon immer hinwollte.

Aber der Reihe nach: Nach dem Besuch der Alois-Wissmann-Schule in Buchen wechselte der Sohn türkischstämmiger Eltern in die „Berufsvorbereitende Einrichtung“ (BVE) in den Räumen der Zentralgewerbeschule Buchen. Zu Schulzeiten hat er, der mit seiner Familie in der Nähe des Buchener Bauhofs wohnte, seine heutigen Kollegen bei jeder sich bietenden Gelegenheit bei der Arbeit beobachtet.

Später, als er wusste, dass Marcus Wörner im Rathaus zuständig für den Bauhof ist, hat er ihn regelmäßig bei Dienstschluss angesprochen und ihm seinen unbedingten Berufswunsch mitgeteilt. Immer wieder. Irgendwann stand er mit seiner Lehrerin vom BVE in Wörners Büro – und die Sache nahm, zunächst in Form eines Schülerpraktikums, Fahrt auf.

Anschließend wechselte Mikail in die KoBV der Johannes-Diakonie nach Mosbach. Dort werden junge Menschen mit Unterstützungsbedarf auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereitet. Ein „Jobcoach“ – in Mikails Fall Jens Bernhard – begleitete ihn. Der Bauhof stand unverändert hoch im Kurs und endlich wurde ein Langzeitpraktikum vereinbart.

Das fand im Wechsel mit – von Mikail ungeliebten – Berufsschultagen in Mosbach statt. Dort standen niedrigschwellige theoretische Grundlagen ebenso auf dem Stundenplan wie Grundkompetenzen: Pünktlichkeit, Genauigkeit, Umgangsformen.

Die hat der ruhige junge Mann vom ersten Tag an im Bauhof umgesetzt. Von den dortigen Kollegen wurde er neugierig und grundsätzlich wohlwollend empfangen – eine Grundvoraussetzung für die Vereinbarung des letztlich eineinhalbjährigen Langzeitpraktikums. Melanie Albert, gelernte Erzieherin und Gärtnerin, ist Mikails direkte Ansprechpartnerin. Sie arbeitet im Gärtnertrupp eng mit ihm zusammen, gibt Anweisungen, korrigiert und lobt.

„Seine Höhenangst haben wir schon gemeinsam überwunden“, freut sie sich und lässt ihn auf die Leiter steigen, um Bäume zu schneiden. Mikail liebt alle Geräte von Stihl und arbeitet am liebsten mit dem Freischneider; Unkraut jäten steht dagegen nicht hoch im Kurs. „Das machen wir aber alle nicht so gern“, erklärt Melanie Albert und lobt ihren Schützling: „An der Konzentration müssen wir noch arbeiten und daran, dass er sich bestimmte Arbeitsschritte merkt – aber das wird.

Und mittlerweile gehört er einfach zu uns dazu.“ Nach wie vor kommt Mikail gerne und gut gelaunt zur Arbeit. Was seine Schwester und rechtliche Betreuerin bestätigt: „Mein Bruder ist glücklich, wenn er am Morgen los gehen kann. Alles Grüne liegt ihm, auch daheim und bei Bekannten arbeitet er sehr gern mit seinen Stihl-Geräten im Garten.“

Das Arbeitsverhältnis wird finanziell im Rahmen des Landesprogramms „Arbeit Inklusiv“ gefördert. Der Arbeitgeber erhält also einen Teil des Lohnes ersetzt – zunächst von der Agentur für Arbeit und später vom Integrationsamt. Mikails Fachberaterin Ute Winterbauer vom Integrationsfachdienst begleitet ihn auch nach Abschluss des Arbeitsvertrages, sie besucht ihn regelmäßig bei der Arbeit: „Ich habe einen sehr guten Eindruck von seinem Arbeitsplatz und würde mir wünschen, dass auch andere Menschen mit Einschränkungen eine derartige Chance erhalten.

Viele arbeiten mangels anderer Möglichkeiten in den Werkstätten für Behinderte, obwohl sie auch für höherwertigere Jobs geeignet wären.“
Und was denkt der Arbeitgeber, die Stadt Buchen? Stellvertretend erklärt Bürgermeister Roland Burger: „Wir sind vom Gesetzgeber verpflichtet, Menschen mit Einschränkungen zu beschäftigen.

Diese Quote erfüllen wir. Ich freue mich für den jungen Mann, dass das Praktikum so uneingeschränkt positiv verlaufen ist und wir ihn fest einstellen konnten. Ein Lob geht auch an die Kollegen vom Bauhof, die bereit waren, sich ohne Wenn und Aber auf ihn einzulassen – eine sehr schöne Geschichte!“

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