Landwirtschaft im Neckar-Odenwald-Kreis

Viele Bauern stehen vor der Entscheidung: Modernisieren oder aufhören  

Neckar-Odenwald-Kreis. Im Herbst 2012 haben 14 Landwirtinnen und Landwirte die Zusatzausbildung „Fachagrarwirt für EDV gestützte Unternehmensführung“ beim Fachdienst Landwirtschaft des Landratsamtes begonnen. Ganz unterschiedliche Fachrichtungen sind vertreten: Rinder- oder Schweinehaltungen, Pferdewirte, reine Ackerbaubetriebe. Jeder Teilnehmer – Landwirt, Ehegatte oder auch eine Tochter oder ein Sohn des Betriebsinhabers –  kommt mit derselben Motivation zu diesem Kurs: Weiterbildung, um mithalten zu können mit den sich ständig ändernden Wirtschaftsstrukturen eines immer weiter zusammenwachsenden Europas. Jeder einzelne Betrieb war in den letzten Jahren einem Wandel unterworfen und überall standen intensive Überlegungen an über die Zukunft. Kann der Betrieb gehalten werden? Ist er groß genug?  Gibt es eine Nachfolge? Was kann und muss ich tun, um die Wirtschaftlichkeit zu erhalten?

Tatsächlich gibt es im Neckar-Odenwald-Kreis aktuell  260 landwirtschaftliche Betriebe im Haupterwerb und 550 im Nebenerwerb. Diese bewirtschaften zusammen etwa 4600 Hektar Fläche. Allein in den letzten fünf Jahren haben jährlich über 60 Betriebe in unserem Kreis die Landwirtschaft aufgegeben. Eine andere Zahl, die die dramatische Entwicklung noch besser verdeutlicht: 1979 existierten im Kreis rund 3000 landwirtschaftliche Betriebe. Mehr als zwei Drittel dieser Höfe gibt es heute nicht mehr.




Die Landwirtschaft in Deutschland befindet sich in vielen, zum Teil widersprüchlichen Entwicklungen. Durch den Einsatz modernster Technik, von Dünger und Pflanzenschutzmitteln und dank guter Züchtungen können die Menschen in den Industrieländern mit qualitativ hochwertigen und umweltverträglich erzeugten Produkten mehr als ausreichend versorgt werden. Dennoch schätzt die Bevölkerung die Arbeit der Landwirte immer weniger. Neben der Nahrungsmittelproduktion pflegen und erhalten sie die Landschaft und das Landschaftsbild, werden aber zunehmend als Umweltsünder oder Handlanger einer als unmenschlich betrachteten Massentierhaltung verurteilt. Vorschub leistet hier eine gewisse Entfremdung. Der Bauer, der früher an jeder Ecke zu finden war, ist auch im ländlichen Raum durch Aussiedlungen außerhalb des Blickfeldes der Bevölkerung geraten. Immer gut gefüllte Supermarktregale und die „Geiz ist geil“- Mentalität gerade auch beim Kauf von Lebensmitteln bewirken ein Übriges.

Dabei bildet die Landwirtschaft die Grundlage für jeden 9. Arbeitsplatz in Deutschland, wenn man die der Landwirtschaft vorgelagerten Betriebe (Landmaschinenproduktion, Futter- und Düngerproduktion, Mühlen, Molkereien, fleischverarbeitende Betriebe usw.) mit einbezieht. Unmittelbar in landwirtschaftlichen Betrieben produzieren heute allerdings nur noch etwa zwei Prozent der Erwerbstätigen.

Frühere Landwirte haben viele verschiedene Produkte erzeugt, da sie so weit wie möglich Selbstversorger waren und ihr Betriebsrisiko durch eine breite Aufstellung verringern wollten. Heute dagegen hat nur der eine Chance, der sich spezialisiert. Zudem brauchen moderne Landwirte eine fundierte Ausbildung mit Kenntnissen in Biologie, Chemie, Technik und Betriebswirtschaft. Viele haben einen Meistertitel, manche sogar das Diplom einer Hochschule.

Klar ist: Die Landwirtschaft muss neue Wege einschlagen, um weiter bestehen zu können. So werden in Zukunft die Produktion nachwachsender Rohstoffe oder regenerativer Energien, die Direktvermarktung, Ferien auf dem Bauernhof, eine weitere Vergrößerung der Betriebe, ökologische Landwirtschaft oder die Landschaftspflege eine immer größere Rolle spielen. Um hier fit zu werden, absolvieren die Landwirte die Zusatzausbildung „Fachagrarwirt für EDV gestützte Unternehmensführung“, in deren Rahmen sie sich über verschiedene Problemstellungen in der modernen Landwirtschaft austauschen werden. Darüber wird in loser Folge berichtet.

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