Kunst und Musik im Dorf

Talk 2011 – Muss man Mozart und Wagner lieben?

(Foto: Liane Merkle)

Eberstadt. „Man muss vom Singen besessen sein, man muss einen inneren Hunger danach haben. Außerdem darf man sich von nichts und niemanden entmutigen lassen und man muss den für sich selbst geeigneten guten Lehrer finden,“ antwortete die Primadonna Carmen Fuggis auf die Frage von Mathias Bless, wie man so singen lernen könne.
Offensichtlich gehört aber auch eine gewisse Demut dazu, denn die Künstlerin sieht ihre Stimme, für die sie lange und intensiv gearbeitet hat, noch heute als Geschenk an, mit dem sie respektvoll umgeht.

Wieder einmal hatte der kunstinteressierte Eberstädter Pfarrer zu seiner seit zwei Jahren laufenden Serie „Kunst und Musik im Dorf“ eingeladen. Zum ersten Mal zum „Talk“ mit Überraschungsgästen, die sich als das Künstlerehepaar Carmen Fuggis (1. Sopranistin am Staatstheater Hannover) und Jonathan Seers (Generalmusikdirektor am Main-Franken-Theater Würzburg) entpuppten.
Und die beiden bestätigten frei weg, aus Freundschaft zu Mathias Bless, aber auch aus Neugier auf seine Veranstaltungsreihe gekommen zu sein. Die Neugier wurde auf beiden Seiten befriedigt, denn Dank der Bless’schen Moderationsgabe und seiner provokanten Frage „Muss man Mozart, muss man Wagner lieben“ erfuhr das hörbar begeisterte Publikum nicht nur einiges über das Künstlerehepaar, sondern auch über den künstlerischen Beruf, die klassische Musik und natürlich über Mozart, Wagner und Verdi.
Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Kunst und Musik im Dorf“ url=“//www.nokzeit.de/?p=9488″] Carmen Fuggis und Jonathan Seers lernten dagegen die tolle Akustik in der Eberstädter Kirche und die Begeisterungsfähigkeit der Musikfreunde im Dorf kennen. Dabei wurde deutlich wie groß die Wertschätzung der beiden Profis für die musikalische Vereinsarbeit auf dem Dorf ist.

„Kein Dorfverein muss sich seiner Leistung schämen. Wir stehen nicht über irgend jemanden“ versicherte Jonathan Seers sehr glaubhaft auf die Rhetorikfrage von Bless: „Was würdet ihr tun, wenn ein Dorfverein sich weigern würde, ein Konzert durchzuziehen, weil jemand erfährt, dass ihr da seid.“ Sie hätten ja beide in den Kirchenchören ihrer Heimatdörfer angefangen.

Besonders lebendig wurde der Talk durch die musikalischen Antworten auf „Muss man Mozart, muss man Wagner lieben?
Unglaublich kraftvoll erklang die glockenklare Stimme von Carmen Fuggis durch den sakralen Raum, perfekt am Klavier begleitet von Jonothan Seers. Die beiden brachten so aus Mozarts komischer Oper „Cosi fan tutte“ die Arie der Fiordiligi „Come scoglio“ und aus seiner „Zauberflöte“ die große Arie der Pamina zu Gehör. Bei „Sei mir gegrüßt“ ging Carmen Fuggis mit der 1. Arie der Elisabeth aus Wagners „Tannhäuser“ stimmlich ebenso „in die Vollen“ wie bei der „Traumerzählung“ der Elsa von Trabant im „Lohengrin“ und im abschließenden „Page“ aus Verdis „Macht des Schicksals“ wurde noch einmal die ganze Stimmgewalt und Ausstrahlung der zierlichen Sopranistin deutlich, ebenso wie das umfangreiche Spektrum ihrer Ausstrahlungskraft.

Natürlich könne sich jeder Zuhörer frei für seinen eigenen Lieblingskomponisten entscheiden, bemerkte Generalmusikdirektor Seers in seiner ruhigen zurückhaltend englischen Art. Doch für die klassischen Musiker sei nun Mal der Allrounder Mozart der einzige, der alle Musikrichtungen seiner Zeit beherrscht habe, und dessen Werke auch den ungeübteren Zuhörern leicht und rhytmisch ins Ohr gehen.

Das bestätigte Carmen Fuggis, die als dritter Knabe in Mozarts Zauberflöte ihr Debüt gegeben und sich dann stimmlich und in der Tonhöhe „hochgearbeitet“ hatte. In den Rollen der Pamina und der Constanze sah sie ganz besondere stimmliche Herausforderungen. Der Dirigent dagegen entwickle besonderen Ehrgeiz bei der zweiten Aufführung von Werken, die ihm nach seiner Meinung das erste Mal nicht so gut gelungen sind. Schwieriger – auch für das Publikum – seien da die langatmigen Opern Wagners.

Für diese gab Jonathan Seers die Empfehlung, sich wie in früheren Zeiten üblich, auch als Zuhörer im Vorfeld intensiv mit der Materie zu beschäftigen. Nur so könne man mit dem schwierigen Deutsch Wagners umgehen. Und gerade er als Engländer – allerdings mit akzentfreiem Deutsch – wusste wovon er in diesem Fall sprach. Die beiden scheuten aber private Fragen nicht, und bestätigten, dass es nicht immer einfach sei, sehr oft und lange voneinander getrennt leben und arbeiten zu müssen.

Derzeit sei der ICE ihre Rettung. Andererseits steige auch die Wertschätzung der gemeinsamen Arbeit, wenn man sie nicht immer hat. Und da sie beide ihren Beruf lieben und in ähnlicher Begeisterung ausüben, sei die gegenseitige Toleranz sehr groß. Kennengelernt hatten sie sich bei der „Zauberflöte“ und die Bewunderung von Jonathan Seers für seine temperamentvolle Frau, die mit Begeisterung ihre Rollen „spielend singt“ und dieses Spielen als große Stütze für den Gesang empfindet, war unüberhörbar.

Wie begeistert die Kunst der beiden Virtuosen in Eberstadt aufgenommen wurde, zeigte sich nicht nur im nicht enden wollenden Beifall, sondern auch in der „Zuhörerfragerunde“, die sich mehr als Komplimente-Reigen entpuppte.

Abschließend kündigte Mathias Bless zum einen die Veranstaltungen 2010 an und machte zum Zweiten neugierig auf den „Talk 2011“, der unter dem Motto „Wenn ein Traum in Erfüllung geht“ alle Schrauber und andere „verrückte Träumer“ einlädt.

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