Der wertvolle Baum bringt knapp 5.000 Euro für die Gemeindekasse. (Foto: pm)
Mehrere Förster-Generationen verantwortlich
Merchingen/Haßmersheim. (pm) Forstrevierleiter Johannes Marquardt vom Landratsamt hat mit der Entscheidung, eine Eiche aus dem Distrikt Seerain (Haßmersheim) auf den Submissionsplatz der Forstlichen Vereinigung Odenwald-Bauland (FVOB) in Merchingen zu legen, den richtigen Blick für wertvolles Holz bewiesen.
Jährlich werden dort die besten Laubhölzer aus der Region angeboten, auf die Interessenten verdeckte Kaufgebote abgeben können. In diesem Jahr wurden insgesamt 506 Festmeter zur Submission gebracht.
Die Eiche aus HaßmersheimHaßmersheim erzielte einen Gesamterlös von 4.805 Euro und gehört damit zu den bestbezahlten Eichen aus dem Neckar-Odenwald-Kreis. Zwar wurden einige Stämme aus benachbarten Landkreisen noch höher bewertet, doch die Freude von Bürgermeister Christian Ernst und Revierleiter Johannes Marquardt wurde dadurch nicht getrübt. Ernst zeigte sich beeindruckt, dass die Gemeinde mit einer vergleichsweise kleinen Waldfläche von rund 300 Hektar bei solchen Vermarktungen erfolgreich mithalten könne.
Langjährige Pflege sorgt für hochwertige Holzqualität
Johannes Marquardt betonte, dass dieser Erfolg nicht allein auf seine Arbeit zurückzuführen ist. Entscheidend sei die kontinuierliche Arbeit mehrerer Förstergenerationen, die den Baum über viele Jahre gefördert hätten, sodass ein hochwertiger Stamm geerntet werden konnte.
Die Erzeugung guter Holzqualitäten und die richtige Entscheidung über den Zeitpunkt der Entnahme gehören zu den wichtigen Aufgaben des verantwortlichen Fachmanns. Dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche Erträge, sondern auch um den sorgfältigen Umgang mit dem Bestand und die langfristige Entwicklung des Waldes.
Naturschutz und Holznutzung in Balance
Nicht alle alten Eichen im Gemeindewald werden vermarktet, ließ Marquardt das Gemeindeoberhaupt wissen. Naturschutzaspekte hätten in Haßmersheim einen ebenso hohen Stellenwert wie wirtschaftliche Ziele. Seit vielen Jahren verfolge die Gemeinde ein Alt- und Totholzkonzept, in dessen Rahmen Habitatbaumgruppen und Waldrefugien ausgewiesen werden. Damit leiste der Gemeindewald einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität.
Mittelalte und alte Bäume mit besonderen Strukturen bleiben daher bis zum natürlichen Absterben im Bestand. Sie bieten wertvollen Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere, die auf Alt- und Totholz angewiesen sind, und fördern so die Artenvielfalt im Wald.
Abschließend bringt es Revierleiter Johannes Marquardt auf den Punkt: „Für Vögel, Käfer oder Moose spielen die Qualitätskriterien und Erträge der Holzverarbeitung keine Rolle. Deshalb werden bewusst nicht alle Bäume mit Wertholzcharakter entnommen. Die Gemeinde Haßmersheim verbindet dadurch wirtschaftliche Holznutzung und konsequenten Naturschutz.“
