Kulturkommode startet mit FatihTag

Die deutsch-türkischen Beziehungen ohne Tabus beleuchtet

von Martin Hammer

NZ berichtfatih

(Foto: Michael Pohl)    

Osterburken.  Für einen hervorragenden Start in die diesjährige Veranstaltungsreihe der Kulturkommode Osterburken sorgte Fatih Çevikkollu bei seinem Auftritt in der bestens besetzten Alten Schule. In seinem aktuellen Programm „FatihTag“ spielt der Kabarettist einmal mehr mit der Tatsache, dass er als türkischstämmiger aber in Deutschland geborener und in katholischen Schulen groß gewordener Bundesbürger in beiden Kulturen verwurzelt ist. Das nämlich gibt ihm die Möglichkeit, um nicht zu sagen das Recht, seinem Publikum den Spiegel vorzuhalten und es für seine Einstellung in Sachen ausländische Mitbürger und deren Akzeptanz in unserer Gesellschaft zu sensibilisieren. Aktueller denn je scheint diese Thematik angesichts der unerfreulichen Tendenzen in Teilen der deutschen Bevölkerung und doch gelingt es Çevikkollu, dies nicht mit erhobenem Zeigefinger sondern auf sympathisch-humorvolle Art zu verarbeiten. Da seinesgleichen gerne als Deutsch-Türken bezeichnet würden, spiele er zumeist wohl, so der Kabarettist augenzwinkernd, vor deutsch-deutschem Publikum, welches ziemlich verlässlich immer die notwendige Ernsthaftigkeit für seine Auftritte und das politisch korrekte, mitunter unterdrückte Lachen an den Tag lege.

Doch hier nimmt Fatih Çevikkollu den Zuschauern eine Sorge. Niemandem muss das Lachen im Hals stecken bleiben aus Angst, dabei politisch inkorrekt zu handeln. Satire dürfe grundsätzlich alles. Doch je gewichtiger das Thema, umso stärker müsse ein Gag sein, um diesem gerecht zu werden. Glücklicherweise hatte Çevikkollu davon einige im Gepäck, sodass an diesem Abend für genügend Lacher gesorgt war. Die Integration von Menschen mit ausländischen Wurzeln sei eigentlich schon weit vorangeschritten. „Wenn mich im Ausland jemand nach meiner Herkunft fragt und mich ungläubig anschaut, wenn ich erkläre, dass ich aus Deutschland komme, so entgegne ich gerne: Ja, so sehen die jetzt aus!“

Dazwischen doch aber auch nachdenklichere Töne: Diejenigen, die den Unterschied zwischen Moslems und Terroristen nicht erkennen, so Çevikkollu, seien das Problem. Trotz der schon seit einiger Zeit schwelenden Kruzifix- und Kopftuchdebatten, mache ihm doch die aktuell geschürte, pauschalisierte Angst vor dem Islam Sorge. Und „wie erklärst du deinem Kind, dass in deiner Heimatstadt Hooligans gegen den Islam auf die Straße gehen?“ Seine Erlebnisse als Vater einer Tochter im Kindergartenalter waren dann auch gemäß dem Programmtitel „FatihTag“ das Thema weiterer launiger Ausführungen. Da kommen für einen Aufenthalt auf dem Spielplatz mit riesigen Kühlboxen ausgerüstete Mütter besorgt auf sein Kind mit einem Stück Obst zu, damit das arme Kleine nicht nur die von Papa mitgebrachten Süßigkeiten, sondern auch mal was Gesundes bekommt.

In weiteren Szenen als rücksichtsloser Immobilienhai oder Fatihs brasilianischem Freund Joao beweist der Kölner parodistisches Können und die Fähigkeit, auch spontan mit dem Publikum zu interagieren („Das ist nicht wie im Fernsehen. Ich höre dich auch!“).

Mit „FatihTag“ präsentiert Fatih Çevikkollu ein Programm, das viele unterschiedliche Aspekte zu bieten hat, vor allem aber die deutsch-türkischen Beziehungen ohne Tabus beleuchtet und gerade deshalb unterhaltsam ist und gleichermaßen zum Nachdenken anregt – alles in allem ein Abend mit einem Kabarettisten, der das (erfreulicherweise nicht nur deutsch-deutsche) Osterburkener Publikum begeistern konnte.

Infos im Internet:

www.kulturkommode.de

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