(Foto: Brauch-Dylla)
“Stabil in bewegten Zeiten” – Nachdenkliche Töne beim Neujahrsempfang
Mosbach. (bd) Mit ihrer Bundesvorsitzenden Dr. Franziska Brantner als prominentem Gast und klaren politischen Botschaften ist der Kreisverband Neckar-Odenwald von Bündnis 90/Die Grünen am Donnerstagabend in das Landtagswahljahr 2026 gestartet. Die Heidelberger Bundestagsabgeordnete stimmte die Gäste beim bestens besuchten Neujahrsempfang im Restaurant „Salve!“ in Mosbach auf ein Wahljahr unter schwierigen globalen und gesellschaftlichen Vorzeichen ein.
Heimelige Atmosphäre, ernste politische Lage
Für eine warme, fast familiäre Stimmung sorgten Kaminfeuer auf der Leinwand und winterliche Deko wie auch die musikalische Begleitung durch den Projektchor „Die Grünkehlchen“, der den Abend mit „Die Gedanken sind frei“ eröffnete. Politisch jedoch dominierten ernste Töne. Die Kreisvorsitzenden Maren Fütterer und Andreas Klaffke sowie Landtagskandidat Arno Meuter beschrieben eine Demokratie unter Druck – durch internationale Konflikte, gesellschaftliche Verrohung und wachsende wirtschaftliche sowie kommunale Herausforderungen.
Klaffke warnt vor Hass und Enthemmung.
Kreisvorsitzender Andreas Klaffke tat sich bei der Begrüßung bewusst schwer mit klassischen Neujahrswünschen. Internationale Konflikte, die bedrohliche Unberechenbarkeit der Trump-Regierung, der Krieg in der Ukraine, eine zunehmende Verrohung der politischen Sprache, wirtschaftliche Herausforderungen sowie die angespannte Finanzlage von Kommunen und Landkreisen prägten seine Bestandsaufnahme. Weltpolitik, so Klaffke, bleibe nicht abstrakt, sondern wirke bis in den Alltag, in soziale Medien, Vereine und Schulen hinein. Mit Sorge beobachte er, dass die Grenze des Unsagbaren zunehmend verschwinde. Er rief dazu auf, politische Gegensätze wieder als solche auszutragen – ohne Hass. Mit Blick auf die Abschiebung des Mosbacher Pflege – Auszubildenden Charly Nematchoua sprach er von einer „unsäglichen Entscheidung“ und erinnerte daran, dass hinter jedem Verfahren ein Mensch stehe. Sein Wunsch für das neue Jahr: „Dass es irgendwie doch noch ein gutes Jahr wird.“
Meuter wirbt für „Stabilität in bewegten Zeiten“
Landtagskandidat Arno Meuter stellte exakt zwei Monate vor dem Wahltag sein Programm unter das Motto „Stabil in bewegten Zeiten“. Er warb für eine Fortsetzung grüner Regierungsarbeit in Baden-Württemberg mit Cem Özdemir als Ministerpräsidenten. Es gehe darum, mutige Antworten auf den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel zu geben und aus Umbrüchen Chancen zu machen. Wirtschaft neu zu denken – mit Verstand im Büro wie an der Werkbank – sei dabei ebenso zentral wie eine leistungsfähige digitale Verwaltung, konsequenter Klimaschutz und eine verlässliche Mobilität, gerade im ländlichen Raum. Dazu brauche es sowohl einen starken öffentlichen Nahverkehr als auch moderne Autos „made in The Länd“.
Brantner: Stillstand ist der eigentliche Feind
An diese Punkte knüpfte die Bundesvorsitzende Franziska Brantner an. Baden-Württemberg sei Autoland, betonte sie, und das Auto kein Feindbild, sondern für viele Menschen Grundlage ihres Wohlstands. Der tatsächliche Feind sei der Stillstand. „Die Zukunft in der Vergangenheit zu suchen, wird nicht funktionieren“, warnte Brantner. Innovation, Klimaschutz und wirtschaftliche Stärke müssten zusammen gedacht werden. Sie verwies auf die rasante Entwicklung der Elektromobilität und der Solarenergie in anderen Weltregionen – vielfach getragen von chinesischer Technologie und damit chinesischer Wertschöpfung. Dem stellte sie die Innovationskraft in Baden-Württemberg gegenüber, etwa im Cyber Valley Tübingen, in den Black Forest Labs Freiburg oder in der Wasserstoffforschung in Stuttgart. Ihr Anspruch: Baden-Württemberg müsse im globalen Wettlauf um eine klimaneutrale und digitale Wirtschafts – Weltspitze nicht nur mithalten, sondern davon auch profitieren. Cem Özdemir bringe dafür als erfahrener und kompromissfähiger Regierungspolitiker die besten Voraussetzungen mit.
Ihre Rede schloss Brantner nachdenklich optimistisch mit einem Zitat von Bruce Springsteen, das auf den US-Schriftsteller James Baldwin zurückgeht:
„In this world, there isn’t as much humanity as one would like, but there’s enough.“ (In dieser Welt gibt es nicht so viel Menschlichkeit, wie man gerne hätte – aber es gibt genug).
Fütterer: Kommunen stärken, Kliniken sichern
Zum Abschluss lenkte Kreisvorsitzende Maren Fütterer den Blick auf die Kommunalpolitik. Finanzielle Engpässe und wachsende Pflichtaufgaben schränkten den Gestaltungsspielraum spürbar ein. Besonders am Herzen liege ihr – wie zuvor schon Arno Meuter – die Zukunft der Neckar-Odenwald-Kliniken. Als Mitinitiatorin der Mosbacher Resolution zum Klinikerhalt machte sie deutlich, dass es den Kreis-Grünen nicht um ein Gegeneinander der Standorte gehe, sondern um den Erhalt einer leistungsfähigen Gesundheitsversorgung an zwei Standorten für den gesamten Landkreis.
Angesichts zunehmender Anfeindungen im politischen Alltag betonte Fütterer: „Wir werden auch 2026 stabil für die Werte unseres Grundgesetzes einstehen.“ Mit dem Ingo Zamperoni – Appell „Bleiben Sie zuversichtlich!“ beendete Fütterer den offiziellen Teil des Neujahrsempfangs. Sie öffnete den Raum für Austausch, Begegnung und Diskussion – und freute sich über einen engagierten Auftakt ins Landtagswahljahr 2026.
